Die Maueröffnung: eine Medieninszenierung des Westens
"Er sagte mir, ich solle nicht vergessen, Schabowski dort nach dem Reisegesetz zu fragen."von Andreas Hauß

Also nicht ganz zufällig. Gewiss war es aber ein Zufall, dass Hajo Friedrichs abends in den Nachrichten davon sprach, die Tore der Mauer ständen weit offen.
Ebenso wie Schabowski zufälligerweise nicht wusste, was auf seinem Sprechzettel stand und wie es gemeint war.
Jede Interpretation des Vorgangs als inszenierte Grenzaufhebung wäre schiere Verschwörungstheorie. Gewiss, man könnte sich fragen, weshalb um alles in der Welt der ADN-Chef einen Journalisten quasi "beauftragt", nach dem zu fragen, was tagtäglich Thema in der DDR und der BRD war: die Reisefreiheit von DDR-Bürgern. Auch könnte man sich fragen, weshalb womöglich die DDR-Führung ein Interesse daran haben könnte, um drei Ecken diesen Ball zu spielen - da Schabowski dieser angehörte, hätte er freudestrahlend die Nachricht verkünden können, als souveränen Akt eben der DDR. Mit Visa-Antrag natürlich, unter Wahrung der Grenze.
"Darin stehen Sätze wie: "Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." Und: "Die zuständigen Abteilungen Pass- und Meldewesen" der Volkspolizei seien "angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen". Damit ist eigentlich klar, dass die DDR-Bürger zunächst zur Behörde müssen, um dort einen Antrag zu stellen - wenn die Ämter am nächsten Morgen wieder öffnen. Doch Schabowski unterläuft ein für die Existenz der DDR verhängnisvoller Fehler. "Wann tritt das in Kraft?", fragt einer der Journalisten nochmals. Und der Informationssekretär des ZK stottert: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." Schabowski kann ja nicht ahnen, dass die DDR-Bürger ihn beim Wort nehmen und "sofort" losstürmen."
Kann er nicht? Kann er: wenn seine letzten Sätze aus dem Zusammenhang gerissen in den West-Sendern getrötet werden. Dafür war u.a. Friedrichs zuständig. Verbunden mit der Fehlinformation, die Mauer sei offen.
"... ist ihm die von Schabowski in die Welt gesetzte Information entgangen, die sich in den Medien binnen kurzem zu der Formel verkürzt hat: "Die Grenzen sind offen."
Da hat SICH die Information verkürzt. Zu einer Formel. Um 19.00 Uhr.
NICHTS war zu der Zeit offen. Nur scheinen die Herren West-Schlapphüte zu wissen, dass das Grenzregime verwundbar ist, dass strikte Anweisung gegeben wurde, nicht zu schießen. Oder sie wissen es auch nicht und lassen es darauf ankommen?
Nun gibt es sowohl den ADN-Chef nicht mehr, noch Hajo Friedrichs und nicht mehr die DDR-Führung. Also lässt sich viel erzählen. Und auf jeden Fall war alles Zufall. Keinesfalls handelt es sich bei den drei Journalisten bzw. Medienzuständigen Friedrichs, Schabowski und Ehrmann um gekaufte Subjekte.

Es war DAS Thema in diesen Tagen. Der Schabowski-"Versprecher" war abgekartet, und zwar ganz bestimmt nicht durch die SED. Damit war aber das chaotische Durcheinander an den DDR-Grenzübergangsstellen mit dem Potential zu unbedachtem Schusswaffengebrauch der DDR-Grenzer PROVOZIERT.
Ein Glück, dass alles friedlich abging. Aber dafür gab es kein Zusammenwachsen von DDR und BRD, sondern eine Übernahme. Das war das Ziel, mission accomplished.
Gespräch mit Manfred Döring. Über das Wachregiment »Feliks Dzierzynski« des Ministeriums für Staatssicherheit, über Gewissheiten, Zweifel und das Ende der DDR
Gefälschte Geschichte
Rede. »Die Öffnung der Staatsgrenze der DDR am 9. November 1989 – ein Ereignis von historischer Tragweite und widersprüchlichem politischen Charakter« (Teil I)
von Egon Krenz
Ringen um die DDR
Rede. »Die Öffnung der Staatsgrenze der DDR am 9. November 1989 – ein Ereignis von historischer Tragweite und widersprüchlichem politischen Charakter« (Teil II)
von Egon Krenz
Ohne einen Schuß
Rede. »Die Öffnung der Staatsgrenze der DDR am 9. November 1989 – ein Ereignis von historischer Tragweite und widersprüchlichem politischen Charakter« (Teil III)
Von Egon Krenz
"Den Bürgermeister trifft die Weltsensation nicht gänzlich unvorbereitet. Am 29. Oktober hat er seinen Ost-Berliner Kollegen Erhard Krack nebst SED-Sekretär Schabowski bei einem Gespräch im Palasthotel kennen gelernt. Am Ende der Unterredung eröffnete Schabowski ihm, wie Momper fand, ziemlich unvermittelt: "Übrigens - wir werden Reisefreiheit geben." Was er denn damit meine, fragte Momper. "Richtige Reisefreiheit", versicherte Schabowski: "Jeder DDR-Bürger kann reisen, wohin er will. Er kann die DDR auch auf Dauer verlassen."
Schabowski und Momper und damit "der Westen" wussten Bescheid.
Sie PLANTEN. Sie richteten sich darauf ein.
Ein "spontanes" Gestammel gab es nicht.
Kohl überrascht? Vergesst es.
Die einzigen, die spontan waren, waren DDR-Bürger und DDR-Grenzer. Auf deren Rücken wurde Weltpolitik ausgetragen, sie waren die Versuchskaninchen für die Frage, ob Blut fließt oder nicht.
Nachtrag bei M.A.I. am 09.11.:
"Der Bürgerprotest stellte die Legitimitäts-, aber nicht die Systemfrage" - weshalb auch viele SED-Mitglieder unter den Demonstranten und auch unter den Rednern auf den Kundgebungen waren. Also eine systeminterne Auseinandersetzung. Geheimdienste, die in dieser Situation NICHT versuchen, das Ruder zu ihren Gunsten, im Sinne ihrer Auftraggeber herumzureißen, müßte man wegen Arbeitsverweigerung rechtlich belangen. Es grenzt an Irrsinn, davon auszugehen, dass die Dienste in ihrer geballten Konzentration in Westberlin untätig geblieben waren. (Hervorhebungen: 0815-Info)
Nachtrag bei M.A.I. am 10.11.:
"Als SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 um 18.53 Uhr auf einer internationalen Pressekonferenz verkündete, dass eine neue Reiseregelung "unverzüglich" in Kraft trete, war der West-Berliner Senat bereits seit gut sechs Stunden alarmiert. Am Mittag hatte aus Ost-Berlin "Bild"-Reporter Peter Brinkmann dem West-Berliner Wirtschaftsstaatssekretär Jörg Rommerskirchen ausrichten lassen, dass die innerdeutsche Grenze noch am Abend geöffnet werde - Rommerskrischen vertraute der Nachricht und ließ die Verwaltung im Eiltempo die nötigsten Vorbereitungen treffen."
Wusste der Senat also auch, dass sich Schabowski "versprechen" würde?
"Rommerskirchen: Was mich heute sehr wundert ist, dass man sich in dieser Schabowski-Sache nicht vernünftig verständigen kann. Das war für mich kein Versprecher."
"Die Medien haben hier als Geschichtsbeschleuniger gewirkt"
Gründungsintendant Elitz schreibt Journalisten eine aktive Rolle beim Mauerfall zu Ernst Elitz im Gespräch mit Friedbert Meurer
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