Zionistenfreunde in der Linken
Die bürgerliche Presse, allen voran die Zeitung mit den vier großen Buchstaben[1] war mal wieder „entsetzt“: Linke sind nach der Rede von Shimon Perez im Bundestag, anlässlich des Holocaust-Gedenktages, sitzengeblieben, statt stehend zu applaudieren!Erneut: „BAK Shalom“ gegen Linke in der Linken
von Tilo Schönberg
Merken Sie sich den Namen Michael Leutert: "«Wer am Tag der Befreiung von Auschwitz nicht willens ist, während der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag dem israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres den nötigen Respekt zu bezeugen, der ist für mich nicht wählbar», sagte der sächsische Bundestagabgeordnete Michael Leutert der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Leutert stellte damit die Eignung Wagenknechts für ein Führungsamt in der Partei in Frage.“[2] Was die „Frankfurter Allgemeine“ nicht schreibt ist, das Leutert Mitbegründer des „BAK Shalom“ ist und über den habe ich mich bereits im Sommer 2008 ausgelassen[3].Linke gegen Linke – das Bild einer zerstrittenen Partei, genau das, was das bürgerliche Lager in Krisenzeiten braucht, um klar zu machen: Die Linke ist keine Alternative! Hier geht es aber nicht um Linke gegen Linke! Hier geht es um Zionistenfreunde gegen Linke! Und zwar gegen die wenigen Linken, die in der Partei „Die Linke.“ noch übriggeblieben sind.
Was war passiert? Nach der, mit Lügen gespickten, Perez-Rede[4] blieben Sarah Wagenknecht, Sevim Dağdelen und Christine Buchholz demonstrativ sitzen (und für diese Geste meine absolute Hochachtung), statt wie der Rest der Linkspartei und alle anderen, anwesenden Bundestagsabgeordneten dem israelischen Präsidenten stehend zu applaudieren. Für Typen wie Leutert ein Affront und schon wird die Antisemitismus-Keule rausgeholt und von Relativierung von Nazi-Verbrechen gefaselt. Immer die gleiche Leier! Kritik an Israel ist Kritik an Juden – ergo antisemitisch! Das hat so sehr System, das man vielleicht mal überprüfen sollte, inwieweit der BAK Shalom mittlerweile in das (Achtung! Verschwörungstheorie!) israelische Hasbara-Projekt[5] eingebunden ist.
Nochmal zur Klarstellung: Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat den Mauerbau in Israel verurteilt[6], der Human Sciences Research Council of South Africa (und die wissen, wovon sie sprechen!) wirft Israel Apartheit und Kolonialismus vor[7] und die UN-Resolutionen gegen Israel sind zahlreich[8].
Zionistenfreunde wie Leutert interessiert das nicht! Er schreibt bei Abgeordnetenwatch.de: „Ich bin nicht der Auffassung, dass Israel ein Apartheidsregime etabliert oder Kolonialismus praktiziert, obwohl ich die Gründe, die man für solche Vorwürfe erhebt, selbst nicht bestreite. Ich habe Israel und die besetzten Gebiete mehrfach besucht. Wenn es in den besetzten Gebieten Straßen gibt, die von den dort lebenden Palästinensern nicht benutzt werden dürfen, wenn illegale Siedlungen vom israelischen Militär geschützt werden, dann will ich schon zugestehen, dass man auf Gedanken kommen kann wie etwa die von Ihnen erwähnten Vorwürfe“[9](Hervorhebungen durch 0815-Info).
Und weiter schreibt er: „Zu Ihrer BAK-Shalom-Frage: Ich finde es schade, dass ich häufiger gefragt werde, ´ob´ ich Mitglied bin, als ´warum´. Ich habe damals den Gründungsaufruf unterstützt, und falls sie die Gründe wissen wollen: die stehen im Gründungsaufruf.“


„Die Gründung einer Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus innerhalb des Jugendverbandes Linksjugend ['solid] ist seit langem überfällig.“ [10](Hervorhebungen: 0815-Info)– Herr Leutert ist ein Zionistenfreund! Ein Verfechter eine politischen (nicht jüdischen!!!) Weltanschauung! Und er ist ein Freund des Kapitalismus! Marx hat er wahrscheinlich nie gelesen – sonst würde er Wortschöpfungen wie „regressiven Antikapitalismus“ gar nicht über die Lippen bringen.
Und weiter: „Die deutsche Linke wird den Nahostkonflikt nicht lösen. Deshalb geht es uns nicht um konkrete Vorschläge für ein Vorankommen des Friedensprozesses. […] Das Kernstück des Antiimperialismus ist der Hass auf die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die alle Übel der Welt projiziert werden. Im schlimmsten Fall wird die vermeintliche jüdische Dominanz angeprangert. Dies ist die offene Flanke hin zum Antisemitismus“[10]
Ich bin jetzt etwas verwirrt. Zum einen macht Michael Leutert den Zionismus für die prekäre Situation der Palästinenser in den besetzten Gebieten verantwortlich: „Ich bin ferner der Meinung, dass Israel, solange es den Zionismus als Staatsideologie nicht überwunden hat, auch innergesellschaftlich die Diskriminierungspraktiken gegenüber den palästinensischen Israelis nicht überwinden kann“, um gleichzeitig (siehe Erklärung BAK Shalom) gegen Antizionismus, also die Beseitigung des Zionismus, mobil zu machen.
Und sowas wählt man dann als Vertreter der vermeintlich Linken in die Politik??!!
Ein letztes Zitat aus Abgeordnetenwatch.de:
„Israel ist ein Staat, der nicht aus bloßem Herrschaftsstreben in fremden Gefilden wildert. (Anmerkung 0815-Info: Aber er wildert! Wobei der Begriff „Wildern“ völlig daneben ist. Gemeint sind hier die militärischen Überfälle auf Nachbar-Staaten und völkerrechtswidrige Übergriffe auf die palästinensische Bevölkerung und die widerechtliche Besetzung der Golan-Höhen) Israel ist ein Staat, der seit seiner Gründung um sein Existenzrecht kämpft, der keineswegs alle Kriege begonnen hat, in die er verwickelt war. Sie merken das daran, dass Israel von den anderen Konfliktparteien verlangt, dass sein Existenzrecht anerkannt wird.“[9]
Existenzrecht?
Ich zitiere von der 0815-Info-Startseite:
Da der Staat Israel immer wieder als "die einzige Demokratie im Nahen Osten" apostrophiert wird, stelle ich die Frage, ob es überhaupt bekannt ist, dass Israel weder eine Verfassung noch international (von z.B. der UNO) anerkannte Grenzen hat? Wer Israel und sein sog. "Existenzrecht" anerkennt, weiß also gar nicht worauf er sich einlässt!
Nachdem die Hamas 2006 die Wahlen gewonnen hatte, sprach man Ismael Haniyeh auch in Moskau auf die Anerkennung Israels an. Darauf hat er (angeblich) geantwortet, man sollte ihm eine Landkarte mit von der UNO anerkannten Staatsgrenzen vorlegen; die Landkarte gibt es bis heute nicht!

Bleibt der Fakt, dass es wieder mal der BAK Shalom ist, der gegen Linke innerhalb der Linken mobil macht. Und natürlich ist er ein willkommenes Sprachrohr für die bürgerliche Presse, deren Hintermännern es wichtig ist, die Linke als zerstrittenen Haufe darzustellen – nicht wählbar.
Aber für den BAK Shalom, den erklärten Feinden des Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus, ist das ja schon fast „Dienst am Volk“, gell?
© 0815-Info
Quellen:
- Bild.de
- Ad Hoc News
- eigener Bericht
- Bundestag.de
- SteinbergRecherche.com
- Friedensratschlag Kassel
- hsrc.ac.za
- Wikipedia.org
- Abgeordnetenwatch.de
- BAK Shalom (Selbstdarstellung)









