Die Kinder abschalten
So wie Überschwemmungen auf den versiegelten Flächen bereits an den kleinsten Bächen am Niederrhein entstehen, beginnen die Amokläufe auch am Oberlauf, an den kleinsten Zuflüssen der später reißenden Ströme. Am Beispiel der wohlhabenden, fast schuldenfreien, Groß-Gemeinde Gründau, die früher besser als A66-Lieblos-Möbel-Walther oder Erdbeer-Spargel-Bauer Würfl bekannt war, ist die prototypische Vorgeschichte eines Amoklaufes gut zu rekonstruieren. Wie in Köln Herr Schramma nach einer Trauerwoche die U-Bahn weiterbauen lässt - wo es ja - wie vor 40 Jahren bei der Frankfurter U-Bahn-Mafia - um etliche Milliarden Profitsummen geht, so werden die verantwortlichen Unverantwortlichen an den Ursachen der Amokläufe nichts ändern. Denn auch hier geht es um Geld, nur wird es hier NICHT investiert, weil es keine privaten Profite bringt.
Politik der steinernen Herzen
von Hartmut Barth Engelbart*

Die Lieblose Dorfplatzgestaltung muss nicht zwingend zu einem Amoklauf an der Kinzigtalschule führen, im Altenzentrum, im Media-Markt oder in der Falkenapotheke. Amokläufe sind nur die Spitze des Eisberges, sie sind hausgemacht. Wer Konflikte zwischen Staaten mit Soldaten löst, sorgt auch dafür, dass Schüler ihre Hausaufgaben vorbildlich erledigen. Wer die Konkurrenz anheizt, das Recht des Stärkeren praktiziert & propagiert und sein Geld regieren lässt, der riskiert dass Vorstädte brennen und Kinder schon vor der Bundeswehr zu Mördern werden.
Welche Wertvorstellungen die herrschende Politische Kaste in Gründau hat, kann man deutlich an zwei Alten Schulen sehen: in Mittel-Gründau wurde gegen die Stimmen des Ortsbeirates und gegen den Willen der Mehrheit der Mittel-Gründauer die Alte Schule aus angeblichen Kostengründen geräumt und für einen lächerlichen Preis an Privatleute verkauft. Wegen dieses Verkaufs musste die IAS-Bücherei ausziehen, der Jugendtreff musste schließen, die Jugend-Fahrradwerkstatt ebenfalls, die Krabbelgruppen mussten raus, die Fortbildungskurse auch, die Töpferkurse, die Sprachkurse, die Hausaufgabenhilfe, die Schullaufbahnberatung usw. ...nur keine Kosten, nur kein Lärm.
Die Kinder abschalten
Einen Ersatz für dieses Kultur- und Sozial-Zentrum, für diesen Jugendtreff gibt es nicht. Das Puppen-Küsterhäuschen an der Bergkirche hat Platz für ein Dutzend und soll für Tausende reichen? Der Verkaufserlös der Alten Schule brachte für die Gemeinde keine 140.000 €. Und eines der wichtigsten regionalen Denkmäler der deutschen Demokratie ist damit als öffentlicher Ort und als demokratischer Treffpunkt verloren. Lieblos - das Ex3W-Kommerz-Boomtown - hat keinen Jugendtreff, keine kommunikative Ortsmitte mehr, wenn man den DealerTreff "Spielothek" nicht als solche gelten lässt - oder die Shell-Tankstelle oder die Baumarkt-Warte-Cafés mit ihrem Verzehrzwang. Auch hier gibt es die Alte Schule als möglichen Orts-Rest-Mittelpunkt im sonst abrissbebaggerten ehemaligen Ortskern, wo sich profitabel die Alten verwalten lassen.

Klassenstärken werden nicht gesenkt, zu wenig Lehrer eingestellt, Schulpsychologenstellen gekürzt, Schulsozialarbeit unzureichend ausgebaut, Jugendarbeit wird gestrichen. Und die Jugendlichen haben und bekommen keine Perspektive und die Krise kommt erst noch. Doch, eine Perpektive bekommt die Jugend jetzt mit SICHERHEIT geboten: von der Bundeswehr, die sucht jede Menge Leute für die Auslandseinsätze.
Hände falten
Fernseh-Beten
nichts verändern
Macht erhalten
© HaBE
* Hartmut Barth-Engelbart ist seit über 40 Jahren in sozialen Brennpunkten Jugend- & Kinderarbeiter, Familienhelfer, Grundschullehrer und Chorleiter, Drogenberater und ehrenamtlicher Bewährungshelfer. Außerdem BR-Vorsitzender und Gewerkschafter, Musiker, Schriftsteller und Kabarettist.
Anmerkung von 0815-Info:
Den Hinterbliebenen, Betroffenen und Trauernden von Winnenden gilt unsere aufrichtige Anteilnahme!









