Judith Miller, die CIA und andere Medienlawinen
9-11: Inszenierung & politisch-kriminelle Planung
von El Patio
"Das Missverhältnis zwischen den Ereignissen und der Art und Weise wie sie aufgenommen und verarbeitet wurden auf der einen Seite und dem selbstgerechten Blödsinn und den dreisten Täuschungen praktisch aller Politiker (mit Ausnahme von Bürgermeister Giuliani) und Fernsehmoderatoren (ausgenommen Peter Jennings) auf der anderen Seite, ist alarmierend und deprimierend. Die Stimmen, die zuständig sind, wenn es gilt, ein solches Ereignis zu kommentieren, schienen sich zu einer Kampagne verschworen zu haben. Ihr Ziel: Die Öffentlichkeit noch mehr zu verdummen."
Diesen Text schrieb Susan Sonntag, die sich am 11. September als Gast der American Academy in Berlin aufhielt, während sie auf eine Möglichkeit wartete, nach New York zurückzufliegen. Der vollständige Text erschien damals in der FAZ und die taz brachte am darauf folgenden Tag einen Bericht zu dem Text, ich zitiere hier nach dem Buch von Klaus Theweleit, „Der Knall, ...vom Verschwinden der Realität".
Einen Monat später präzisierte Susan Sonntag ihren ersten Text, für den Sie sehr stark angegriffen wurde, wieder in der FAZ:
„Natürlich wäre ich am 11. September am liebsten in New York gewesen. Aber ich war in Berlin. Mein erster Eindruck von den Ereignissen in den Vereinigten Staaten wurde also durch die Medien vermittelt. Ich saß 48 Stunden vor dem Bildschirm und schaute CNN. Dann kehrte ich an meinen Laptop zurück, um einen wütenden Kommentar über die idiotischen, irreführenden und demagogischen Sprüche zu schreiben, die von amerikanischen Politikern und den Medien verbreitet wurden."
Kaum vorstellbar, das diese Texte schon wieder fast 6 Jahre alt sind und dass das Geschäft mit der Verdummung, das Susan Sonntag in ihren ersten Statements angeprangert hatte, in diesen 6 Jahren weiter Konjunktur hatte.
„Es ist klar zu erkennen, dass unsere Führer – jene, die im Amt sind, jene, die ein Amt begehren, jene, die einmal im Amt waren – sich mit der willfährigen Unterstützung der Medien dazu entschlossen haben, der Öffentlichkeit nicht zuviel Wirklichkeit zuzumuten. Früher haben wir die einstimmig beklatschten und selbstgerechten Plattitüden sowjetischer Parteitage verachtet. Die Einstimmigkeit der frömmlerischen, realitätsverzerrenden Rhetorik fast aller (nordamerikanischer) Politiker und Kommentatoren in den Medien in diesen letzten Tagen ist einer Demokratie unwürdig."
Diese idiotischen, irreführenden und demagogischen Sprüche, die Susan Sonntag beklagte, kamen direkt aus dem Weißen Haus, der US-Vizepräsident Dick Cheney hielt sich seine eigene Spottdrossel, die Operation Mockingbird hatte im Leitmedium der USA, der NYT, ihre Wiederauferstehung gefeiert, wenn diese Operation, was viele bezweifeln, überhaupt jemals gestorben war.
Versorgt mit den notwendigen Informationen, die direkt vom damaligen Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis Libby stammten, aber dass erfuhren die NYT-Leser erst, leicht verklausuliert, im Oktober 2005, trat Judith Miller, mit der ganzen Reputation ihres Verlages, am Tag nach dem 11.9. vor die Kameras und Mikrofone und gab Interviews. Mit
ihren Kollegen James Risen galt sie als Expertin für al Qaida. Damit brachte sie es bis auf die Titelseite von PBS. Einige Wochen später war dieselbe Judith Miller von der NYT wieder in den Schlagzeilen, diesmal als Empfängerin eines Anthrax-Briefes. Kurz darauf stellte sich der aber als „Fehlalarm" raus. Das Timing war perfekt, denn zur selben Zeit kam gerade das neue Buch von Judith Miller auf den Markt, und zwar … über bakteriologische Kriegsführung … bis hierhin hätte man das ganze für Zufall halten können, oder als glücklichen Promotion-Gag.
Als Autorin war Judith Miller natürlich auch, diesmal zusammen mit Jerry Hauer, Teilnehmerin einer Biowaffenübung namens Dark Winter. Diese wurde damals durchgeführt und finanziert von einem Think Tank, einer der Sponsoren dieser Veranstaltung war das Anser-Institut for „Homeland Security".
Schon eigenartig, dass dieser Begriff 2 Jahre vor dem 11.9. Eingang in den Sprachgebrauch gefunden hatte und ab dann ständig in wechselnden Bedrohungsszenarien weiter penetriert wurde. Wahlweise als rettende Notwendigkeit vor einer biologischen oder einer terroristischen Bedrohung. Die Spezialistin für beide Bereiche war immer Judith Miller, sie galt als die Expertin, immer ausgestattet mit den notwendigen Hintergrundinformationen aus dem Büro von Dick Cheney, nur das ahnte damals noch keiner.
Das die Verbindung zwischen al Quaida und Anthrax aufgegeben werden musste, dass diese Verknüpfung ersatzlos gekappt wurde, als herauskam, das ein DNA-Test ergeben hatte, dass es sich um eine Art von Anthrax handelte, dass der CIA in ihren Labors in Fort Detrick in Maryland künstlich herstellte, schadete der Spottdrossel Judith Miller nicht weiter. Das Thema Anthrax verschwand ganz einfach über Nacht aus den Echokammern des Mainstream und Judith Miller, die Expertin für Osama bin Ladin und die ungekrönte Spezialistin für Al Quaida, sie, die die meinungsbildende Macht von der NYT geschickt ausnutzte, wurde danach von ihren Informations-Quellen auch noch zur Expertin für Massenvernichtungswaffen im Irak aufgebaut.
Das die "New York Times" Jahre später ihre eigene Berichterstattung im Umfeld des Irak-Krieges reumütig kritisierte, geschenkt, bis heute ist dagegen nicht geklärt, ob Judith Miller lediglich vom Stabschef des Vizepräsidenten der USA, Lewis Libby benutzt wurde und sie ihre eigene Kritikfähigkeit, wegen des „heißen" Materials ausblendete, oder ob sie auf irgendeiner geheimen Gehaltsliste von Dick Cheney steht.
Die Frage ist, wieso es die NYT zugelassen hat, dass Judith Miller vor dem Irak-Krieg derart unkritisch und geradezu als Sprecherin der US-Regierung über die angeblich im Irak vorhandenen Massenvernichtungswaffen berichten konnte, und damit die journalistische Reputation des Verlages aufs Spiel gesetzt hat. Aber diese Frage könnte man auch an das ehemalige Hamburger Nachrichtenmagazin stellen, wenn man die Artikel von CC. Malzahn und seinen Schreiberlingen liest.
Die Selbstanzeige der NYT galt den diffusen Bedrohungsszenarien, die über Wochen und Monate, gespeist aus dem Büro des Vizepräsidenten, ohne nachweisbare Grundlage entwickelt wurden. So zitierte die Zeitung schon Ende 2001 einen Ingenieur, der höchstpersönlich in geheimen Anlagen zur Herstellung biologischer, chemischer und nuklearer Waffen gearbeitet haben wollte. Im September 2002 suggerierte ein Artikel, dass Saddam Hussein verstärkte Anstrengungen unternehme, um in den Besitz einer Atombombe zu kommen, und noch im April 2003 verbreitete die "Times" die Behauptung eines irakischen Wissenschaftlers, chemische und biologische Waffen seien erst kurz vor Kriegsbeginn zerstört worden, der Irak habe Waffen nach Syrien transportiert und arbeite überdies noch mit al Qaida zusammen.
Die Berichterstattung von CC Malzahn im EhNaMag*, die sich auch immer auf dubiose US-amerikanische Quellen stützt, um die Gehirne der Bundesrepublikaner für ein verstärktes Engagement an der Seite der USA im "Krieg gegen den Terror" weich zu klopfen, folgt exakt demselben Muster. Von den 500 Terroranschlägen im letzten Jahr in Europa hatte lediglich einer(!) einen islamistischen Hintergrund[1]. Aufgeflogen ist dieser ganze Deal, wegen der Rolle, die Judith Miller in der Affäre um die Enttarnung einer CIA-Agentin gespielt hatte. Zuerst verbrachte Miller 85 Tage im Gefängnis, weil sie sich weigerte, Angaben über ihre Gespräche mit ihrer vertraulichen Quelle zu machen. Zu diesem Zeitpunkt unterstützte sie ihre Zeitung noch mit allen juristischen Mitteln. Judith Miller war auf dem besten Weg zur Ikone für die Verteidigung der Pressefreiheit zu werden. |
Aber als dann raus kam, dass die Informationen über die CIA-Agentin Valerie Plame direkt vom damaligen Stabschef des Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis Libby, stammten, kam es zum Bruch mit der Zeitung, der sie seit 1977 angehörte und ihre gesamten Artikel erschienen plötzlich in einem anderen Licht.
Nach dem Wahlsieg von Präsident Bush, im Jahre 2000, machte der designierte Vizepräsident Cheney, Lewis Libby zu seinen Stabschef. Dieser trat das Amt im Januar 2001 an. Nach Washington holte ihn sein früherer Lehrer Wolfowitz. Libby war Mitarbeiter im Project for the New American Century und galt als führender Kopf der Pro-Israel-Lobby. Mehr bei Wikipedia[2]
„Der Schuldspruch der Jury, nach zehntägiger Beratung gefällt, hält offiziell fest: Lewis Libby hat mit Journalisten über die CIA−Agentin Valerie Plame gesprochen, diese dadurch enttarnt und dann gegenüber einer Grand Jury und dem FBI gelogen. Was den Fall zum Politikum macht, ist seine Verwicklung mit dem Irakkrieg und Saddam Husseins angeblichen Massenvernichtungswaffen − mit den Kriegslügen der Regierung Bush also", schreibt Eva Schweitzer in der Zeit am 7. März 2007 unter der Headline:„Nur ein Bauernopfer?"[3].
Aber auch George Bush kann, wenn er das Weiße Haus verlässt, Lewis Libby begnadigen, genauso wie sein Vater damals die „Schuldigen?" in der Iran−Contra−Affäre begnadigt hat.
Der Reichsminister Dr. Goebbels, schon immer ein Bewunderer nordamerikanischer Werbe- und Public-Relation Kampagnen fasste das Wesen der öffentlichen Meinung mit den Worten zusammen: „ Sie ist zum größten Teil das Ergebnis einer Willensmäßigen Beeinflussung.“
Nichts anderes betreibt die nordamerikanische Regierung noch heute, mit 22 Millionen offiziell ausgewiesenen Dollar im Haushalt des US-Kriegsministeriums sowie mit hunderten weiteren Dollarmillionen, zum Teil in verdeckten Etats seiner Geheimdienste, finanziert Washington Programme zur weltweiten Beeinflussung der Massenmedien. Geheim arbeitende Image-Agenturen setzen alles daran, einschließlich des Instrumentariums der Tiefenpsychologie, um Nachrichten zu manipulieren. Frei Erfundenes, Irrationales, glatter Unsinn wird, wie in der Werbung, so lange wiederholt, wie er noch geglaubt und weiterverbreitet wird. Auch tonangebende deutsche Medien zitieren ohne gründliche Nachprüfung selbst die dubiosesten US-Quellen.
Vor Jahren sorgte die CIA auch im Inland dafür, dass in allen großen Nachrichtenmedien wie der New York Times und dem Fortune Magazine wichtige Leute sitzen, die mit der Verbreitung einer entsprechend linientreuen Propaganda die öffentliche Meinung nachhaltig beeinflussen konnten. Diese angeblich von CIA-Chef Allen Dulles initiierte Operation Mockingbird führte seiner Zeit zu einem öffentlichen Aufruhr. Der Unterausschuss des Senats nahm sich der Sache an und setzte eine Kommission ein, die untersuchen sollte, welchen Einfluss die CIA auf die Medienwelt hatte. Laut Bernstein wurden die Nachforschungen indes von Seiten der CIA stark behindert und wichtige Beweise unterschlagen. Dennoch kamen einige Informationen ans Tageslicht, die belegten, dass viele Chefs von namhaften Nachrichtenagenturen wie CBS, ABC TV, NBC, Reuters, Newsweek und Time in die Affäre verstrickt waren. Bernstein führt zudem an, dass bei der New York Times diverse Artikel vor ihrer Veröffentlichung von der CIA zensiert wurden. Dazu bitte einfach mal bei Wikipedia „Operation Mockingbird" (Spottdrossel) eingeben oder mehr hier[4].
Gore Vidal (geb. 1925), einer der vielseitigsten Autoren der USA, Verfasser von rund 20 Romanen, 12 Bände mit Essays, zahlreichen Drehbüchern (Ben Hur) und Reden gab der kubanischen Tageszeitung Juventud Rebeldeam ein Interview, das am 17. Dezember 2006 erschien. Laut Gore Vidal hat es ..."... am 11. September 2001 in den USA einen Staatsstreich gegeben, den ersten unserer Geschichte. Einen Putsch, bei dem eine Gruppe unredlicher Leute aus der Führungsclique der Petroleumwirtschaft die Staatsmacht an sich riss und den Kongress ausschaltete. Dies ist ein einzigartiger Vorgang, und die Einzelheiten werden eines Tages Bestandteil einer großartigen Story sein. Das ist etwas, was die Bevölkerung noch immer nicht begriffen hat, weil die Nordamerikaner eine sehr schlichte Denkweise haben: Was sie nicht kennen oder vorher noch nicht gesehen haben, das gibt es nicht. Gut, heutzutage leben sie mittendrin, aber eines Tages werden sie es wie die Archäologen aufdecken und das wird nicht gerade angenehm sein."
Nach dieser etwas längeren Einleitung, hier die Quizfrage: „ Was bedeutet es, wenn John Kerry erklärt, am 11. September 2001 hätte eine„Controlled demolition" stattgefunden?"
Auch bei Steinberg Recherche stellt man sich diese Frage[5]. Die Videomitschnitte von John Kerrys Auftritt , am Sonntag vor einer Woche, dem 22. April 2007 bei „Book People" in Austin, Texas, mit seiner Aussage, dass das Gebäude Nr. 7 des World Trade Centers (WTC) wohl einsturzgefährdet gewesen sei und deshalb gesprengt worden ist, sind zum Renner im Internet geworden:
Das WTC 7 stürzte am 11. September 2001 um 17.20 Uhr nahezu in Fallgeschwindigkeit völlig in sich zusammen. Kein Flugzeug hatte dieses Gebäude getroffen. Die US-Regierung untersuchte den Zusammensturz nicht und ließ ihn im offiziellen Untersuchungsbericht unerwähnt. Der Zusammensturz wurde gefilmt. Er wirkt wie eine kontrollierte Sprengung, üblich bei Hochhäusern, deren Trümmer nicht auf Nachbargrundstücke fallen dürfen, fasst Steinberg dass, was schon seit Jahren im Internet herumgeistert knapp zusammen (siehe auch die Berichte zur BBC-Meldung vom Einsturz des Gebäudes vor dem Einsturz) und fährt fort: „Kerry zufolge haben die Behörden nach dem Zusammensturz der beiden großen Türme am Morgen des 11. September 2001 Einsturzgefahr für das WTC 7 festgestellt, das Gebäude räumen lassen, die Baupläne gefunden, einen Sprengmeister gewonnen, der die Baupläne auswerten konnte, der die Computersimulation durchführte, die Fernsteuerung der Zündung überprüfte und die Ladungen anbringen ließ – binnen eines halben Tages.
Das ist albern, klärt Steinberg seine Leser auf. Wenn das Gebäude geplant gesprengt wurde, dann muß die Sprengung tage- oder wochenlang vorbereitet worden sein. Wegen Einsturzgefahr? Dann hätte das Gebäude bereits Tage oder Wochen vor der Sprengung geräumt werden müssen. Und dann die Frage,
„Wollte Kerry eine Lawine lostreten?"
Die Sprengung wegen angeblicher Einsturzgefahr ist daher auszuschließen. Die Sprengung war lange vorher geplant und vorbereitet – ebenso wie die gleichartigen Sprengungen des Nord- und des Südturms.
Hat sich Kerry verplaudert? Ist er vor der anrollenden Lawine zur Seite gesprungen? Hat er gar die Lawine lostreten wollen? Sie sollte sofort niedergehen: Sie könnte vielen Menschen im Irak und im Nahen Osten, in Afghanistan und im Iran das Leben retten.
Gelesen habe ich diesen Artikel am 24. April, meines Wissens hat noch keine Zeitung aus dem Mainstream den Vorfall aufgegriffen, noch beherrschen die Mockingbirds die Zeitungsspalten, noch geistert die Geschichte nur auf diversen blogs im Internet rum, lassen wir uns überraschen, wie lange noch.
En vivo y directo, desde el barrio La Puya
El Patio
Quellen:
| 01. » eigener Bericht |
| 02. » wikipedia.org |
| 03. » zeit.de |
| 04. » freenet.de |
| 05. » steinbergrecherche.com |
* = ein Ehemaliges Nachrichten Magazin
» © 0815-Info, 29.04.2007
