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Vorgeschichte zur Nordkorea-Krise: Korea-Krieg mit extrem unmenschlicher, grausamer US-Gewalt
Der Konflikt der USA mit Nordkorea hat eine lange, extrem unmenschliche Vorgeschichte. Hass und Misstrauen gegenüber den USA sind darauf begründet. Christoph Neithart geht in der Süddeutschen Zeitung darauf näher ein in seinem Artikel „»Eskalation in Ostasien – Spur des Hasses“ (SZ 12./13.8.17):

[…] Dieser Hass wird meist mit dem Koreakrieg (1950-1953) erklärt, der offiziell bis heute nicht beendet, sondern nur durch einen Waffenstillstand unterbrochen ist. Doch die Vorgeschichte reicht weiter zurück.

[…] Nach seinem Sieg im russisch-japanischen Krieg 1905 machte Tokio dann die Halbinsel […] zu seinem Protektorat, 1910 zur Kolonie. [... ] Der Zweite Weltkrieg befreite Korea von den japanischen Besatzern, aber er spaltete es auch.

[...] Kim hatte sich im Widerstand gegen die Japaner einen Namen gemacht und später in der Roten Armee gedient. Nordkorea beanspruchte das Erbe dieses Widerstands von Anfang an für sich. Es betrachtet die Regierung im Süden bis heute als Marionette Washingtons. Und die Amerikaner […] als Nachfolger der japanischen Kolonialherren. Das verstärkt die Abscheu gegen die USA.

Am 25. Juni 1950 marschierte Kim II-sung nach Südkorea ein, um das ganze Land unter seine Kontrolle zu bringen. Binnen weniger Wochen kontrollierten seine Truppen fast die ganze Halbinsel. Dann aber landete US-General MacArthur […] . In wenigen Wochen überrannten seine Truppen Nordkorea [...] Ein übler Vernichtungskrieg folgte, bei dem die Amerikaner alle Städte Nordkoreas zerstörten. Sie warfen 635.000 Tonnen Bomben über dem kleinen Land ab, mehr als im Zweiten Weltkrieg in allen Schlachten um den Pazifik. [...] Im Juli 1953 unterzeichneten Nordkorea und China mit den USA als Vertreter der UN in Panmunjom den Waffenstillstand, der bis heute gilt. Südkorea machte nicht mit. Aus der Sicht des Nordens hat sich Südkorea damit als Verhandlungspartner disqualifiziert. [...] 

Korea ist eine von den japanischen Kolonialherren und vom Krieg geschundene Nation [...] Dabei hat das Regime im Norden den unversöhnlichen Autoritarismus der Japaner übernommen... Nordkorea provoziert oder fühlt sich provoziert und schlägt zurück. […] Diktaturen brauchen Feindbilder, vor allem Regime, die nicht in der Lage sind, die Grundbedürfnisse ihres Volkes zu befriedigen.

 


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USA immer mit Feindbildern
von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Die USA sind aber keine Diktatur, kein Regime, das die Grundbedürfnisse des Volkes nicht befriedigen kann und trotzdem brauchen die USA Feindbilder, wie die Nachkriegs-geschichte ab 1945 tatsächlich belegt. Der Journalist Kai Strittmatter bemerkt diesbezüglich:

Reibung gab es immer, Streit gelegentlich, aber nie wurde es richtig ernst, was auch daran lag, dass die USA die meiste Zeit viel zu beschäftigt waren, andere als Rivalen oder Hauptfeind Nummer eins zu bekämpfen: zuerst die Sowjetunion, zuletzt den islamistischen Terror. (China-USA – Krampf der Giganten“ von Kai Strittmatter, SZ 3.8.)

Christoph Neidhart weiter:

In den Jahren nach dem Koreakrieg stand der Norden wirtschaftlich besser da als der Süden; doch spätestens mit dem Zusammenbruch des Sowjetsimperiums […] litten die Nordkoreaner unter Mangel und Hunger. 1994 entdeckte Washington, dass Pjöngjang dabei ist, Atomwaffen zu entwickeln. [...] Im „Genfer Rahmenabkommen“ vom Herbst 1994 verzichtete Pjöngjang auf Atomwaffen [...] US-Außenministerin Madeleine Albright besuchte Pjöngjang, selbst über eine Visite (des Präsidenten) Clintons wurde nachgedacht. Allerdings hielten sich weder Washington noch Pjöngjang an das Abkommen [...] Clintons Nachfolger George W. Bush ließ das Abkommen platzen. Sein Vize Dick Cheney forderte einen gewaltsamen Regimewechsel in Pjöngjang. ... (Link s.o.)

Bushs Platzen-lassen des Genfer Abkommen ist einer der größten Fehler der US-Außenpolitik. Seitdem wird der Ton zwischen beiden Ländern immer schriller.

Nordkorea mit Atomwaffen zur Verteidigung bei massivem konventionellen Angriff
Nordkorea versichert seit Monaten, dass es niemals über sein Nukleararsenal verhandeln werde, es sei denn, die USA änderten ihre feindselige Haltung. (SZ, 12.8.) Eine verständliche Position, die im Kontext der Verhältnisse mit den USA pragmatisch vorsichtig abzuwägen ist. Nicht nur US-Präsident Trump, sondern auch Redaktionen und Journalisten wie Hubert Wetzel müssen die Realität zur Kenntnis nehmen, wenn sie sich mit einem langen US-Konflikt befassen. Das konventionelle Militärarsenal Nordkoreas aus der Zeit der Sowjetunion ist komplett veraltet und reicht zur Verteidigung des Landes nicht aus. Deswegen baut Nordkorea auf sein Atomarsenal, um sich gegen einen massiven konventionellen Angriff mit Atomwaffen zu verteidigen, wie auch die südkoreanische Teilnehmerin der Phoenix-Sendung „»Frühschoppen“ am Sonntag 13.8. erklärte.

US-Abzug aus Südkorea im Interesse Chinas und der Wiedervereinigung Koreas
Im Interesse Chinas und einer Wiedervereinigung Koreas steht der US-Abzug aus Südkorea. Keine frühere US-Regierung hat sich in diese Richtung bewegt. Auch ein großer tradierter Fehler der US-Außenpolitik. Ob die Position der Trump-Regierung anders wird, bleibt offen.

Unbegrenzte militärische US-Kontrolle auf fremden Territorien großes Problem für normale internationale Beziehungen
Pjöngjang erklärte, in den kommenden Wochen Mittelstreckenraketen in die internationalen Gewässer rund um die US-Pazifikinsel Guam abfeuern zu wollen. Auf Guam ist eine US-amerikanische Militärbasis mit einigen Tausend Soldaten. Die Insel hat quasi den Status einer US-Kolonie, offiziell „nichtinkorporiertes Territorium der USA“.

Gerade die unbegrenzte militärische US-Kontrolle auf fremden Territorien stellt ein großes Problem für normale internationale Beziehungen dar, weil sie größtes Misstrauen sät.

Merkel ruft zur Mäßigung auf
Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor einer Eskalation der Krise, ruft zur Mäßigung auf und lässt erkennen, dass sie Trump und dessen verbalen Drohungen für die gefährliche Lage verantwortlich macht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Eskalation der Sprache nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen wird.“ So die Kanzlerin aus Berlin am 11.8. und weiter: „Ich sehe auch keine militärische Lösung des Konflikts“. Wichtig sei jetzt die Internationale Abstimmung, besonders zwischen den USA und China, aber auch mit Japan und Südkorea.

Militärmanöver immer eine Provokation
Südkorea und die USA wollen bislang an einem gemeinsamen Militärmanöver festhalten, das noch in diesem Monat vom 21. bis 31. August stattfinden soll. Derartige Übungen finden jedes Jahr statt und sollen angeblich der Abschreckung Nordkoreas dienen. Angesichts der brenzligen Lage wäre es klug für Südkorea und die USA, auf alle Manöver zu verzichten und dem chinesischen Vorschlag nachzukommen. Andernfalls zeigte sich Südkorea wieder einmal als US-Marionette. Militärmanöver sind immer, ganz gleich wo, eine Provokation, eine törichte unnötige Provokation, was zu vermeiden ist.

Verdikt des Korea International War Crimes Tribunal am 23.Juni 2001 in New York zur ausführlichen Aufklärung
Es geht jetzt darum, Entspannung zu fördern, und es liegt am US-Präsidenten Trump, diese intelligente besonnene Geste zu zeigen, insbesondere gegenüber einem kleinen Land, das sich zu Recht als Opfer der US-Militärpolitik fühlt, weil es tatsächlich Opfer gewesen ist, wie die Vorgeschichte beweist, und zwar ein schreckliches Opfer extrem grausamer, unmenschlicher US-Gewalt während des Korea-Krieges. Hier sorgt das Verdikt des Korea International War Crimes Tribunal am 23. Juni 2001 in New York für ausführliche Aufklärung. Journalisten sollten sich damit befassen, um sachlich einzusehen und zu bestimmen, welcher Akteur unberechenbar und am gefährlichsten ist.

US-Außenminister Rex Tillerson feindselig gegenüber Thailand und Nordkorea
Am törischsten wirkt jüngst US-Außenminister Rex Tillerson in Bangkok am 8.8., als er Thailands Militärregierung auffordert, die Wirtschaftsbeziehungen zu Nordkorea einzuschränken. Thailand und Nordkorea pflegen enge wirtschaftliche Beziehungen, allein 2014 seien nach Angaben des thailändischen Aussenministeriums 107 Millionen Euro zwischen den beiden Staaten geflossen. („Tillerson gegen Nordkorea in Thailand“ von AFP/ jW , Junge Welt 9.8.17.) Das State Department handelt feindselig gegenüber beiden Ländern mit seiner willkürlichen Forderung, die gar nicht zur Entspannung beiträgt.

Wiedervereinigung mit Nordkorea anstreben
Südkorea sollte sich besonnen verhalten und weiter die Wiedervereinigung mit Nordkorea anstreben. Eine unwürdige Allianz mit dem ständigen historischen Aggressor gegen die Halbinsel disqualifiziert Südkorea vor der gesamten koreanischen Bevölkerung. Die USA suchen – obgleich keine Diktatur- immer wieder nach Feindbildern, um ihren Militärindustrie-Komplex zu alimentieren. Hier liegt die Gefahr beim politischen Washington und das Handicap jeder US-Regierung, die sich nicht für den Frieden einsetzen kann oder will, sondern immer wieder Aggression und Krieg betreibt.

Kennzeichen der US-Außenpolitik: Besessenheit nach Regime-Wechsel
Die US-Regierung spielt ein aggressives Spiel bei ihrer jahrzehntelang gewollten Konfrontation mit Nordkorea. Ihre langjährigen Sanktionen gegen das arme koreanische Land sind völlig ungerechtfertigt, willkürlich, wie alle US-Sanktionen, die eine aggressive menschenfeindliche US-Außenpolitik kennzeichnen mit ihrer Besessenheit nach Regime-Wechsel und Einsatz von US-Vasallen-Regime, wie gegenüber Russland, Syrien und jetzt in Venezuela und möglicherweise bald gegenüber Nordkorea. Zweifellos ein Verhalten der Willkür und Verrücktheit. In dieser Hinsicht zeigt die Trump-Regierung bisher keinen Unterschied zu den früheren US-Regierungen. Dieses Verhalten verursacht natürlich Hass und Abscheu gegenüber den USA, die schon immer ein unberechenbarer und gefährlicher Akteur waren. Der Ressortleiter Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung Stefan Kornelius dürfte sich nicht vor dieser Realität verschließen.

Nukleare US-Aufrüstung seit Jahrzehnten gegen alle Abrüstungsempfehlungen und Abkommen der Vereinten Nationen und nukleare US-Erstschlagsdoktrin Die USA betreiben seit Jahrzehnten nukleare Aufrüstung und verstoßen damit gegen alle Abrüstungsempfehlungen und Abkommen der Vereinten Nationen. US-Regierungen, die den Interessen des Militärkomplex zufolge handeln, sind deshalb eine ernste Bedrohung und die größte Gefahr für die Existenz der Erde. Ein nuklearer Erstschlag ist von dem nordkoreanischen Regime nicht zu befürchten. Im Gegensatz zu den USA, die zudem an der nuklearen Erstschlagdoktrin festhalten, hat Nordkorea nie ein Land angegriffen und kein Land bedroht. Ganz anders die USA, die für Hiroshima und Nagasaki verantwortlich sind und damit gebrandmarkt für den ersten nuklearen Schlag in der Geschichte der Menschheit. Zudem haben die USA 450.000 Tonnen an Bomben im Korea-Krieg auf Nord-Korea abgeworfen, dabei kamen mehr als 30.000 Tonnen Napalm zum Einsatz. Dies war vernichtender und grausamer als im Vietnamkrieg, weil in Nordkorea mehr Ballungszentren mit größerer Bevölkerungsdichte und mehr Industrie existierten als später in Vietnam. Fühlt sich Nordkorea nicht zu Recht als Opfer? Ist sein Hass auf die USA oder eher seine Abscheu vor den US-Regierungen nicht völlig begründet? Handeln die USA nicht als ewiger grausamer Erzfeind Nordkoreas? Solche Fragen sollten Journalisten ehrlich nach ihrem menschlichen Gewissen zu beantworten wissen. Orientierungspapiere oder Anweisungen aus US-Stellen sind völlig disqualifiziert, unglaubwürdig für alle Redaktionen.

An erster Stelle USA ohne Atomwaffen und ihnen abschwören
Das Weiße Haus muss sich ein für alle Mal bemühen, einen zuverlässigen Modus Vivendi, ja einen vertrauensvollen Umgang mit dem Rest der Welt, mit der gesamten Weltstaatengemeinschaft zu finden. Gerade was den Wahnsinn von Atomwaffen betrifft, ist das Abkommen der 122 Staaten am 7.7.2017 zur Ächtung von Atomwaffen eine pragmatische Gelegenheit zur wünschenswerten nuklearen Abrüstung, die von allen atomaren Mächten, der USA an erster Stelle, befolgt werden sollte, was allein schon der gesunde Menschenverstand gebietet. Erst wenn die USA ohne Atomwaffen sind und ihnen abgeschwört haben, kann sich das kleine, konventionell gegenüber den USA nicht verteidigungfähige Nordkorea darauf einlassen, seine Atomwaffen zu verschrotten. Dasselbe gilt auch für andere kleine Atommächte oder solche, die nur Monate oder wenige Jahre bräuchten, um solche Waffen zu erstellen, wie sicherlich einige Mitgliedsstaaten der EU und Staaten im arabischen Raum.

Zweidrittel der Weltstaatengemeinschaft für einen zivilisierten Dialog, gegen Sanktionen und Gewaltmaßnahmen
Im Gegensatz zur gewaltsamen Außenpolitik der USA-EU und wenigen anderen Staaten setzen sich über Zweidrittel der Weltstaatengemeinschaft aktiv für einen zivilisierten Dialog ein und lehnen Sanktionen und Gewaltmaßnahmen ab. Das sind alle Blockfreien (ca. 120 Staaten) und die Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS-Staaten). Eskalation, Provokationen, Zuspitzung von Spannungen ist ständige Praxis der US-Regierungen geworden, ohne Rücksicht auf Verluste. Darin besteht die Verrücktheit der US-Außenpolitik.

© Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Quellenangaben:

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann / Berlin

  • Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 12./13.8.17: „»Eskalation in Ostasien – Spur des Hasses“ von Christoph Neidhart, „Das Inferno im Blick“ von Stefan Kornelius und „Trump: Die Waffen sind geladen und schussbereit“ und Leitartikel „USA - Präsident Seltsam“ von Hubert Wetzel
  • Phoenix-Fernsehsendung „»Internationaler Frühschoppen“ am 13.8.17

Foto: Tlaxcala*Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist eine chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität in Santiago de Chile mit Spezialisierung auf das Völkerrecht und Praxis im Strafrecht. Nach ihrer Arbeit im Außenministerium war sie Diplomatin in Washington D.C., Wien und Jerusalem und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen.

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