aktuelle News

Es bedarf keiner Absprache zwischen den deutschen Leitmedien über die Frage, was Lieschen Müller und Michel Meier nicht lesen, sehen oder hören sollen. Das trifft in besonderer Weise auf alle Äußerungen und Betrachtungen aus marxistischer Weltsicht zu.

 


ndr.jpg

Betreff: Programmbeschwerde: Nachrichtenunterdrückung – Marxistische Sichtweise unserer realen Welt. Beispiel: ARD-aktuell zwischen 16.4. und 19.4. 2016
An den: NDR Rundfunkrat, NDR Verwaltungsrat
Kopie: NDR Intendant

 

von Volker Bräutigam*, Friedhelm Klinkhammer** & Wolf Gauer***

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Marxismus mag eine Philosophie von historischem Rang sein, der Kommunismus für mehr als eine Milliarde Menschen Bedeutung haben, im NDR-Staatsvertrag mag stehen

§5 Programmauftrag ...hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick ... in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm hat der Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung zu dienen. ...

§7 Programmgrundsätze ... dazu beitragen, die Achtung vor ... Glauben und Meinung anderer zu stärken, ... Das Programm ... soll die ... internationale Verständigung fördern, für die Friedenssicherung und den Minderheitenschutz eintreten...

§8 Programmgestaltung... hat sicherzustellen, dass ... das Programm nicht einseitig ... einer Weltanschauung dient.

- es ficht das alles ARD-aktuell nicht an. Über kommunistische Gesellschafts- und Politikvorstellungen unterrichtet diese Redaktion fast nie, vollständig und umfassend ohnehin nicht, und wenn überhaupt, dann nur in ihrem Internet-Feigenblatt "tagesschau.de" für die Fünf-Prozent-Minderheit des Publikums; in den TV-Ausgaben der Tagesschau mit ihren (noch) 9 Millionen Zuschauern erscheint nichts, was das herrschende System infrage stellt. Richtschnur dort ist allein die neo-liberalistische, kapitalistische Weltanschauung. Unsere – wie wir wissen ebenso ungewöhnliche wie aussichts- und folgenlose – Programmbeschwerde soll das am Beispiel der Nichtberichterstattung über den VII. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas vom 16. bis19. April 2016 deutlich machen.

Speziell die weltweit kommentierten Worte Fidel Castros unterfielen der Zensur des Schweigekartells der MSM. Zwar war in den Printmedien von „kommunistischem Konklave“ und der „kubanischen Nomenklatura“ (FAZ) die Rede, vom „Abschied“ und „Machthaber“ (SZ), vom „Maximo Lider“, „Staatsfernsehen“ und „Politbüro“ (Bild) und viel vom baldigen Tod des wiederholt Totgesagten und tausendmal Totgewünschten (allein mehr als zwei Dutzend nachgewiesene Ermordungsversuche der US-Geheimdienste hat er überlebt). Instinktsicher aber wird die Botschaft des großen alten Mannes unterschlagen, die sich weit über ideologische Enge erhebt:

Alle kommen wir an die Reihe, aber die Ideen der kubanischen Kommunisten verbleiben als Beweis dafür, dass auf diesem Planeten, wenn man mit Lust und Würde arbeitet, die materiellen und kulturellen Güter produziert werden können, die die Menschen brauchen, und wir müssen unermüdlich kämpfen, um sie zu erlangen. Unseren Brüdern in Lateinamerika und der Welt müssen wir vermitteln, dass das kubanische Volk siegen wird.

Quellen: (»Diario de Cuba, 20.4.15) und »http://www.fgbrdkuba.de/txt/doc/20160419-fidel-castro-rede-parteitag-2016.php

Nein, solche Sätze aus dem Mund eines Kommunisten dürfen in der TV-Tagesschau nicht übertragen werden. Das wäre ja der Bruch eines unverhandelbaren Tabus. Und so verpackt ARD-aktuell Castros Sätze in menschelndes „Castro nimmt leise Abschied“-Gedusel, verkürzt sie und verpasst dem Schluss eine nationalistische Note –

„Und dann klang es ein bisschen nach Abschied: ‚Für uns alle wird die Stunde kommen, aber was bleibt, sind die Ideen der kubanischen Kommunisten. Sie beweisen, dass es möglich ist, die materiellen und kulturellen Güter zu produzieren, die die Menschen brauchen.’ Das kubanische Volk werde siegen.“

Quelle: »http://www.tagesschau.de/ausland/kuba-fidel-castro-101.html

– obwohl Castro sich in seiner gesamten Rede ausdrücklich auf „diesen Planeten“ und auf „die Menschen“ (im Sinne von Menschheit) bezieht und damit eine Perspektive herstellt, die uns alle angeht, nicht nur die kubanischen Kommunisten. Kleiner Eingriff (Verkürzung), große Wirkung (Fälschung). So filigran arbeitet der antikommunistische Propaganda-Apparat. Selbst noch in der „Nische“ »www.tagesschau.de.

Unsere Programmbeschwerde soll dazu dienen, den Rundfunkrat zum Nachdenken zu bewegen über die Frage, warum die Tagesschau so ist, wie sie ist – und nicht so, wie sie laut Staatsvertrag sein sollte: unabhängig. Frei von zwanghaft „prowestlicher“ Sichtweise. Um Objektivität und Vollständigkeit bemüht, um Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und menschlichen Anstand.

Höflich grüßen

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer und Wolf Gauer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

***Wolf Gauer ist Journalist und Filmemacher und lebt in Brasilien

Grafik: © ChrisHamburg / Wikimedia

Grafische Bearbeitung/Linksetzung durch 0815-Info.com