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Seit ihrem Bestehen hat sich die Kanzlei RAT & TAT für die Interessen deutscher und ausländischer Seeleute eingesetzt (s. unter anderem das Buch "Seeleute vor Gericht", 2011). Der Kanzleiinhaber promovierte schon 1978 an der Universität über den "Streik der Seeleute und den Hafenarbeiterboykott" (Marburg 1979), er setzte sich für die Rechte der Seebetriebsräte und der ausländischen Seeleute unter deutscher Flagge aber auch der deutschen Seeleute unter sog. Billigflaggen seit 1977 ein.

 


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Deutsche Seeleute bald Geschichte?

In dem in drei Auflagen erschienenen Buch »"Jammer & Wind" (zuletzt 1988) wandte sich der Autor gegen die nur im Interesse der Reeder praktizierte "Windjammerromantik" in den Medien und entlarvte in einer Denkschrift zum Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven dessen Parteinahme für die Reeder und die Ausgrenzung der sozialen Probleme und Konflikte in der Seeschifffahrt.

1988 war Dr. Rolf Geffken Gutachter beim Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages als es um die Einführung des Internationalen Seeschifffahrtsregisters ging, mit dem deutschen Reedern die Beschäftigung ausländischer Seeleute auf deutschen Schiffen zu "Heimatbedingungen" gestattet werden sollte ("Internationales Seeschiffahrtsregister", 1989). Doch schon damals gelang es den Reedern, die offizielle Politik mit dem Versprechen zu täuschen, Steuergeschenke und Lohndumping würde man "zur Sicherung von Arbeitsplätzen" verwenden. Sogar das BVerfG fiel auf diesen Schwindel herein und wies die Normenkontrollklagen der Länder Bremen und Schleswig-Holstein ebenso zurück wie die Verfassungsbeschwerden der Gewerkschaften.

Es folgte, was von den Gegnern und auch von RAT & TAT prophezeit wurde: Es wurden nicht Arbeitsplätze gesichert, vielmehr reduzierte sich die Zahl deutscher Seeleute vor allem im Mannschaftsbereich massiv. Seefahrtsschulen schlossen, Seemännisches Know-How ging verloren. Während es damals immerhin noch erheblichen Widerstand gegen das Projekt und die Reeder gab und sich viele Betroffene an der Küste gemeinsam mit den Gewerkschaften engagierten, ist heute das Kräfteverhältnis massiv zugunsten der Reeder verändert. Die SPD - damals noch Gegner des ISR - hat unter anderem einer weiteren Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung zugestimmt, mit der Arbeitsplätze deutscher ("teurer") Seeleute weiter vernichtet werden. Zugleich hat der Staat nun 100 % (!!!) der Lohnsteuer der Seeleute den Reedern als "Geschenk" abgetreten. Wieder alles in dem Irrglauben, damit würden Arbeitsplätze gesichert werden. In Wahrheit ist dies nach dem ISR und zahlreichen seit Jahren praktizierten Steuergeschenken an die Reeder das Ende der deutschen Seeschifffahrt.

 

Dies ist eine historische Zäsur von ungeheurer Dimension.
Sie hat politische, rechtliche, kulturelle u n d regionale Bedeutung: Mit dem Tod einer deutschen Seeschifffahrt mit deutschen (oder gleichberechtigten ausländischen) Seeleuten reduziert sich deutsche Schifffahrt endgültig auf das "Museum". Und selbst dort hat die soziale Wirklichkeit der Schifffahrt keinen Platz. An ihre Stelle tritt dort die Lüge von der Seefahrtsromantik. Seefahrtsschulen werden geschlossen. Die Wasserschutzpolizei, Schifffahrtsagenturen und die ganze maritime Wirtschaft werden ihren Nachwuchs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt suchen.

Wir rufen die Öffentlichkeit - vor allem an der Küste - auf, sich endlich den falschen Versprechen der Bundesregierung und der Reeder zu widersetzen und sich mit den Betroffenen, den Seeleuten, praktisch und in Worten solidarisch zu zeigen.

Quellenangaben: