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Betreff: Eingabe: ARD-aktuell-Berichterstattung über den „war on terror“
Datum: 31. Oktober 2017 um 21:39:30 MESZ
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Eingabe: Einäugige Berichterstattung über den „war on terror“

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte,

über die Darstellung des angeblichen „Krieges“ (der USA und der von ihr angeführten Westlichen Werte-Gemeinschaft WWG) gegen den Terror in den Nachrichtensendungen der ARD-aktuell haben wir dutzende Male Beschwerde geführt, ohne dass es Sie bewogen hätte, der Tendenzberichterstattung Einhalt zu gebieten. Die Ereignisse in Syrien wurden und werden als „Bürgerkrieg“ und „Rebellion“ gegen Präsident Assad verfälscht. Wider besseres Wissen wurde Chefredakteur Dr. Gniffkes Sprachregelung beibehalten, die so des-informative Begriffe enthielt wie den „m o d e r a t e n Rebellen“ und infame Unterscheidungen zwischen den diversen Kopfabschneider-Fraktionen danach vorsieht, ob sie nur für sich selbst oder im Interesse der westlichen Mächte bei ihren Morden und Folterungen weiße Helme aufsetzten. Unsere Versuche, Korrekturen und sachgerechtere Darstellungen in Tagesschau und Tagesthemen zu initiieren, blieben ergebnislos. Der agitatorisch antirussisch-antisyrische Propagandazug blieb auf seinem Gleis. ARD-aktuell nannte die Hintermänner des Nahost-Krieges, seine Beteiligten und seine Profiteure nicht und malte fortgesetzt an dem Bild, der Frieden in Syrien sei erst dann wiederherstellbar, wenn „Machthaber Assad“ aus seinem Amt gebombt sei.

Dass der Auslöser des Krieges die Weigerung Assads war, sein Land zu einer Transitbahn für Gaslieferungen per Pipeline aus den mächtigen katarischen Gasfeldern nach Europa zu machen und auf diese Weise in die gleiche Gefolgschaft zu geraten, in der Katar und die übrigen arabischen Monarchien von den USA abhängig sind, das hat ARD-aktuell nie sauber dargestellt. Auch nicht, dass ein Hauptziel Washingtons ist, Russland aus dem Gasgeschäft mit Westeuropa zu drängen. Dass syrische Bürgerproteste für eine Invasion ausländischer Söldnerheere und Mörderbanden missbraucht wurden, dito. Entsprechende Hinweise und Beschwerden wurden von ARD-aktuell stets abgeschmettert.

Jetzt hat der vormalige Ministerpräsident Katars, Sheikh Hamad bin Jassim bin Jaber bin Mohammed bin Thani Al Thani, im Staatssender seines Landes gründlich ausgepackt:

Quintessenz: In Syrien und Irak fand nie ein „Krieg“ der USA und ihrer wertvollen Verbündeten gegen den Terror statt. Vielmehr koordinierten die USA, Saudi-Arabien und die Türkei die Waffenlieferungen an die Dschihadisten in Syrien, die Verteilung sei vollständig von der US-Armee getragen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass dabei auch die als-Nusra Front „versehentlich“ bedacht wurde und dass es Verbindungen zu dieser Terrororganisation gegeben habe, doch sei diese Unterstützung gestoppt worden. Zitat:

Anything [weapons] that was sent [to Syria] would go through Turkey and was coordinated with the US, and the distribution of anything was via US forces. Turkey, we and our Saudi brothers… There could be a mistake and support was given to a fiction [al-Nusra Front], but not ISIS. They are exaggerating… Maybe there was a relation with the al-Nusra Front. Maybe I don’t know about this. But I can say that even if this was the case, it was decided that the al-Nusra Front was not acceptable. The support for it stopped,

Bin Jassim teilte mit, Saudi-Arabien habe einen Kurswechsel vollzogen und wünsche nun, dass Assad in seinem Amt verbleibt. Katar selbst habe mit Assad überhaupt kein Problem. Er sei schließlich ein „früherer Freund“.

Bin Jassims Interview erhellt nicht nur die Hintergründe für die jüngsten Spannungen zwischen dem Emirat Katar und den übrigen arabischen Monarchien, voran Saudi-Arabien. Es macht vor allem deutlich, wer die wahren Verbrecher sind, die Initiatoren, Waffenlieferanten und Schutzmächte der terroristischen Mörderbanden: die USA und die "Westliche Wertgemeinschaft".

Das Interview wurde am 26. Oktober ausgestrahlt. ARD-aktuell dürfte davon Kenntnis gehabt haben. Es war eine Gelegenheit, den Kurs des „Flaggschiffs“ in der Nahost-Berichterstattung endlich zu korrigieren.

Die Korrektur wäre im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags und der darin enthaltenen Auf- und Vorgaben für die Informationssendungen gewesen.

Sie wurde nicht vorgenommen. ARD-aktuell bleibt auf Agit-Prop-Kurs.

Gleichgültig, ob Sie unser Protestschreiben nun als „Beschwerde“ auffassen, wie wir sie meinen, oder als „Anregung“ deklarieren: Der Rundfunkrat müsste sich bei sachgerechter Aufgabenerfüllung mit diesen Fakten befassen. Folgt er unserer auf Belege gestützten Argumentation und wirkt darauf hin, dass ARD-aktuell endlich die Kurve zu sachgerechter Informationstätigkeit nimmt, würde das der Glaubwürdigkeit des Instituts insgesamt nur dienen.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

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