Zur aktuellen RAF-Debatte Teil II

Gedacht werden

Christian Klar und der Mainstream
… oder wie eine Gesellschaft ihre eigenen Kinder in die Kriminalität treibt und bis heute nichts daraus gelernt hat
Da damals die meisten Studenten auf Grund ihrer idealistischen Erziehung, ihrer Herkunft aus bürgerlichen Haushalten, im Schah Reza Pahlevi, nur einen Diktator sahen, der sein Volk unterdrückte und wahllos Oppositionelle ermorden ließ, nicht aber die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die so einen Diktator erst an die Macht bringen, war es für viele unverständlich, wie so eine Person in eine Demokratie eingeladen werden konnte. Hinzu kam, dass der Shah, im Zusammenhang mit den Anti-Vietnamkrieg Protesten auch zur Symbolfigur und zum Stellvertreter der damaligen USA-Außenpolitik wurde. 3 Jahre vorher hatte Johnson den Angriff auf 2 US-Zerstörer im Golf von Tonkin, der nie stattgefunden hatte, dazu benutzt, die Verabschiedung der „Golf von Tonkin Resolution", als gesetzliche Grundlage für den Vietnam Krieg durchzusetzen. Als Folge für Johnsons Lüge starben in Vietnam über 3 Millionen Vietnamesen und 58 000 US-Soldaten. Die USA warfen 4,5 Millionen Tonnen Bomben ab, doppelt so viel wie im Zweiten Weltkrieg. Die treibende Kraft bei der illegalen Ausweitung des Krieges Anfang der 70er - gegen Widerstand im Militär - , war Henry Kissinger, damals US- Außenminister, und Freund vom frisch installierten chilenischen Diktator Pinochet. Er war genau darüber informiert, dass die Flächenbombardements keineswegs, wie offiziell behauptet wurde, "unbewohnte Gebiete" trafen. Hunderttausende Laoten und Kambodschaner starben durch die amerikanischen Bombenteppiche. Diese Bombardements waren ein Kriegsverbrechen, initiiert, unterstützt und kontrolliert von Kissinger.

Aber, da „das Bewusstsein von vornherein schon ein gesellschaftliches Produkt ist und bleibt, so lange überhaupt Menschen existieren," (3) kann es kaum verwundern, wenn der Vorstandsvorsitzende der FDP-Nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhardt, eben diesen Herrn Kissinger in das Berliner Reichstagsgebäude zu einen Festvortrag über "Menschenrechte als Leitprinzip der Weltpolitik" einlädt. Die „Wirklichkeit" der FDP Politiker und die eines 3. Welt-Bewohners ist nicht kompatibel.

Dazu Ulrike Meinhof: „In Vietnam verteidigt Amerika die westliche Freiheit; in Vietnam stellt Amerika seine Bündnistreue unter harten, rührenden, dankenswerten Beweis; Vietnam – das könnte morgen schon Deutschland sein. Nichts von all dem ist wahr. Nachweisbar ist nur, dass die Bevölkerung, die derlei glauben gemacht wird und die Presse, die derlei glauben macht, bis hin zu den Politikern, die das bekräftigen, in diesem Krieg eine Funktion haben."

Erinnert sei hier nur, um den Zeitgeist zu begreifen, an die Aktion der Berliner-Presse Freiheitsglocken nach Vietnam zu schicken und den Skandal den Wolfgang Neuss auslöste als er Geld für Fahrräder für den Vietkong sammelte.

Aber Johnson brauchte, das hatte Dean Rusk auf der NATO-Minister-Tagung in Paris sehr deutlich gemacht, die Unterstützung der Nato-Länder für seinen Krieg, als Argument gegen die wachsende Opposition im eigenen Land.

Der Verein „Moralische Aufrüstung" konnte ganzseitige Anzeigen in der Tagespresse schalten, sie spiegelten die „Volksmeinung" wieder, darin wurde Johnson und dem amerikanischem Volk gedankt für die Opfer an Leben und Gut, die Amerika für die Freiheit – auch unsere Freiheit- brachte. Heute wird diese Freiheit, glaubt man den Sozialdemokraten, am Hindukusch verteidigt, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Gegen Wolfgang Neuss verhängte die Berliner Presse dagegen einen Anzeigenboykott, die Erklärung der Schriftsteller und Hochschullehrer gegen den Krieg fand medial kaum einen Niederschlag, Springers Welt war sie 8 Zeilen wert, dafür gab es aber dreimal eine Serie von Leserbriefen gegen diese praktisch unveröffentlichte Schriftstellererklärung.

Die viel beschworene Pressefreiheit hatte sich aus der Sicht der Studenten, die in dem Glauben an genau diese Freiheit erzogen worden waren, verflüchtigt, und dass das Grundgesetz mit seinem Artikel 26: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören.....sind verfassungswidrig", für Politiker schon damals nicht galt, das lernten sie bei der Gelegenheit gleich mit.

So erklärte der damalige Vizepräsident Humphrey: „ Die Vereinigten Staaten haben Soldaten in Vietnam stehen, weil die eigene Sicherheit der Vereinigten Staaten auf dem Spiel steht. Der Feind muss wissen, dass wir niemals aufgeben und dort bleiben werden, bis das Geschäft erledigt ist." Die Worte könnten direkt aus einer Rede von Bush zu Afghanistan oder dem Irak stammen.

Begnügte sich das römische Imperium noch mit „panem et circencis", um den gesellschaftlichen „Glaubens-Prozess" zu steuern, die Kirche hatte die Beichte, das Monopol über das geschriebene Wort und die Inquisition, so wird daraus heute Infotainment, bzw. Entertainment oder in der Übersetzung von Zbignew Brzezinski eben: Tittitainment.

Noch mal Ulrike Meinhof: „Wer die Diskussion mit dem Gummiknüppel führt, wer die Berichterstattung über den Inhalt der Meinungsverschiedenheiten verweigert, wer der Bevölkerung die Tatsachen über den Charakter der amerikanischen Kriegsführung in Vietnam vorenthält, so dass die Demonstranten in den Augen der Bevölkerung, der Bild-Zeitungsleser, zu Idioten werden müssen, macht aus der Demokratie einen Polizeistaat, aus Staatsbürgern Befehlsempfängern. Man kann heute schon sagen, dass die Gegner des amerikanischen Krieges in Vietnam nicht deshalb in der Bevölkerung der Bundesrepublik eine Minderheit sind, weil die Masse der Bevölkerung diesen Krieg befürwortet, sondern weil nur noch einigermaßen ausgebildete Leute, meist Intellektuelle, die Möglichkeit haben, sich ausführlich zu informieren, was bei der Bildungsstruktur der bundesdeutschen Bevölkerung allerdings nur von einer Minderheit geleistet werden kann"

Die eigene Ohnmacht, diesen Krieg zu stoppen, wurde als eine Art Komplizenschaft mit denen, die ihn führten empfunden, die Machtverhältnisse wurden nicht einmal angekratzt. Der Widerstand gegen die Verbrechen von Staaten, gegen die Bomben in Vietnam, gegen den Terror in Persien, gegen die Folter in Südafrika wurde als sinnlose Freizeitbeschäftigung, die Steinwürfe und Brandstiftungen als nutzloser Protest wahrgenommen. Erst dass bereitete den Boden für die RAF, erst der Tot von Ohnesorg und das Attentat auf Dutschke, erst die Verweigerung jeden Dialogs, erst die tägliche Hetze der Presse und da besonders der Springer Blätter, schufen die Voraussetzung für die Radikalisierung von der Demokratie enttäuschter Bürgerkinder.

Wenn Claus Christian Malzahn im EhNaMag* schreibt: „ Christian Klar hat sich mit seinem düsteren Grußwort um Kopf und Kragen geredet. Die Politik überschlägt sich vor Entsetzen." Wenn er von „schwarzer Prosa", vom „Ghetto-Sound der RAF", redet, wenn er den „ kriminellen Trieb der Terror-Truppe" heraufbeschwört, wenn er vor diesen „kalten Dialekt" warnt, wenn C.C. Malzahn feststellt: „Was Klar hier schwülstig formuliert, ist eben jenes reaktionäre, antiamerikanische Dummdeutsch, das längst nicht nur auf ominösen Konferenzen von linken Sektierern Beifall findet," dann ist Malzahn auf dem besten Weg einer neuen Generation von moralisch desillusionierten Bürgerkindern den Weg in den Untergrund aufzubereiten.

Wenn der CIA für sich das Recht in Anspruch nimmt, gezielt Politiker in der 3. Welt, die sich für soziale Reformen einsetzen zu ermorden, wie Jaime Roldós aus Ecuador, der die Beziehungen zu den amerikanischen Ölkonzernen reformieren wollte, oder Omar Torrijos, der sich in den Kopf gesetzt hatte Panama zu demokratisieren, 2 von Hunderten, wie wir mit 20 jähriger Verspätung immer wieder lernen dürfen, dann darf man sich nicht wundern, wenn dasselbe Recht auch von den Bewohnern der 3. Welt in Anspruch genommen wird, bzw. von eben jenen moralisch desillusionierten Bürgerkindern aus der 1. Welt.

Klars "Grußwort" ist vor allem eine Schlagwortsammlung aus dem linksextremen Poesiealbum. In die Kollektion linker Klassiker wird das Pamphlet wohl kaum aufgenommen werden. Die vulgärmarxistischen Phrasen belegen vor allem eins: dass Klar in der Zelle nicht klüger geworden ist." Soweit der Politik-Chef vom EhNaMag*.






Wenn aber Harold Pinter, in seiner Rede aus Anlass der Verleihung des Nobelpreises, über die nordamerikanischen Politik zu Gericht sitzt, dann wird ihm nicht „reaktionäres, antiamerikanisches Dummdeutsch" unterstellt, dann schwingt sich keine politische Kaste auf und fordert Spielverbot auf deutschen Bühnen, dann wird nicht in einer Magazin-Sendung der neue Terror an die Wand gemalt, denn dann hüllen sich die Massenmedien in betroffenes Schweigen, vertuschen und verharmlosen.


„Die weltweite Vorgehensweise der Vereinigten Staaten macht ihre Überzeugung deutlich, für ihr Handeln völlig freie Hand zu besitzen. Sie haben vorwiegend den von ihnen so genannten „Low Intensity Conflict" favorisiert. „Low Intensity Conflict" bedeutet, dass tausende von Menschen sterben aber langsamer als würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht. Ist die Bevölkerung unterjocht worden oder tot geprügelt, es läuft auf dasselbe hinaus, und sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet. Das war in den Jahren, auf die ich mich hier beziehe, gang und gäbe in der Außenpolitik der USA.

Die Tragödie Nicaraguas war ein hochsignifikanter Fall. Ich präsentiere ihn hier als schlagendes Beispiel für Amerikas Sicht seiner eigenen Rolle in der Welt, damals wie heute.

Ende der 80er Jahre nahm ich (Harold Pinter) an einem Treffen in der amerikanischen Botschaft in London teil.

Der Kongress der Vereinigten Staaten sollte entscheiden, ob man die Contras in ihrem Feldzug gegen den nicaraguanischen Staat mit mehr Geld unterstützt. Ich gehörte der Delegation an, die für Nicaragua sprach, doch das wichtigste Delegationsmitglied war Father John Metcalf. Der Leiter der amerikanischen Gruppe war Raymond Seitz (damals nach dem Botschafter die Nummer Zwei, später selber Botschafter). Father Metcalf sagte: „Sir, ich leite eine Gemeinde im Norden Nicaraguas. Meine Gemeindeglieder haben eine Schule gebaut, ein medizinisches Versorgungszentrum, ein Kulturzentrum. Wir haben in Frieden gelebt. Vor einigen Monaten griffen Contratruppen die Gemeinde an. Sie zerstörten alles: die Schule, das medizinische Versorgungszentrum, das Kulturzentrum. Sie vergewaltigten Krankenschwestern und Lehrerinnen, schlachteten die Ärzte aufs brutalste ab. Sie benahmen sich wie Berserker. Bitte fordern Sie, dass die US-Regierung diesen empörenden terroristischen Umtrieben die Unterstützung entzieht."

Ich darf Sie daran erinnern, dass Präsident Reagan damals folgendes Statement abgab: „Die Contras stehen moralisch auf einer Stufe mit unseren Gründervätern."

Die Vereinigten Staaten unterstützten die brutale Somoza-Diktatur in Nicaragua über 40 Jahre. Angeführt von den Sandinisten, stürzte das nicaraguanische Volk 1979 dieses Regime, ein atemberaubender Volksaufstand.

Die Sandinisten waren nicht vollkommen. Auch sie verfügten über eine gewisse Arroganz, und ihre politische Philosophie beinhaltete eine Reihe widersprüchlicher Elemente. Aber sie waren intelligent, einsichtig und zivilisiert. Sie machten sich daran, eine stabile, anständige, pluralistische Gesellschaft zu gründen. Die Todesstrafe wurde abgeschafft. Hunderttausende verarmter Bauern wurden quasi ins Leben zurückgeholt. Über 100.000 Familien erhielten Grundbesitz. Zweitausend Schulen entstanden. Eine äußerst bemerkenswerte Alphabetisierungskampagne verringerte den Anteil der Analphabeten im Land auf unter ein Siebtel. Freies Bildungswesen und kostenlose Gesundheitsfürsorge wurden eingeführt. Die Kindersterblichkeit ging um ein Drittel zurück. Polio wurde ausgerottet.

Die Vereinigten Staaten denunzierten diese Leistungen als marxistisch-leninistische Unterwanderung. Aus Sicht der US-Regierung war dies ein gefährliches Beispiel. Erlaubte man Nicaragua, elementare Normen sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit zu etablieren, erlaubte man dem Land, den Standard der Gesundheitsfürsorge und des Bildungswesens anzuheben und soziale Einheit und nationale Selbstachtung zu erreichen, würden benachbarte Länder dieselben Fragen stellen und dieselben Dinge tun."[4]

Dazu Claus Peymann vom Berliner Ensemble in einem Interview mit der jungen Welt:„Das, was Klar sagt, ist doch eigentlich die Meinung von fünf Milliarden Menschen auf der Welt. Er spricht das aus, was der weitaus größte Teil der Weltbevölkerung außerhalb von Westeuropa und Amerika denkt".

Nur wenn diese fünf Milliarden ihre Rechte einfordern, dann ist dass für Schreiberlinge wie C.C. Malzahn, „ die quasi religiöse Botschaft, dass die kommunistische Gesellschaftsanalyse von vorgestern auch noch die gültige Kritik von morgen sein soll, " halt ein beharren auf politischen Mythen.

Noch mal Harold Pinter : „Sechs der weltweit namhaftesten Jesuiten wurden 1989 in der Central American University in San Salvador von einem Batallion des in Fort Benning, Georgia, USA, ausgebildeten Alcatl-Regiments getötet. Der außergewöhnlich mutige Erzbischof Romero wurde ermordet, als er die Messe las. Schätzungsweise kamen 75.000 Menschen ums Leben. Weshalb wurden sie getötet? Sie wurden getötet, weil sie ein besseres Leben nicht nur für möglich hielten sondern auch verwirklichen wollten. Dieser Glaube stempelte sie sofort zu Kommunisten. Sie starben, weil sie es wagten, den Status quo infrage zu stellen, das endlose Plateau von Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung, das ihr Geburtsrecht gewesen war."

Die Bewusstseins-Industrie verhindert erfolgreich, dass die Durchsetzung der Menschenrechte für diese 5 Milliarden Erdenbürger ernsthaft auf die politische Tagesordnung kommt. Sie verhindert, dass die ökonomischen Verursacher von Armut, Krankheit, Erniedrigung und Unterdrückung angeklagt werden. Diese Industrie ist ein Kind der letzten 100 Jahre. Sie hat sich so rapide, so vielfältig entwickelt, vom Rotationsdruck der ersten Massenblätter, über das Radio, hin zu Film und Fernsehen, von der alten Schallplatte bis zum iPod, das wir zwar täglich alle diese Dinge nutzen, sie aber als gesellschaftliches Phänomen noch immer „unbegreiflich" erscheinen.

Die Natur der Massenmedien kann aber von ihren technologischen Voraussetzungen und Bedingungen her nicht erschlossen werden. Die Bewusstseins-Industrie ist die „eigentliche" Schlüsselindustrie des zwanzigsten Jahrhunderts. Wo immer es heute auf der Welt zu einem Staatsstreich, einer Revolution oder einem Umsturz kommt, bemächtigt sich das neue Regime zuerst der Fernsehsender und der Radiostationen, es besetzt die Druckereien und verhindert das Erscheinen der Printmedien. In diesen extremen Lagen tritt die Schlüsselstellung der Massenmedien für jeden sichtbar hervor.

Drei Bedingungen lassen sich für das Entstehen der Massenmedien auf den ersten Blick und stark verkürzt, so postulieren:

  • Im philosophischen Sinn brauchten sie den „mündigen" Menschen. Die Medien müssen diese Illusion um jeden Preis, schon um ihrer selbst willen, aufrechterhalten. Denn nur mit einem „Mündigen" können sie das Geschäft der Entmündigung betreiben.  Die Monopole der Medienindustrie sind daher ohne  die Parolen der Aufklärung  nicht denkbar.
  • Die politische Voraussetzung der Bewusstseins-Industrie ist die Proklamation,  nicht zu Verwechseln mit der  Verwirklichung, der Menschenrechte. Erst die Fiktion, als habe jeder Mensch das Recht, über die Geschicke des Gemeinwesens und über sein eigenes Geschick frei zu verfügen, macht das Bewusstsein, das der Einzelne, sowie die Gesellschaft von sich selbst hat, zum Politikum. Erst diese Illusion macht die industrielle Induktion von „Realitäts-Relationen", die Schaffung eines gesellschaftlichen „Glaubenskonsens" zur Bedingung einer jeden Herrschaft.
  • Der ökonomische Prozess der Industrialisierung bringt die technologischen Voraussetzungen, ohne die Bewusstsein eben nicht „industriell" induziert werden kann, gleichsam von selber mit.


„Nach dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten die Vereinigten Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden" fährt Pinter in seiner Nobelpreisrede fort. (4)

"In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts. Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen. Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt".

Dieser Hypnoseakt, das Verschwinden lassen der eigenen Verbrechen, die Kontrolle über die weltweite Bewusstseins-Industrie, das verschleiern der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die hinter diesen Verbrechen stecken, dass ist die Leistung der Massenmedien. Sie sind heute selbst in den Ländern präsent, und omnipotente Informationsquelle, in denen weder eine „intellektuelle Revolution" im Sinne der europäischen Aufklärung, noch eine „industrielle Revolution" je stattgefunden haben, nur weltweit befinden sich die Medien im Besitz der jeweils herrschenden kleinen nationalen Elite, die Sender und Zeitungen beziehen ihre „Wirklichkeit" von den großen internationalen Agenturen, sie füllen ihre Sender mit Konserven aus Hollywood.

Es handelt sich, solange die Völker nicht wirkliche Pressefreiheit als ein Bürgerrecht einklagen, um einen irreversiblen Prozess, einmal in den industriellen Ballungszentren der Welt entstanden, traten die Medien ihren weltweiten Siegeszug an. Ab jetzt wurden nicht mehr nur „Güter" gehandelt sondern „Bewusstseins-Inhalte" unter die Leute gebracht.

Das Fernsehen, das Radio, die Printmedien und seit einigen Jahren das Internet, verschaffen uns Zugriff auf nahezu jede gewünschte Information. Wir können uns nach Belieben mit Daten versorgen. Kein Teil der Welt, kein Fachgebiet, keine Intimität bleibt uns verschlossen. Nur im Gegenzug zu diesem Informationsüberfluss haben wir unser Urteilsvermögen eingebüsst. Wir bemessen die Wichtigkeit weltweiter Vorgänge daran, wie lange und oft im Fernsehen darüber berichtet wird oder wie groß die Schlagzeilen unserer Printmedien diesen Vorgang dramatisieren.

Wir haben uns angewöhnt, dieser von den Massenmedien vorgenommenen Wertung mehr oder weniger blind zu vertrauen. Als Folge unterliegen wir einem Irrtum, wir finden uns in Platons Höhle wieder, die Realität verschwindet aus unserem „Gedacht werden“.

En vivo, desde el barrio La Puya
El Patio

Quellen:

03. Karl Marx  
04. » poetenladen.de 
* ein Ehemaliges Nachrichten Magazin

» © 0815-Info, 07.03.2007

Publiziert am: Donnerstag, 16. August 2007 (2196 mal gelesen)
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Danke für die Kugel

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