aktuelle News

Papst Fanziskus irrt sich, wenn er „die Welt im Krieg“ sieht. Die ganze Welt sehnt sich nach Frieden. Nicht die Welt, sondern ein winziger Teil der Welt, nämlich die reichsten Industriestaaten organisieren und betreiben Krieg, Gewalt und Terror. Syrien, ein kleines arabisches Land, ist Opfer dieser extremen Bosheit des westlichen Egoismus.

 


stuttmann.jpg

Frieden das höchste Gut für die Weltstaatengemeinschaft, Frieden auch ein christlicher Begriff, nicht aber „Sicherheit“
von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Frieden auf Erden ist seit der Geburt Christi im Evangelium von den Engeln gesungen. Frieden ist ein christlicher Begriff, nicht aber „Sicherheit“. Franziskus hat zu Recht die Sicht der Ministerpräsidentin Polens („Es gibt nichts Wertvolleres als Sicherheit“) grundsätzlich korrigiert: Sicherheit ist wertvoll und wichtig, das höchste Gut für einen Christen ist sie aber nicht. Der Frieden ist das höchste Gut für die Weltstaatengemeinschaft, festgeschrieben in der Charta der Vereinten Nationen. Der Staatschef vom Vatikan muss es auch wissen. Bedauerlicherweise hat Papst Franziskus versäumt, diesen primären Grundsatz der Völkergemeinschaft in Polen zu betonen. Es gibt keinen Versicherungsglaube. Aufgrund fehlender christlicher Erziehung und Bildung schafft der SZ-Journalist Matthias Drobinski Verwirrung und verdunkelt sogar die christliche Botschaft, wenn er in seinem Kommentar „Christen – Die Nächstenliebe und der Nächste“ (29.7.) dem Papst einen „Verunsicherungsglauben“ unterstellt. Gerade als in Deutschland und Europa eine Stimmung von „Angst“ und „Verunsicherung“ absichtlich von unreflektierten oder dirigierten Journalisten verbreitet wird, ist der gesunde Menschenverstand jedes Einzelnen aufgerufen, um aus den bekannten Fakten besonnene realistische Folgerungen zu ziehen. Kriminelle Untaten kommen hierzulande täglich vor, auch in Frankreich und Polen. Niemals aber wurden sie in den Vordergrund der täglichen Nachrichten gerückt, außer in der sensationalistischen Boulevard-Presse. Vor wenigen Tagen wurde ein Arzt in einem Krankenhaus von einer Krankenschwester ermordet. Was hätten Soldaten hier dagegen tun können? Muss man die Bundeswehr auch in Krankenhäusern stationieren? „Maschinenpistolen und ein mächtiger Sicherheitsapparat können keine friedliche und menschliche Gesellschaft schaffen“. Da hat Matthias Drobinski völlig recht.

Vom Töten und von der Versöhnung
Hören wir den Originalton von Christus selbst im Matthäus-Evangelium:

Vom Töten und von der Versöhnung: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein... Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.... Von der Vergeltung: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin... Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte... Gesegnet die Friedfertigen, weil ihnen gehört die Erde.

Keine Eskalation, keine Übertreibung, kein Extremismus
Diese weise christliche Botschaft stellt nicht nur die Liebe über alles, sondern sie ist auch ein Ausdruck menschlicher Vernunft und besonnenner Weisheit, die uns vorsichtig darauf hinweist, keine Eskalation aufgrund einer bösen Tat zu betreiben, keine Übertreibung, kein Extremismus daraus folgen zu lassen, die zum Schluss nur die Bosheit triumphieren lässt. Das Gegenteil ist der gesunde vernünftige Weg aus der Bosheit heraus, wie es im Gebet von Franziskus von Assisi so wunderschön heißt. Wenn die tiefe Bedeutung der christlichen Botschaft als „naiv“ und „weltfern“ stigmatisiert und unterdrückt wird, ist das ein Zeichen fehlendes Verständnisses der Weisheit des Evangeliums. Die Justiz ist jedenfalls einzuschalten, um Verbrecher vor Gericht zu stellen. Das ist eine Forderung jeder Rechtsordnung, die im Evangelium auch bekräftigt wird.

Keine Verunsicherung
Christliche Priester sind hier aufgerufen, die deutsche Gesellschaft auf ihre christlichen Wurzeln hinzuweisen und darauf zu orientieren. Daraus folgt keine Verunsicherung, „kein schwankender Boden“, sondern echtes Vertrauen in das Leben, Selbstvertrauen für jeden Menschen.

Krisensymptome einer gespaltenen Gesellschaft
Die Vorsitzenden der Partei DIE LINKE., Katja Kipping und Bernd Riexinger, machen am 26.7. auf folgendes aufmerksam:

Gegen eine Brutalisierung der Gesellschaft: Die Ursachen von Gewalt und Terror bekämpfen statt Rassismus schüren! Alle Statistiken und Einschätzungen der Polizei und Justiz zeigen: Geflüchtete sind weder gewalttätiger noch krimineller als der Durchschnitt der Bevölkerung.... Eine gefährliche Stimmungsmache gegen Geflüchtete führt nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu mehr Hass und einer Brutalisierung des gesellschaftlichen Klimas... (durch) Wasser auf die Mühlen rechter Gewalttäter und Terroristen.

Der wachsende Rassismus, rechter Terror gegen Geflüchtete und Andersdenkende sowie Gewalttaten reaktionärer Islamisten sind Zeichen einer Brutalisierung der Gesellschaft... Aber eines steht fest: Es handelt sich nicht nur um „äußere Gefahren“, sondern auch um Krisensymptome einer gespaltenen Gesellschaft. („Abgeschrieben“, Junge Welt, 27.7.)

Religion nicht kriminalisieren
Kurz gesagt: Muslime und ihre Religion, der Islam, sind nicht zu kriminalisieren. Verbrecher sind sowohl bei Christen als auch bei Muslimen zu bestrafen. Alle diese Angreifer, egal wo sie ihre abscheulichen Verbrechen verüben, haben keine Beziehung zum Islam oder zum Christentum. Christen und Muslime sind sich darüber einig.

© Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Quellenangaben:

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann / Berlin

  • Kommentar in Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 29.7.: „Christen – Die Nächstenliebe und der Nächste“ von Matthias Drobinski

Foto: Tlaxcala*Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist eine chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität in Santiago de Chile mit Spezialisierung auf das Völkerrecht und Praxis im Strafrecht. Nach ihrer Arbeit im Außenministerium war sie Diplomatin in Washington D.C., Wien und Jerusalem und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen.

Grafische Bearbeitung/Linksetzung durch 0815-Info.com