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Soweit, in dem im Betreff genannten Zeitraum, direkt oder indirekt über den Kriegsverlauf in Aleppo berichtet wurde, unterschlug ARD-aktuell wesentliche Fakten, die Voraussetzung für ein halbwegs realitätsgerechtes Bild von der Lage in der umkämpften Stadt sind.

 


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Betreff: Programmbeschwerde: Nachrichtenfälschung in ARD-aktuell (7.10.-9.10.) über Aleppo

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Werte Damen und Herren Rundfunkräte, werter Herr Intendant,

Eine unvollständige Auflistung:

  1. Der Syrische Präsident Assad hat am 7. Oktober ungeachtet des gescheiterten Waffenstillstands den in Ost-Aleppo eingekesselten Terroristen „ein letztes Mal“ angeboten, über festgelegte Routen und bei sicherem Geleit die Stadt zu verlassen; sie würden amnestiert, wenn sie ihre Waffen niederlegten.
  2. Die Terroristen haben dieses Angebot umgehend abgelehnt.
  3. Aus Ost-Aleppo nehmen die Terroristen regelmäßig mit Mörsern das von der syrischen Armee befreite West-Aleppo unter Beschuss. Angaben über die Opfer dieser Terroraktionen werden nicht publiziert.
  4. In Ost-Aleppo halten sich kaum noch Zivilisten auf, die nicht Angehörige der Terroristen sind oder in anderer Weise mit ihnen in Verbindung stehen. Der Rest wird von den Terroristen als Schutzschild gegen die angreifenden syrischen Regierungstruppen verwendet; dies ist zwar einer der Gründe, weshalb die Armee nur langsam vorrückt, er wird jedoch in den meisten prowestlichen Medien verschwiegen. Auch wird nicht erwähnt, dass ein Ziel der Regierungstruppen ist, die Zerstörung der historischen Altstadt so gering wie möglich zu halten. (Es gehört zu den Grundsätzen „westlicher Berichterstattung“, Überlegungen und Informationen „der anderen Seite“ zu ignorieren).
  5. UNICEF Deutschland hat jüngst behauptet, in Ost-Aleppo seien 100.000 Kinder in Gefahr. Belegen konnte die Organisation diese Horrormeldung auf Nachfragen allerdings nur mit "Angaben eigener örtlicher Mitarbeiter". Objektive Belege für diese vollkommen überzogene Zahlenangabe gibt es selbstverständlich nirgends. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Unterorganisation der UNO in „prowestlichem Sinne“ agitiert (schließlich sind die größten Geldgeber die USA, die EU und die BRD, die UNICEF verhält sich insoweit nicht anders als das Flüchtlingshilfswerk UHNCR), aber ARD-aktuell berichtet diese Zahl ohne Gegenrecherche und unter Verzicht auf kritischen Sachverstand: An dem Gräuelmärchen, in Ost-Aleppo seien 250.000 Zivilisten eingeschlossen, auf die nun Russische Luftwaffe und syrische Armee gnadenlos Bomben würfen, selbstredend auch „Fassbomben“, wird unbeirrt und bar jeder Logik festgehalten.

Als Aleppo 2011 besetzt und die Zivilbevölkerung von Banditen und Söldnern unvorstellbar grausam terrorisiert wurde, es beispielsweise willkürliche Massenhinrichtungen gab, berichtete ARD-aktuell darüber kaum. Jetzt plötzlich hyperventiliert die Redaktion, seit die von den USA und ihren Verbündeten finanzierten und logistisch unterstützten al-Kaida-Banditen, zumeist ausländische Söldner, aufgrund syrischer und russischer Kriegserfolge endlich im Hintertreffen sind und geschlagen zu werden drohen. Wird ganz Aleppo von diesen Kopfabschneidern befreit, dann haben die USA ihren Terroristenkrieg in Syrien verloren. Das scheint zwar unausweichlich, soll offenbar aber mindestens bis zu den US-Wahlen unter allen Umständen verhindert werden: Es könnte das von der Rüstungslobby finanzierte Clinton-Lager entscheidend schwächen... 

Mit unabhängigem Journalismus, mit staatsvertragstreuer Nachrichtengestaltung hat die Berichterstattung von ARD-aktuell nichts mehr gemein. Mit berufsethischen Grundsätzen auch nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

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