aktuelle News

...als wir alle annehmen. Bereits Mitte Februar tauchten erste Meldungen auf, wonach alleine in der Sahara und in der Sahel-Zone Hunderttausende von Migranten ums Lebens gekommen sind. Der Entwicklungsstaatssekretär Thomas Silberhorn (CSU) sagte sogar:

Nach vorsichtigen Schätzungen sind über eine Million Menschen in der Sahara ums Leben gekommen

- so auch bestätigt Mitte Februar dann in einem Bericht des »Handelsblatts. Es scheint eine furchtbare Katastrophe gewesen zu sein, die sich dort abspielte.

 


kreuzfahrten.jpg

von Andreas Grünwald*
 

Furchtbar ist auch die Situation an den Grenzen zu Spanien, an der Grenze zu Mazedonien und an der syrisch-türkischen Grenze. Vom Flüchtlingselend zahlreicher Menschen, die etwa aus der Ukraine weg wollen, ist kaum etwas in unseren Medien zu lesen. Es ist dies alles unfassbar und man möchte nur noch aufschreien!

Aber ich bleibe dabei: Gerade in einer solchen Situation sind wir als politisch denkende Menschen gefordert gründlicher über die Ursachen der Migration nachzudenken und uns eben nicht nur in unseren Gefühlen zu ergehen. Einige sprechen bereits von einer Zivilisationskrise, die sich daran festmache. Ich sage: Nein: das ist keine Zivilisationskrise, sondern es ist eine Systemkrise, denn Länder wie zum Beispiel Kenia oder Somalia oder zahlreiche andere afrikanische Länder sind ja nicht einfach so in diese Situation gerutscht, sondern weil europäische und amerikanische Banken mit dem Elend dieser und weiterer Länder ungeheure Profite realisieren. Verschuldungskrisen kommen nicht über Nacht, sondern sie sind das Ergebnis von Kapitalverwertung. Andere Länder wurden mit Exporten aus der EU fertig gemacht, die dann bestimmte Monokulturen befördern, aus der diese Länder dann nie wieder raus kommen. Es entsteht eine dauerhafte Abhängigkeit zu europäischen oder amerikanischen Konzernen. Länder, wie der Irak, Syrien, Libyen und andere wurden in die Steinzeit zurück gebombt, um westliche Interessen durchzusetzen. Um ökonomische und geostrategische Interessen durchzusetzen. Und überall wird mit Waffen geschossen, die auch aus Deutschland kommen.

Wir müssen aber auch analysieren, was diese Migrationsbewegungen auch mit Europa machen - und wie sie auch dafür genutzt werden, auch die hiesigen Gesellschaften zu spalten. Ja auch das gehört dazu, wenn wir die Probleme richtig erfassen wollen! Und warum Frau Merkel deshalb z.B. zunächst für eine begrenzte Anzahl von Zuwanderern - und unter dem Beifall des Bundesverbandes der Industrie, der frisches "Humankapital" für den eigenen Verwertungsprozess dringend benötigte - die Grenze öffnete und warum sie nunmehr in aller Konsequenz die Grenzen auch wieder vollständig dicht macht. Auch das hat vorrangig ökonomische Gründe. Die Menschen in Europa und in Deutschland spielten dabei niemals eine Rolle, genauso wenig wie das Schicksal der Migranten. Denn erst wenn wir das verstehen, wenn wir also verstehen, warum Politik so handelt, wie sie handelt und warum die Menschen aus ihren Ländern fliehen, und warum umgekehrt Menschen in Deutschland Angst haben und teilweise auch Angst haben müssen, werden wir auch in der Lage sein politische Strategien zu entwickeln, die wirklich dauerhaft dieses Elend beseitigen können.

 

Dazu gehört auch, dass wir auch verstehen was das ganze zum Beispiel mit dem "Euro" und mit der Europäischen Union zu tun hat. Eine Union, die reine Finanzinvestitionen (das sind dann die so genannten "Verschuldungskrisen") schon strukturell immer stärker befördert. Und zwar nicht nur in Südeuropa, sondern eben auch zum Beispiel in Afrika. Das ist die gleiche Europäische Union, die auch den Menschen in Europa zunehmend die Luft zum Atmen nimmt. Erst wenn wir das verstehen, verstehen wir auch und können es dann auch anderen Menschen vermitteln, dass eben nicht der Flüchtling unser Gegner ist, sondern dass es die sind, die um ihrer eigenen Profite willen uns gegenseitig aufhetzen, die nicht nur uns, sondern - eben noch viel schlimmer - auch die Länder Afrikas hemmungslos ausbeuten und tyrannisieren.

Wie sich das für Afrika vollzieht, hatte Attac mal vor Jahren für das Jahr 2005 analysiert: Die Organisation bilanzierte Kapitalexporte aus den größeren kapitalistischen Länder der EU und der USA in Länder Afrikas in Höhe von 500 Milliarden US Dollar. Ausschließlich so genannte ADI-Vermögens-Investitionen. Dazu kamen noch Kredite, die bei rund dem Doppelten (!) dieses Werts lagen und weitere 300 Milliarden so genannter Portfolio Investitionen. Nur im Jahr 2005! Vielfach verzinst, ist das die Schlinge, aus der diese Länder dann niemals mehr raus kommen. Eine Schlinge, die sich am Ende so fest zieht, dass den Menschen in diesen Ländern schließlich nichts anderes bleibt, als ihre Heimatländer zu verlassen. Jüngstes Opfer ein solchen Entwicklung ist jetzt übrigens die Ukraine.

© Andreas Grünwald

Quellenangaben:

Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de