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Betreff: Programmbeschwerde: AgitProp Nordkorea
Datum: 28. August 2017 um 15:41:19 MESZ
An: "NDR RR VWR" »[email protected]

 


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Programmbeschwerde: AgitProp Nordkorea

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte des NDR,

weil sie so oft aufgelegt werden musste, hat die Platte schon einen Sprung, der Text wiederholt sich:
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, in unsrem Fall der NDR, ist laut Staatsvertrag verpflichtet, mit seinen Programmen zu Frieden und Völkerverständigung beizutragen. Das gilt auch für die – im übrigen der Vollständigkeit, der Sachlichkeit, der Objektivität und der Unparteilichkeit verpflichteten – Informationsangebote der ARD-aktuell. Dass die Redaktion die Richtlinien stets beachtet, haben Sie, der Rundfunkrat, zu überwachen. Falls die Redaktion auftragswidrig arbeitet, sind Sie befugt, vom Intendanten Abhilfe zu verlangen. Schafft er das nicht, können Sie ihn abwählen und einen Fähigeren einsetzen, der – beispielsweise – den ARD-aktuell-Chefredakteur Dr. Gniffke zur Räson bringt.

Dr. Gniffke kann fortgesetzt propagandistische, sachwidrige Nachrichten verbreiten lassen, weil Sie, der Rundfunkrat, nichts dagegen unternehmen. Sie sind deshalb letztlich auch für von ihm veranlasste Nachrichtenunterschlagung zu Propagandazwecken verantwortlich.

Unser aktueller Anstoß, die alte Platte wieder aufzulegen: Am 22. August berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter dem apodiktischen Titel

Nordkorea wird niemals auf seine Atomwaffen verzichten

über eine Konfrontation, die sich bei den Abrüstungsverhandlungen der UNO in Genf zwischen US-Abrüstungsbotschafter Robert Wood und dem Beauftragten Nordkoreas, Ju Yong Chol, zugetragen hat. Wood hatte erklärt, für US-Präsident Donald Trump habe der Schutz der USA und ihrer Verbündeten „absolute Priorität“ angesichts der von Nordkorea ausgehenden „wachsenden Bedrohung“. Die Antwort des Nordkoreaners:

The measures taken by the DPRK (North Korea) to strengthen its nuclear deterrence and develop inter-continental rockets is justifiable and a legitimate option for self-defense in the face of such apparent and real threats,” Ju told the Geneva forum, referring to “constant nuclear threats” by the United States. “...As long as the U.S. hostile policy and nuclear threat remains unchallenged, the DPRK will never place its self-defensive nuclear deterrence on the negotiating table.

Deutsch: "Die Maßnahmen der DVRK (Nordkorea) zur Stärkung der nuklearen Abschreckung und der Entwicklung von interkontinentalen Raketen sind gerechtfertigt und eine legitime Option zur Selbstverteidigung angesichts offensichtlicher und wirklicher Bedrohungen", sagte Ju und bezog sich damit auf die "konstanten nuklearen Bedrohungen" durch die Vereinigten Staaten.

"... Solange die feindselige US-amerikanische nukleare Bedrohung aufrechterhalten bleibt, wird die DVRK niemals über ihre der Selbstverteidigung dienende nukleare Abschreckung verhandeln." Quelle: »https://www.reuters.com/article/us-northkorea-missiles-envoy-idUSKCN1B21C5

Im Gegensatz zu Reuters titelt die investigative Internet-Seite The Intercept:

North Korea Keeps Saying It Might Give Up Its Nuclear Weapons — But Most News Outlets Won’t Tell You That

Deutsch: Nordkorea bleibt dabei, es könnte seine Atomwaffen aufgeben – aber die meisten Nachrichtenanbieter werden Ihnen das nicht mitteilen. Quelle: »https://theintercept.com/2017/08/25/north-korea-keeps-saying-it-might-give-up-its-nuclear-weapons-but-most-news-outlets-wont-tell-you-that/

Unter dem ebenso prophetischen wie auf ARD-aktuell zutreffenden Titel zeigt Jon Schwarz, dass Nordkorea in den vergangenen Wochen – wie bereits seit zwölf Jahren – immer wieder verkündet hat, dass das Land auf Atomwaffen verzichten würde, wenn die USA ihre feindselige Politik und nukleare Drohungen beenden würden, und dass die westlichen Mainstream-Medien diese Tatsache gezielt unterdrücken. Als typische Belege dafür können sämtliche neueren Tagesschau-Berichte über den Konflikt zwischen Nordkorea und den USA dienen, u.a.:

usw. usw.

Das Thema nordkoreanische Abrüstungsbereitschaft kam weder in den TV-Nachrichten noch auf der Webseite der tagesschau vor. Die entsprechenden offiziellen Statements von Kim Jong Un, seinem Außenminister Ri Yong Ho (‘No negotiations unless US drops hostile policy’, Quelle: The Korea Herald, »http://www.koreaherald.com/view.php?ud=20170807000924) und seiner Diplomaten wurden schlichtweg unterschlagen. Unstreitig hätten sie den Blick der bundesdeutschen Öffentlichkeit auf den Konflikt Nordkorea-USA beeinflusst. Ebenso unstreitig ist, dass die Aussagen der jeweiligen „anderen Seite“ in eine Konfliktdarstellung mit Vollständigkeitsanspruch gehören und dass das journalistischen Grundsätzen entspricht.

Nachrichtenunterschlagung ist kein journalistisches Kavaliersdelikt. Sie ist eine der übelsten Formen der Meinungsmache. Sie, der Rundfunkrat, müssten so schwerwiegende Verstöße gegen den gesetzlichen Programmauftrag monieren und Wiederholungen untersagen. Da Sie es nicht tun, machen Sie sich mitschuldig.

Wir legen diese Platte immer wieder auf, sie ist noch alternativlos.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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