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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein hohes Gut! Warum das so ist, erklärt sich schlicht von selbst, wenn man nur einen Blick über den großen Teich wagt! Das US-amerikanische Fernsehen ist durchweg kommerzialisiert, der dortige öffentlich-rechtliche Sektor fristet lediglich ein kümmerliches Dasein und lebt – de-facto – von Almosen. Die kommerzialisierte Version ist „Mittags-RTL“ in einer 24h-Dauerschleife. Nichts, was man sich als Konsument wirklich wünschen sollte.

In den Hamburger Messehallen fand gestern Abend die 51. Verleihung der »Goldenen Kamera“ statt. Knapp drei Stunden Show und Unterhaltung zur besten Sendezeit – und, um es gleich vorweg zu nehmen, es war beste Unterhaltung! Stellvertretend dafür möchte ich zwei Preisträgerinnen hervorheben: Hellen Mirren und Dunja Hayali.

Wenn ein Weltstar wie »Hellen Mirren bei so einer (international beachteten) Preisverleihung im deutschen Fernsehen auf ihre russischen Wurzeln verweist, beschleicht einen so eine leise Ahnung, wie Deutschland in der Welt wahrgenommen wird und wenn ein Comedian(!) die Laudatio für den journalistischen Bereich (Kategorie: Information) hält, zeigt das m.M.n., wie krass die Zustände hierzulande schon sind. Um es auch hier vorweg zu nehmen, »Michael Mittermeier hat das souverän gemeistert und mit »Dunja Hayali gab es auch eine überaus würdige Preisträgerin! Ihre bewegende Dankes-Rede, so wie überhaupt die »gesamte Show – ein Aushängeschild für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk! (ts)

Kommen wir zur Realität:

 


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Eingabe: Geschönte Erwerbslosenzahlen

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

An:"NDR RR VWR" Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates
Dagmar Pohl-Laukamp

Tagesschau 2.2.2016 12.14 z.B.:

»http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-153619.html

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

wie in der NDR-Mitarbeiterzeitschrift "Wir im NDR" zu lesen war, muss im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

"mehr denn je auf Qualität ....gesetzt werden. Es muss mehr recherchiert und eingeordnet werden, statt nur der offiziellen Agenda der Politik zu folgen“.

Eine korrekte Ansicht über journalistische Pflichten, die sich als Verpflichtung auch aus den Programmrichtlinien des NDR herleiten.

Allerdings ist weiterhin festzustellen, dass der NDR sich hieran nicht hält.

In der o.g. Tageschau-Ausgabe wird gemeldet, dass es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland im Januar 2016 2,92 Mio Arbeitslose gab, dazu die entsprechenden Vergleichszahlen des Vorjahres.

 

Diese Angaben sind irreführend, weil sie nur die gemeldete und nicht die »tatsächliche Arbeitslosigkeit benennen. Wir sind der Auffassung, dass ARD-aktuell hier - völlig überflüssigerweise – wieder einmal der "offiziellen Agenda der Politik folgt", die Bundesagentur nachplappert, anstatt darauf hinzuweisen, dass es sich um geschönte Angaben der Politik handelt. Wenn man die ebenfalls vorliegenden, aber versteckten Angaben der Bundesagentur berücksichtigt, käme man - will man korrekt berichten – statt der gestreamten 2,92 Mio Arbeitslosen insgesamt auf tatsächlich 3,65 Mio Menschen ohne Arbeit. Man hätte konsequenterweise darauf hinweisen müssen, dass im Falle von weiteren mindestens 1,5 Mio Minijobbern im Grunde auch nur als von Arbeitslosen gesprochen werden kann, weil sie zu mehr als der Hälfte ihrer Einkünfte von Hilfen gem. SGB leben müssen.

Ohne alle Regierungsfrömmigkeit hätte ARD-aktuell darauf hinweisen müssen, dass es ein Taschenspielertrick von Amts wegen ist, Arbeitslosengeldbezieher über 58, 1-Euro-Jobber, kranke Arbeitslose, Beschäftigungslose, die kein Hartz IV erhalten u.a. aus der Statistik einfach herauszubrechen.

Von einem politisch tatsächlich unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss erwartet werden, derartige Manipulationen der Politik nicht mitzumachen und ihrer Informationspflicht nachzukommen. Das heißt im vorliegenden Fall: die Gesamtzahl der erfassten Arbeitslosen zu nennen, einschließlich der Zahl der in sogenannten "Maßnahmen" steckenden Unglücklichen sowie der Dunkelziffer der nicht mehr registrierten Erwerbslosen.

Betrachten Sie dies als formelle Programmbeschwerde.
Mit höflichem Gruß
V. Bräutigam, F. Klinkhammer

 

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

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