Der Schamane des Kapitals

aktuelle News Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat mit einem einzigen Satz eine Pirouette im politischen Schmalztopf hingelegt, der die weißen Westen der Staats-Retter bekleckerte und eine mediale Lawine der Abscheu und Verärgerung in der Kaste der Wirtschaftsweisen ausgelöst hat.

von El Patio

Foto: wikipediaEr persönlich würde sich „schämen“, wenn seine Bank in der Krise vom Staat Geld annähme, soll Ackermann vor seinen Spitzenmanagern gesagt haben. „Die Deutsche Bank braucht kein Kapital vom Staat“, hat er anschließend noch einmal offiziell nachgelegt, und das ausgerechnet in dem beliebten Börsendienst „Bild am Sonntag“.

Jetzt sind alle, die Jahrzehnte lang in Rosenkranzmanier die Deregulierung des Kapitalmarktes forderten stinksauer auf ihn. Angefangen beim telegenen Dampfplauderer, dem Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, der noch 2005 davor warnte, dass "dirigistische Eingriffe in die Kapitalmärkte die Funktionsweise der westlichen Wirtschaftsordnung unterminieren würden", oder unser abgetauchter Müllergeselle unter dem Stuhl des Wirtschaftsministers, Michael Glos, der öffentlich beklagte, dass den Deutschen durch ihre Zurückhaltung am Aktienmarkt "enorme Chancen" entgehen würden, weshalb sie vom Staat zu ihrem Glück gezwungen werden müssten, oder unser Finanzminister Peer Steinbrück ,der mit einem "Deutschlandfonds"-Modell die Rente gleich von den Börsenschwankungen abhängig machen wollte, und dessen Staatssekretär Jörg Asmussen sich jetzt in der Rolle des Feuerwehrmanns gefällt, dabei war er bis vor kurzem noch oberster bundesrepublikanischer "Zündholzlieferant", als Regierungsbeauftragter für die Förderung von ASB-Finanzprodukten. ASB sind asset backed securities - und die „ nur medialen“ Auslöser von Finanzmarktkrise und anstehender Rezession.


„Um diese Papiere, mit denen viele Banken lange Zeit beste Erträge erwirtschafteten, machte sich Asmussen regelrecht verdient. Unter seiner geistigen Schirmherrschaft und tätiger Mithilfe wurde 2003 die True Sale International GmbH (TSI) gegründet, eine Handelsplattform und Lobbyvereinigung zur Förderung der Geschäfte mit ASB. Gesellschafter waren vom Start an 13 Banken, deren Namen sich heute lesen wie die Besetzungsliste für einen Thriller über die Finanzkrise. Dabei waren nicht nur die KfW, die HSH-Nordbank, die WestLB und die Bayerische Vereinsbank, sondern auch der bisherige Hauptdarsteller Hypo Real Estate, damals noch vertreten durch die Hypovereinsbank.

Im Beirat von TSI wirkte bis zum Sommer diesen Jahres Abteilungsleiter Asmussen. Er machte sich auch verdient im Aufsichtsrat der KfW, und auf ihn ist wohl auch jene Passage im schwarz-roten Berliner Koalitionsvertrag von 2005 zurückzuführen, nach welcher der deutsche Finanzmarkt von "überflüssigen" Regulierungen befreit und "Produktinnovationen und neue Vertriebswege" gefördert werden sollen,“ schreibt Dieter Degler in seiner lesenswerten „Meinungsspalte“ in der Süddeutschen Zeitung.

Die Reihe der Experten, die diesen Koalitionsvertrag in den Talk-Shows der Nation abgefeiert haben, ließe sich mit Friedrich Merz, Hans-Olaf Henkel, Dieter Hundt, Hilmar Kopper etc. beliebig fortsetzen. Damals applaudierten alle, die heute nach dem starken Sozial-Staat rufen, den sie selber vorher kräftig halfen zu „verschlanken“, damit er sich besser ausplündern und den Gesetzen des Kapitalmarktes unterwerfen lies.

Ackermann wird jetzt als Gemeinwohlschänder und Spielverderber beschimpft, nur weil er, im Gegensatz zu den ökonomischen Laiendarstellern, die Gesetze des Kapitals und des Marktes immer in seiner Zockerei um Rendite berücksichtigt hat. Profis steigen eben rechtzeitig aus dem Markt aus und jubeln ihren Schrott den Landesbanken unter und zwar bevor das Ende der Hausfrauen-Rallye die Kurswerte halbiert. Seine Kritiker übersehen dabei, dass Ackermann, denn unser Wirtschaftssystem ist ein Kapitalistisches und wie das funktioniert darüber hat sich schon Carlos der Bartträger in seiner „Kritik der politischen Ökonomie“ so seine Gedanken gemacht, nicht irgendeinem Gemeinwohl verpflichtet ist, sondern seinen Aktionären und die sind in ihrer Mehrheit Ausländer.

Nähme Ackermann Staatsknete, dann würde der Markt reagieren und der Aktien-Kurs der Deutschen Bank abstürzen. Von der Kapitalquote hängt aber ab, wie viel eine Bank geschäftlich riskieren darf, wie stark sie ihr Geschäft ausdehnen darf oder auf wie viel sie eben bei der Aufteilung der anstehenden Konkursmasse verzichten muss. Deshalb hat Ackermann zum Makel erklärt, was seine Konkurrenten, auf Kosten des Steuerzahlers, zum Wettbewerbsvorteil nutzen wollten. Krisenzeiten sind Umbruchzeiten und die deutsche Bank ist auf Einkaufstour.



„Er persönlich würde sich „schämen“, hat Ackermann erklärt. Dabei ist die Beschämung immer ein sozialer Vorgang. "Schimpf und Schande" beziehen sich dabei meistens auf einen Ehrbegriff, der auch als historisch gewachsener immer dem Zeitenwandel unterliegt und immer kulturell bedingt ist. Deshalb ist auch das Schamgefühl eines Bankers stets subjektiver Natur. Es ist eng mit seiner sozialen Identität verklammert und die wird eben definiert durch die Gründung einer Bank und nicht durch den Einbruch in dieselbe, so dass es auch einen Herrn Ackermann mehr oder weniger unmöglich sein wird, sich seiner „Beschämung“ emotional zu entziehen.

Das Gefühl für gewisse „Gesetze der Wohlanständigkeit" bewahrte sich dagegen Saruhan Özel, Chefökonom der Deniz Bank, der viertgrößten Bank der Türkei, als er Ackermann unterstützte und darauf hinwies, dass es in der Türkei bereits 2001 zu einer großen Bankenkrise gekommen war. "Wir haben auf nationaler Ebene durchgemacht, was jetzt global passiert", sagte der Ökonom. Und die Steuerzahler sollten gar nicht erst hoffen, dass sie das Geld wieder sehen, das die Politiker jetzt in die Banken steckten. Die türkische Bankenkrise habe die Öffentlichkeit seinerzeit 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eines Jahres gekostet.“

„Für strukturelles Versagen und institutionelle Verbrechen gilt, dass die Verantwortung zunimmt, je weiter man sich von der eigentlichen „Tat“ entfernt. Das soll für Chefs der Finanzhasardeure aber nicht gelten. Sie sagen nicht, dass sie Handlungen angeordnet oder unterbunden haben, sondern - und das lässt eine längst mit allem sich abfindende Gesellschaft ihnen durchgehen - sie sagen, wie die Chefs der IKB, dass sie die Praxis, die Handlungen und Verfahren nicht verstehen und nie verstanden haben. Sie haben es nicht verstanden!“, wundert sich der Feuilletonist Frank Schirrmacher in der FAZ und beschwört in der Rolle der Kassandra das Zeitalter des Unglücks herauf.

„Man muss sich erinnern, dass dies uns über Jahre hinweg in Talkshows und auf Foren als „Rationalität“ angepriesen wurde. Und nun wird eine Unterbrechung der Kausalkette als Entschuldigung angegeben, bei der niemand mehr Verursacher ist. Die rein semantische Schwierigkeit, überkommene Rechtsbegriffe auf die Untaten an den „Finanzmärkten“ anzuwenden, erlaubt den Handelnden, sich wie Wissenschaftler bei einem fehlgeschlagenen Experiment zu fühlen. Daher der Pseudotalk der Experten. Daher das geniale Schuldumwälzungmodell. Daher die ausbleibende Empörung, der Defätismus einer Gesellschaft, die in den letzten Jahren, ohne es zu merken, eine verheerende Vernichtung ihrer Ideale erlebt hat“, setzt er zum großen Jammern an und unterschlägt dabei die ökonomischen Zusammenhänge.

Dabei bilden diese von Frank Schirrmacher in der FAZ beschworenen Ideale, diese liberalen, christlichen, freiheitlichen Ideen „Innerhalb der Geschichte und des Lebens mit jenen Gewalttaten der bourgeoisen Eliten ein Ganzes, sie sind“, wie schon Carlos erkannte, ihr "spiritualistischer Point-d' honeur", ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Diese liberalen Ideen bilden den derzeitigen Wertekanon der westlichen Gesellschaft, und diese "moralischen Werte" stehen und standen schon immer den "knallharten ökonomischen Interessen" der jeweiligen nationalen Eliten entgegen.
  • Erstens: Die drei wichtigsten Handelsgüter weltweit, also die, auf die der größte Umsatz entfällt sind erstens: Öl, zweitens: Waffen und drittens: Drogen.
  • Zweitens: Die Verteilung des Welteinkommens hat sich in den letzten 50 Jahren immer mehr zum Vorteil der Gruppe der oberen 10%, die mit den 85% des Weltvermögens und zu Lasten der unteren 90% der Weltbevölkerung, die mit den 15% des Welteinkommens, verschoben.
  • Drittens: Alle Regeln, Anordnungen, Vorschriften und Gesetze werden von den Priviligierten, den Vertretern der G 8 Staaten, ersonnen und haben nur den Zweck, diese ihre Privilegien zu schützen. Aus der Verteilung des Welteinkommens ergibt sich zwangsläufig die Richtigkeit dieser Annahme, wäre die ökonomische Rechtslage anders, würden nicht über 3 Milliarden Menschen mit 2 Dollar täglich verhungern. Ein Umstand, der bisher noch keinem Banker ein Schamgefühl entlockt hat.

Die derzeit einzige verbliebene Supermacht zeichnete schon 2005 für 48% aller Militärausgaben auf der Welt verantwortlich, in weitem Abstand gefolgt von Großbritannien, Frankreich, Japan und China mit einem Anteil von jeweils vier bis fünf Prozent. Die weltweiten Militärausgaben lagen 2005 nach Schätzungen des Internationalen Friedensforschungsinstitut Stockholm bei 1.100 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 173 US-Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung.

Zum Vergleich, die Beiträge der Vereinten Nationen zu wirtschaftlichen, sozialen und humanitären Programmen für die ärmsten Länder der Welt – im Rahmen von UNICEF, des Welternährungsprogramms, des UNO-Entwicklungsprogramms und anderen – belaufen sich dagegen nur auf lächerliche 10,5 Milliarden pro Jahr.

Die USA haben Ihren Rüstungs- und Kriegsetat in den letzten Jahren auf über 1000 Milliarden Dollar hochgetrieben, diese Gelder wurden Jahr für Jahr dem amerikanischen Binnenmarkt entzogen und der Konsumer-Markt wurde dafür mit billigen Krediten und Plastikgeld geflutet und am Leben gehalten damit er nicht vorzeitig kollabiert.

Das neue Empire hat diese Kredite dann gebündelt, schön verpackt, mit Zinsgarantien und Werthaltigkeitsstempeln versehen und an die Banken in seinen Kolonien zur Bezahlung seiner Kriegsschulden und zur Aufrechterhaltung seines imperialen Anspruchs weitergereicht. Da der große Ölraub nicht so ganz geklappt hat, die Zinsen also zwangsläufig irgendwann ausbleiben mussten, deshalb reagierte jetzt der Markt und deshalb wird jetzt die Weltbevölkerung an den amerikanischen Kriegskosten im Nachschlag direkt beteiligt.

Wir haben es mit einer Verwertungskrise des Kapitals zu tun und eben nicht mit einer „Bankenkrise“. Ohne die 500 Milliarden Dollar, die jährlich aus dem Drogenhandel, dem drittwichtigsten Handelsgut, in die legale Wirtschaft fließen, wäre das westliche Finanzsystem in dieser Form wahrscheinlich schon früher zusammengebrochen. Bereits 2005 kam 86% des weltweit verkauften Opiums aus Afghanistan, 2006 wurde die Anbaufläche noch vergrößert, auf geschätzte 200 000 Hektar. Nicht für die Freiheit, sondern für die Stabilisierung der Aktienkurse sterben Soldaten am Hindukusch.

Bereits 1971 haben sich die USA zum Verfechter eines „Neuen Krieges“ gegen die Drogen gemacht, der Nutznießer dieser Mittelamerika-Politik war damals das Medellin-Kartell, und insbesondere Carlos Meder, der dafür dann einen Teil des Wahlkampfes von Bush jun. finanzierte. 35 Jahre nach der Ankündigung des Krieges gegen die Drogen besteht ein Monopol auf die Produktion der beiden wichtigsten Drogen, Opium und Kokain. Kolumbien und Afghanistan sind zu Marktmonopolisten aufgestiegen. Einem „jüngsten Gerücht“ zufolge soll es sich dabei um CIA-Protektorate handeln.

© Comfactory.de



Der Schamane des Kapitals

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  1. jakester schreibt am 29.10.2008 21:42

    Da koennte man mal wieder versuchen den Unterschied zwischen Rechts und Links verstaendlich zu machen.


    Die West-Elite macht sich das in 'letzter Zeit rechts einfach. In USA wird gerade Sozial-Ismus-Kommunismus-Marxismus leicht mit Diktatur gewuerzt in einen Topf gestopft und heraus kommt Obama. Der hat naemlich gesagt, das er 'den Reichtum verteilen wird' = Sozialismus ++. An wen er dann den Reichtum verteilen will sagt MC'Palin und all die anderen Schraeglagen nicht. Die Reichen koennens nicht sein, .. die behaellt man sich ja schon selbst vor.


    In Deutschland ist man, sich gerade mal wieder im fatalen Rechtsruck befindent, im Kampf gegen 'Links ja auch einiges gewohnt.


    Hierzu das heutig krasse, Deutsche Rechtspuppenkisterl  http://jakester-express.blogspot.com/2008/10/marx-gegen-marx.html 


    Da sag ich nur 'Schmerzgrenzen.


    Gruss J.



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