Brecht, der Tui und die Mauer
Bei Bertolt Brecht wurde der Tui zu dem Intellektuellen des heraufziehenden Wirtschaftswunders, zu dem Hohepriester der Zeit der prosperierenden Märkte und der Warenflut.von El Patio

Diese Vermieter des Intellekts hatten einst als Kopfarbeiter, als Weißwäscher, Ausredner und Kopflanger des GröFaZ an der seelischen Haltung des Volkes während des Krieges hart gearbeitet, und so war es nur natürlich, dass sie sich auch jetzt wieder berufen fühlten für den Frieden zu arbeiten. „Die goldene Zeit der TUIs ist die liberale Republik“ schrieb Brecht 1934, „aber den Gipfel erklomm der Tuismus im Dritten Reich, da war der Idealismus, auf seiner niedersten Stufe angelangt, da feierte er seine gigantischen Triumphe.“
Wer nach 1948, also nach der Einführung der DM, als Kulturproduzent den Glauben an der Marktwirtschaft unangetastet ließ, der fand unter den Weißwäschern breite Unterstützung. Der Geist schien ihnen frei, da sie diesen in Zeitungen Gassi führen durften, die zwar nicht ihr Eigentum waren, in denen sie aber doch gelegentlich mutig gegen das Eigentum anschreiben durften, aber eben nur so lange, wie die Zeitungen damit Geld verdienten, also das Eigentum vermehrt wurde. Giftete Brecht damals vergnüglich gegen die „TUIs“, die Kaste der vom Kapital mietbaren Volksverklärer und verpasste seinem Werk daraufhin weiterhin lieber einen proletarischen Klassenstandpunkt.
Auch heute entspricht eine feuilletonistische Jeremiade wieder dem Zeitgeist, der Ruf nach der Moral befriedigt Leserbedürfnisse und so kam selbst die stets den Interessen des Kapitals aufgeschlossene Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schon Jahre vor der Krise zu dem Schluss: „Die Zeit ist reif für neue politische Ideen. Gerade im Moment der größten Ausdehnung und Wirksamkeit der neoliberalen Ideologie mehren sich die Zeichen, dass es den Leuten damit reicht. Viele Menschen sind bereit, sich für ein kühnes, abstraktes Ziel, eines, dass über das Geldvermehren hinausweist, zu begeistern und anzustrengen.“
Bei Thomas Mann, da war der Antikapitalismus noch so gut verpackt, dass er ohne Georg Lukas’ Gebrauchsanleitungen schwer zu finden und zu entschlüsseln war und so ehrten die TUIs dann auch statt Brecht, lieber den Garanten des Bildungsbürgertums, Thomas Mann, unterschlugen Heinrich Mann, vergaßen Klaus Mann und schlossen Frieden mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Golo Mann.
Es war ein Verdienst der TUIs, dass die erstmalige Anwendung der Demokratie nach dem Kieler Matrosenaufstand vom Oktober 1918 direkt wieder in ihrer Aufhebung gipfelte; und dass das befreite Volk dann selbst diktierte, es müsse wieder beherrscht werden.
Die Restauration stellte sich den Bedingungen der industriellen Massengesellschaft, die vom Konservatismus vor dem Krieg weit gehend ausgeblendet worden war. Große Teile des Bürgertums und des Militärs hatten begriffen, dass die Beseitigung der Demokratie nur dann Erfolg versprechend sein konnte, wenn die Konterrevolution nicht die Form eines reaktionären Operettenputsches annahm, sondern selbst in das Gewand der Revolution stieg und eine Massenbewegung hinter sich brachte. Die Übernahme und Umdeutung von Begriffen der sozialistischen Arbeiterbewegung durch die TUIs Anfang der 20er Jahre bildete dabei ein wichtiges Element dieser "Konservativen Revolution“ und in der Krise Ende der 20er Jahre setzten sich schließlich die Kräfte durch, die mit ihrer den sozialen und nationalen Mythos verbindenden Agitation und viel Geld aus der Industrie die Massen an sich binden konnten. Fluchtpunkt aller Herrschaftsvorstellungen bildete ein starker, autoritärer Staat, in dem ein charismatischer Führer an der Spitze stehen und qua Akklamation die Nation repräsentieren und führen sollte.

Der Schriftsteller Peter Hacks, der legte 1962 der Arbeiterin Emma Holdefleiß in seinem Stück "Die Sorgen und die Macht" die Worte in den Mund: „Kollegen, Kommunismus, wenn ihr euch den vorstellen wollt, dann richtet eure Augen auf was jetzt ist, und nehmt das Gegenteil. Denn wenig ähnlich ist dem Ziel der Weg.“
Ein Jahr zuvor, am 13. August 1961 war die Mauer gebaut worden, das Ziel blieb, der Weg wurde beschwerlicher und 6 Jahre später, im Prager Frühling 1968, da schien auch die Hoffnung auf das Ziel zu schwinden. Die Macht konzentrierte sich damals noch in einfachen Bildern, sie war lokalisierbar, sie hatte sich noch nicht in ökonomischen Strukturen verflüchtigt. Die Globalisierungsfalle war noch nicht im Bewusstsein angekommen.
„Nehmt so viel Freuden, wie ihr Sorgen kennt, nehmt so viel Überfluss wie Mangel jetzt und malt euch also mit den Grauen unter der Gegenwart der Zukunft buntes Bild,“ rät Emma Holdefleiß.
Nur vor 20 Jahren, am 9. November 1989, da war das bunte Bild der Zukunft immer noch ungemalt, die Farbe und die Leinwand waren selbst als Bück-Ware schon lange nicht mehr aufzutreiben und die Mauer fiel.
Das bunte Bild der Zukunft leuchtete einmal kurz auf, aber nur um gleich darauf als flackernde Neonreklame wieder zu verblassen. Die Freiheitsversprechen endeten im Herdentrieb der Konsumgesellschaft, die Unabhängigkeitsideen des westlichen Individualismus entpuppten sich als Rollen-Spiel, die Abhängigkeiten hatten nur ihren Charakter gewechselt und die Wünsche nach einem anderen, einem echten Leben, die blieben für viele weiter unerfüllt.
Die Lebensentwürfe, die an der kapitalistischen Realität zerbrachen, verstärkten das Unbehagen, sie weckten erneut den Wunsch nach der Revolte, nach Farbe und Leinwand, weil die Erkenntnis reifte, dass es dieses bunte Bild der Zukunft eben nicht im Katalog zum Schnäppchenpreis zu kaufen gibt. Damit aber diese Ausbruchsphantasien, diese Umbruchs-Sehnsüchte nicht nur zum Markenartikel einer neuen Protestkultur verkommen, da muss dann schon jeder selber zu Pinsel und Farbe greifen, da ist seine eigene Kreativität gefordert und diese wird in dem Moment zur Leeren Geste, wo er wieder zu den Ausmalschablonen der TUIs greift.
Denn wenn das Volk heute, 20 Jahre danach, wieder mal die Gewerkschaften nach Farbe und Pinsel angeht, dann wird es erstaunt feststellen, dass nur noch die Unternehmerverbände darüber verfügen und wenn es der Vielfalt der Motiv-Vorschläge der TUIs in den privaten Medien überdrüssig ist, dann wird es nur noch die Schablonen des Infotainments vorfinden, denn wer die Buntheit der Zukunft mit den Neonfarben der marktwirtschaftlichen Warenwelt gleich setzt, der muss dann auch mit der Verzweiflung der außerhalb des Neonlichts lebenden klar kommen.
Krisensicher ist nur der Job des TUI, diese Weißwäscher sind wieder als Seelentröster an den christlichen Suppenküchen und Tafeln unterwegs und übermitteln dem Volk die frohe Botschaft der Tigerenten-Koalition: "Wir haben ein Herz für die kleinen Leute", Hallelujah!
Die Subkultur wird dann zur Soupkultur, die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wird salbungsvoll beklagt und es wird wieder an den Idealismus und an die Moral appelliert.
Alles wie gehabt, das Herz für die kleinen und die Kohle für die großen Leute, aber dass behalten die TUIs lieber für sich, damit ihre Kohle weiter gesichert ist.
© El Patio
Ein Jahr zuvor, am 13. August 1961 war die Mauer gebaut worden, das Ziel blieb, der Weg wurde beschwerlicher und 6 Jahre später, im Prager Frühling 1968, da schien auch die Hoffnung auf das Ziel zu schwinden. Die Macht konzentrierte sich damals noch in einfachen Bildern, sie war lokalisierbar, sie hatte sich noch nicht in ökonomischen Strukturen verflüchtigt. Die Globalisierungsfalle war noch nicht im Bewusstsein angekommen.
„Nehmt so viel Freuden, wie ihr Sorgen kennt, nehmt so viel Überfluss wie Mangel jetzt und malt euch also mit den Grauen unter der Gegenwart der Zukunft buntes Bild,“ rät Emma Holdefleiß.
Nur vor 20 Jahren, am 9. November 1989, da war das bunte Bild der Zukunft immer noch ungemalt, die Farbe und die Leinwand waren selbst als Bück-Ware schon lange nicht mehr aufzutreiben und die Mauer fiel.
Das bunte Bild der Zukunft leuchtete einmal kurz auf, aber nur um gleich darauf als flackernde Neonreklame wieder zu verblassen. Die Freiheitsversprechen endeten im Herdentrieb der Konsumgesellschaft, die Unabhängigkeitsideen des westlichen Individualismus entpuppten sich als Rollen-Spiel, die Abhängigkeiten hatten nur ihren Charakter gewechselt und die Wünsche nach einem anderen, einem echten Leben, die blieben für viele weiter unerfüllt.
Die Lebensentwürfe, die an der kapitalistischen Realität zerbrachen, verstärkten das Unbehagen, sie weckten erneut den Wunsch nach der Revolte, nach Farbe und Leinwand, weil die Erkenntnis reifte, dass es dieses bunte Bild der Zukunft eben nicht im Katalog zum Schnäppchenpreis zu kaufen gibt. Damit aber diese Ausbruchsphantasien, diese Umbruchs-Sehnsüchte nicht nur zum Markenartikel einer neuen Protestkultur verkommen, da muss dann schon jeder selber zu Pinsel und Farbe greifen, da ist seine eigene Kreativität gefordert und diese wird in dem Moment zur Leeren Geste, wo er wieder zu den Ausmalschablonen der TUIs greift.
Denn wenn das Volk heute, 20 Jahre danach, wieder mal die Gewerkschaften nach Farbe und Pinsel angeht, dann wird es erstaunt feststellen, dass nur noch die Unternehmerverbände darüber verfügen und wenn es der Vielfalt der Motiv-Vorschläge der TUIs in den privaten Medien überdrüssig ist, dann wird es nur noch die Schablonen des Infotainments vorfinden, denn wer die Buntheit der Zukunft mit den Neonfarben der marktwirtschaftlichen Warenwelt gleich setzt, der muss dann auch mit der Verzweiflung der außerhalb des Neonlichts lebenden klar kommen.
Krisensicher ist nur der Job des TUI, diese Weißwäscher sind wieder als Seelentröster an den christlichen Suppenküchen und Tafeln unterwegs und übermitteln dem Volk die frohe Botschaft der Tigerenten-Koalition: "Wir haben ein Herz für die kleinen Leute", Hallelujah!
Die Subkultur wird dann zur Soupkultur, die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wird salbungsvoll beklagt und es wird wieder an den Idealismus und an die Moral appelliert.
Alles wie gehabt, das Herz für die kleinen und die Kohle für die großen Leute, aber dass behalten die TUIs lieber für sich, damit ihre Kohle weiter gesichert ist.
© El Patio









