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Warum bloß hält sich so hartnäckig die Ansicht, die Presse sei gleichgeschaltet und voller Propaganda? Weil selbsternannte Durchblicker ihren Aha-Moment genießen wollen.

(aus »"Ein Akt der Selbsterhöhung" von Gero von Randow, ZEIT-Online vom 19.08.2015)

 


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Endlich!
von Andreas Hauß

Endlich mal ein halbwegs intelligenter Gegenartikel gegen den "Lügenpresse"-Vorwurf!
Warum intelligent?
Weil von Randow nicht so primitiv klotzt wie seine Kollegen der QualitÄZtsmedien ("Wir lügen ja gar nicht, und ihr seid doof!"), sondern sich geschickt zu den Kritikern stellt und dann die Wirklichkeit sprechen lässt und die Perspektive wechselt. Er SELBER war gegen die Springerpresse! Ja dann! Das sind die Präliminarien, mit denen sich von Randow vom Rande einschmeichelt. Und dann die Realität, die Wirkmächtige: Springer ward nicht enteignet (Stimmt!) und wir haben keine Staatspresse (Stimmt auch!). Der von Randow ist schon ein toller Hecht - er hat Recht! Gegen die Realität kann man schlecht was sagen.

Derart eingestimmt erwartet uns "ein anderer Versuch, die Verbreitung dieses Vorurteils zu erklären." Das ist schick, das hat was. Gleichschaltung ist nämlich nicht das Thema, Lügenpresse ist nicht das Thema. Lügenpresse ist nur ein "radikales" Vorurteil. Thema wird somit das Vorurteil, und das liegt beim Leser, nicht bei den Medien.

Das ist der Wirklichkeits-Baseballschläger Nr.2: von Randow hat nicht nur aus der unbestreitbaren Tatsache, dass Springer nicht enteignet wurde, die Realität extrahiert, wir hätten eine freie, bunte Presse, sondern ebenso unbestreitbar existiert der Vorwurf einer Gleichschaltung (wobei das exakte Wort eben aus historischen und sachlichen Gründen SO nicht benutzt wird, aber lassen wir das mal dem von Randow, er will das ja auf einen peppigen Punkt bringen). Unser ZEIT-Autor geht also mutig mit einem neuen Blickwinkel ans Werk, realitätsbezogen, hautnah an der Wirklichkeit, mutig.

Und wieder nimmt von Randow die Realitätskeule in die Hand und zertrümmert jetzt die Struktur der Fehlwahrnehmungen, die da u.a. sind:

  • "Deutschland werde von den USA regiert"
  • "Geschichte hinter der Geschichte"
  • "bestimmte finstere Mächte"

Ha, das weiß man doch: wir haben einen Bundestag, die Geschichte ist völlig klar, und finstere Mächte gibt es nicht! Das alles muss dem aufgeklärten ZEIT-Leser nicht einmal mehr als "Verschwörungstheorien" verkauft werden, das wird vorausgesetzt, dass das welche sind.
 



 

Nun geht von Randow ans Eingemachte: die Keule wirbelt nur so umher. Der Leser wird dekonstruiert, dieser böse Wicht, der von sich behauptet:

  • "dass er die Wahrheit kenne"
  • "Durchblicker" zu sein: "Und auf einmal sieht man klar."
  • berechtigt zur Arroganz zu sein: "Er kann auf die Dummen herab-blicken"

Watt för ne fiese Möps, der Kerl!

Die Realitätsskeule knallt:
"Zufall, Nebenläufigkeit oder Kontingenz, ... Eigenwilligkeit, Glück oder Pech" als Erklärungsmuster für 9/11, für das "Versagen" bei den Pariser Attentaten, bei Winnenden, Utoya, "NSU" darf man nicht durch ein "System" ersetzen, wo kommen wir denn da hin. Von Randow fordert Platz für das Pech und den Zufall, dass z.B. da immer wieder die Videokameras versagen, wo man sie dringend brauchen würde und wenn die Luftabwehr  der USA gerade mal stundenlang am Boden bleibt, dann hat das kein System. Die Polizei hat kein Boot für Utoya - kann doch passieren, keinen Hubschrauber in ganz Oslo. Hubschrauber hat zwar die BaWü-Polizei, sie ist sogar an den Tatorten Winnenden und Wendlingen - aber die Aufnahmen sind verwackelt.  Pariser Polizisten haben zwar keine Schusswaffen, dafür aber haben die Attentäter das Glück, dass ihnen überall die codeverschlossenen Türen offenstehen. Und das Pech mit dem  verlorenen Personalausweis. Kann doch passieren. Ein "Transzendenzdefizit" hat von Randow nicht.
Dafür aber die "armen Würstchen", der Mob.

Und hier kommt selbst der knallharte von Randow doch ins Gehedder. Ja, jeder hat das schon mal gehört von der "Masse", die dies oder das nicht durchblicke. Diesen Akt der Selbsterhöhung nehme ich gelegentlich wahr, das gibt es. Wer das sagt, kommt mir in diesem Moment nicht sehr als Demokrat vor. Da gibt es jedoch ein "Aaaber" mit ganz langem a. Diese Leute bemühen sich, ihre Kenntnisse an die "breite Masse" zu verteilen. Sie handeln und sprechen nicht als Illuminati mit "Selbstermächtigung" zur "rrrrevolutionären Tat", sondern verteilen Flugblätter, schreiben Blogs, eMails und Leserbriefe. Sie werden zum "Mob", sie werden selbst zur "breiten Masse" - und sie sind es schon. Lieber Herr von Randow: nehmen Sie es doch einfach mal wahr, dass die Mehrheit der "armen Würstchen" dieser Gesellschaft Ihre Qualitätsmedien nicht mehr liest, nicht mehr schaut, dass die "Masse" Ihnen misstraut. Es gibt gute Gründe in Deutschland, Demokrat zu sein! Nicht Selbsterhöhung, sondern kollektive Ablehnung der Drecksjournaille mit ihren Lügen und Unterstellungen steht an.

Die allermeisten Deutschen lehnen Eure Kriege ab, Ihr Medienverbrecher! Die wenigsten - nämlich Ihr Lügenpressler – behaupten "dass er die Wahrheit kenne"! Die meisten sagen nämlich, dass er sie nicht kenne, sie aber gerne erfahren würde, aber mit demokratischem Gespür sicher sei, dass EURE Wahrheiten Lügen sind.

Von Randow - das war ein netter Versuch. Probieren Sie es doch noch mal.

Noch warten wir auf den Aha-Effekt: A.Ha. steht für Andreas Hauß - ohne Effekt.
© Andreas Hauß
»Medienanalyse-International

Quellenangaben:

Grafik: VolksbetrugPunktNet

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