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Viel wird berichtet über die „Humanitäre Katastrophe in Aleppo“, über den Tod von Kindern in russischen Luftangriffen, über Not und Mangel.

 


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von Manfred Ziegler*

Jeder Krieg ist bösartig, jeder Krieg ist schlecht. Wir sind gegen Krieg, weil Menschen getötet und verstümmelt werden, unschuldige und schuldige. Weil der Reichtum einer Gesellschaft zerstört wird und aus blühenden Landschaften Wüsten werden. Und weil der militärisch-industrielle Komplex noch seinen Profit daraus zieht. Wer aber die Abriegelung eines Teils von Aleppo als humanitäre Katastrophe beweint – und selbst ein »Embargo gegen ganze Staaten verhängt: ist unglaubwürdig. Und wer die Bombardierung eines kleinen Teils von Aleppo in den Mittelpunkt seiner Propaganda stellt – und den großen Teil von Aleppo vergisst, der von den Terroristen beschossen wird: ist unglaubwürdig. Und wer geschwiegen hat, als die Dschihadisten den »Ostteil von Aleppo erobert haben – mag jetzt die humanitäre Katastrophe verfluchen. Wer aber die Erfolge der Dschhadisten bejubelt und überhaupt mit Waffen, Geld und Medien erst ermöglicht hat – hat jedes Recht zur Klage verwirkt.

Waffenstillstand in Trümmern
Waffenstillstände wurden auch in der Vergangenheit vor allem dann erreicht, wenn die syrische Armee Erfolge erzielte - um sie dann ad acta zu legen, wenn die Terroristen militärisch wieder gestärkt waren. Nach monatelangen erfolglosen Verhandlungen gab es ein Ergebnis der Genfer Verhandlungen zwischen Russland und den USA, das in den USA heftig umstritten war. Das Pentagon behielt sich vor, das Ergebnis zu akzeptieren – oder auch nicht. Ein massiver Angriff auf syrische Truppen durch Flugzeuge der USA und ihrer Verbündeten ließ den Waffenstillstand scheitern. Der Schwerpunkt der Kämpfe ist Aleppo. In der Vereinbarung mit Russland wurde von den USA zugesagt, ihre „gemäßigten“ Terroristen würden sich von al-Nusra und IS trennen. Nichts geschah. Nun bombardiert die russische Luftwaffe IS und al-Nusra und alle ihre Verbündeten in Aleppo. Die USA sehen ihr Projekt des „Regime-Change“ gefährdet und stellen Russland vor ein Ultimatum: sie drohen mit dem Abbruch jeglicher Zusammenarbeit in Syrien. Viel wurde in den letzten Wochen über die „Strategische Bedeutung“ von Aleppo gesprochen. Es gab schon viele strategische Erfolge und Misserfolge in diesem Krieg und einen inflationären Gebrauch des Wortes. Erfolg oder Misserfolg in Aleppo aber haben eine Bedeutung, die den Verlauf des Krieges entscheidend beeinflussen können (»hier und »hier). Zum Westteil von Aleppo, den IS und al-Nusra nicht hatten erobern können gibt es hier noch einmal die zwei Berichte von Fehim Tastekin. Fehim Tastekin hatte Anfang August 2015 im Anschluss an eine internationale Konferenz mehrere Städte in Syrien – darunter Aleppo - bereist.

Und hier gibt es »mehr zum Beginn des Krieges um Aleppo

Kriegslügen
Der Chilcot-Bericht hatte 13 Jahre nach dem Krieg einiges über die Lügen, mit denen der Krieg verkauft wurde, ans Licht gebracht. Jetzt listet ein neuer »Bericht des Britischen Unterhauses die Lügen auf, mit denen der Krieg gegen Libyen verkauft wurde:

  • Der Mythos von der Bombardierung von Zivilisten wurde von „Rebellen“ übertrieben und von westlichen Regierungen verbreitet.
  • Die wichtige Rolle von bewaffneten islamistischen Terroristen wurde verheimlicht.
  • Der Aufstand war von Anfang an bewaffnet und hätte ohne die NATO vermutlich keinen Erfolg gehabt.

Die Analyse der Beweggründe Frankreichs als treibender Kraft hinter der Intervention ergab das naheliegende – Öl. Und den Versuch der Regierung Sarkozy, ihre innenpolitische Situation zu verbessern. Das Ergebnis des Krieges war eine humanitäre Katastrophe. Berichte über die wahllose Bombardierung von Zivilisten hören wir auch heute über Aleppo. Die Frage ist nur, wann der nächste Parlamentsbericht die Lügen, die zum Krieg gegen Syrien führten, öffentlich machen wird.

Weißhelme
„Wenn es Bomben regnet, eilen die Weißhelme herbei. Sie helfen jedem, unabhängig von Religion oder Politik…“ so beschreibt sich die »Organisation der Weißhelme selbst. Sie wurde 2013 von einem britischen Armee-Offizier gegründet und gilt als NGO. NGO übersetzt sich bekanntlich als Nicht-Regierungs-Organisation und das bedeutet in aller Regel: Eine Organisation, die nicht von der Regierung des Landes finanziert wird, in dem sie arbeitet – sondern von anderen Regierungen…

»Mehr zu den Weißhelmen auf Balqis

Mehr Kriegslügen
Daraya im Umland von Damaskus war einer der Brennpunkte des Krieges. Zivilisten, die eine Bibliothek betrieben, Frauen und Kinder standen im Vordergrund der Medienberichte über die katastrophale humanitäre Situation. Wer kaum je zu Wort kam, waren die bewaffneten Dschihadisten, die den Ort zu ihrem Stützpunkt gemacht hatten. Das waren keine Bibliothekare und Zivilisten, sondern schwer bewaffnete, gut ausgebildete und gut versorgte Kämpfer. Die Armee konnte lange Zeit Daraya nicht besetzen und musste sich mit der Kontrolle über die Zugangswege begnügen. „Unsere Front ist standhaft und stark“, erklärt ein Hauptmann Saeed Jamal in einem Interview…

»Mehr zu den Kriegslügen auf Balqis.

Splitter
Keine neue Erkenntnis, aber eine, die unsere Medien gerne unterschlagen: Die USA und ihre Verbündeten unterstützen die Terroristen der al-Nusra in Syrien. Jürgen Todenhöfer ist die »Veröffentlichung eines Interviews mit dem Anführer einer Gruppe von Jabhat al-Nusra zu danken. Versöhnungsinitiativen sind der Weg, um in Syrien zu friedlichen Lösungen für lokale Konflikte zu gelangen. Solche Initiativen gibt es seit langem in vielen Orten, in »Homs, Daraya und »insgesamt in 671 Orten. Waffenstillstandsvereinbarungen wurden zwischen der Regierung und 69 bewaffneten Gruppen geschlossen. China hat medizinisches Gerät und Medikamente nach Syrien geliefert und darüber hinaus medizinische Trainingskurse für die syrische Armee durchgeführt.

Der verheimlichte Krieg
Unvermindert und kaum unbeachtet von westlichen Medien geht der Krieg Saudi-Arabiens gegen den Jemen weiter, nun schon weit im zweiten Jahr. Ca. 9.000 Luftangriffe wurden bisher geflogen, ein großer Teil auf Ziele ziviler Infrastruktur. 10.000 Menschen wurden getötet. Und »wie die Zeit berichtet:

Saudi-Arabien ist noch immer der weltweit größte Importeur von Waffen und militärischer Ausrüstung. Laut dem Branchendienst Jane's wurden im vergangenen Jahr Rüstungsgüter im Wert von rund 9,3 Milliarden US-Dollar in das islamische Königreich geliefert. [...] Hinter den USA und Russland war Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Exportwert von 4,2 Milliarden Euro der drittgrößte Waffenexporteur weltweit. Wichtigste Abnehmer waren Länder in Nahost und Nordafrika – vor allem Saudi-Arabien.

Infos
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© Manfred Ziegler

Quellenangaben:

Grafik: © Propagandaschau

weiterführende Links zum Thema:

Foto: Manfred Ziegler / Facebook *»Manfred Ziegler beschäftigt sich - neben seinem Beruf als IT-Berater - seit mehr als 10 Jahren mit den Entwicklungen im Nahen Osten, spricht Arabisch und war längere Zeit in Ägypten (Kairo) und mehrmals für längere Zeit in Syrien.

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