aktuelle News

Griechenlands Schicksal stand letzte Woche auf Messers Schneide. Im letzten Moment entschied die Regierung, die Bedingungen der Troika als Austausch für ein weiteres Rettungspaket zu akzeptieren.

 


wuerfelspieler.jpg

Am Montag flossen circa 7 Milliarden Euro in die Koffer der griechischen Regierung, die das Geld sofort zur Begleichung der Zahlungsrückstände an die europäischen Zentralbank ($4.2 Mrd.) und den internationalen Währungsfonds ($2.05 Mrd., später im Monat kommen weitere €1.6 Mrd. hinzu) verwendete. Weitere Kredite aufzunehmen, um damit Gläubiger zurückzuzahlen scheint relativ gewagt, doch das ist nicht die einzige haarsträubende Strategie, mit der man in Griechenland zur Zeit versucht, die finanzielle Lage ein wenig aufzubessern. Durch die trüben Zustände im Land erfreuen sich das Glücksspiel einer zunehmenden Beliebtheit.

Risiko-basierte Spiele haben Griechenland schon in der Vergangenheit geholfen. Als das Land Anfang 2013 unter der Finanzkrise und den Forderungen seiner Gläubiger litt, »verkaufte die Regierung notgedrungen ihren 33 prozentigen Anteil am Glücksspiel- und Lotterie-Anbieter OPAP an Emma Delta, ein Griechisch-Tschechisches Konsortium, für 650 Millionen Euro. Der Preis war deutlich unter dem eigentlichen Marktwert des Anbieters, da die Regierung nicht genügend Zeit hatte, ausreichend Interessenten zu finden. Widerstand gegen den Handel kam, unter anderem von der inzwischen weltberühmten Syriza-Partei, die ihn als „Parodie“, und als „Verschenken von Staatseigentum“ bezeichnen. Mit mehr als $500 Millionen jährlich an Steuern, war der Anteil an OPAP einer der profitabelsten für die damalige Regierung.





 

Heutzutage erlebt das Glücksspiel in Griechenland ein Comeback. 2014 wuchs die Glücksspielbranche ganze 9 Prozent, das erste positive Anzeichen seit 5 Jahren. 2009 war der Gesamtwert der Industrie auf 8.7 Milliarden Euro geschätzt, inzwischen liegen die Gesamteinnahmen bei 5.9 Milliarden Dollar, was dem Staat circa 525 Millionen Euro an Steuern einbringt. Aber warum erlebt der Markt so einen gewaltigen Aufschwung?

Das Wachstum lässt sich größtenteils auf die zunehmende Spielfreudigkeit der Griechen zurückführen. Immer mehr Menschen sehen das Glücksspiel als Möglichkeit, ihre abflachenden Einkommen zu stärken. Ob in Land-basierten Casinos oder online auf Webseiten wie »Spin Palace, viele reagieren mit zunehmender Risikobereitschaft auf die harten ökonomischen Bedingungen.

Besonders Online Glücksspiele werden von Syriza als wichtiger Beitrag zur Wiederherstellung des Wirtschaftsgleichgewichtes betrachtet. Im Mai verkündete die Regierung, neue Glücksspiellizenzen an Anbieter zu Vergeben, für jeweils 3 Millionen Euro können Anbieter nun 5 Jahre lang eine Online-Domain betreiben. Die Lizenzausgaben sind Teil einer größeren Kampagne der griechischen Gesetzgeber, den finanzschwachen Staat zu stützen. Lizenzausgaben für Online Glücksspielanbieter wurden auch Ende 2011 vergeben, jedoch knapp ein Jahr später widerrufen, als die Regierung auf etwas chaotische Art versuchte, den Sektor zu regulieren. Alle noch operativen Unternehmen wurden April 2013 auf eine »schwarze Liste gesetzt, und ein Diktum an ISP, griechischen Internetnutzern den Zugang zu diesen Seiten zu verweigern, wurde von vielen als Protektionismus vor dem bevorstehenden Verkauf von OPAP gesehen. Kurz nach dem Verkauf an Emma Delta, wurden Lizenzen erneut vergeben, was bei Griechischen Glücksspielunternehmen und der allgemeinen Bevölkerung für reichlich Verwirrung sorgte.

Das Alles liegt ist nun Geschichte, und wie inzwischen bekannt ist, wendet sich Syriza gerne von der Vergangenheit ab. Dieses Jahr werden alle 24 Lizenzen neu vergeben, weitere Lizenzen sollten bald erhältlich sein. Diese Maßnahmen sind Teil der sieben Ertragssteigernden Anträge, die Syriza der Troika präsentierte, um ihren Schuldverpflichtungen entgegenzukommen. Dieser Plan sollte der Regierung »weitere 500 Millionen Euro im Jahr einbringen, was den Gesamtbeitrag der Branche auf mehr als eine Milliarde erhöht. Wie stark die Wirkung dieser Einträge sein wird, ist noch nicht zu erkennen. Im jetzigen wirtschaftlichen Klima, jedoch, ist jede Ertragssteigerung, egal wie bescheiden, eine gute Nachricht.

 

Grafik © WolfgangRieger / Wikipedia