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Brennende Flüchtlingsheime und rassistische Aufmärsche, gepaart mit wirren „Diskussionsrunden“ im abendlichen TV-Programm und hetzerische Artikel für die „Stammtisch-Fraktion“ in unserer, ach so freien, Presselandschaft – das ist das beschämende Bild, das derzeit von Deutschland, wieder einmal, um die Welt geht! Die Schweizer Ethno- & Soziologin Verena Tobler Linder beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Migration und bereiste dafür auch zahlreiche Länder der sog. Dritten Welt. Der nachfolgende Artikel ist das Transcript eines Referates, das Frau Tobler Linder im Schweizer Kanton Thurgau gehalten hat.

Die Artikel von Frau Verena Tobler Linder gehören auf 0815-Info zu den »Meistgelesenen! Auch der hier vorliegende Text ist wieder ein Hoch-Karäter. Ich hoffe, Sie finden die Zeit für die Lektüre! Eilig? Am Ende des Artikels gibt es die Links für den Drucker und die PDF-Datei zum Download. 0815-Info wünscht Ihnen viel Vergnügen!

Nicht vom Zentrum aus geschieht Entwicklung,

die Ränder brechen herein.                       L. Hohl

 

 


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Zur Quadratur des Kreises
von Verena Tobler Linder*

Wir alle wissen aus den Medien, was derzeit mit MigrantInnen passiert: Fast täglich sterben Menschen im Mittelmeer, weil sie unbedingt nach Europa wollen.

Bevor ich auf diese dramatische Situation eintrete, zuerst ein Wort zu Ihnen, liebe ThurgauerInnen, und zu mir.

Zuerst zu mir: Ich werde im Folgenden über die wachsende Einwegmigration nachdenken. Denn ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit dem Problem: theoretisch und, praktisch sowohl in weit entfernten Ländern als auch in der Schweiz. Ich bin überzeugt: Wir haben es mit der Quadratur des Kreises zu tun - mit einem Problem, das unlösbar ist, wenn wird die Rahmenbedingungen nicht verändern. Und jetzt zu Ihnen, liebe ThurgauerInnen: Ich komme gerne in diesen Kanton. Denn in unserem Land gibt es derzeit zu viele, die sich in der ortslosen Globalisierung verirrt haben. Ihnen ist die Welt in derart viele Stücke zerbrochen, dass keiner mehr weiss, wie diese zusammengehören. Ich bin weder naiv noch romantisch: Die Welt ist seit langem in Stücken und vielerorts ganz und gar nicht heil. Aber im Thurgau gibt es noch Menschen, die von ihrem Bauernbetrieb oder Handwerk leben. Und für eine gelingende Zukunft braucht es beides: sowohl wieder mehr Boden und Wurzeln, als auch den Willen und die Kühnheit für ein ganzheitliches Welt- und Menschenbild. Statistisch kann ich Sie allerdings, wie die restlichen Bewohner der Schweiz, in drei Gruppen einteilen, ohne zu wissen, wie gross die einzelne Gruppe ist. Die erste Gruppe erlebt Immigration als Bereicherung: Sie tut alles, um die Neulinge zu integrieren. In dieser Gruppe ist man empört über all jene, die den Immigrierten mit Skepsis oder gar Ablehnung begegnen. Die zweite Gruppe erlebt die Zuwanderung als belastend: Sie wünscht die Ungebetenen ins Pfefferland und ist empört, weil neuerdings so viele Menschen unkontrolliert in unser Land drängen. Nüchtern betrachtet haben - je nach Standpunkt - beide Lager recht. Soweit allerdings beidseits mit Idealisierungen und Verteufelungen operiert wird, sind beide Gruppen im Unrecht. Denn wer idealisiert und verteufelt, der verkennt, ja verleugnet die Realität. Die dritte Gruppe, zu der ich mich selber rechne, geht nüchtern davon aus, dass mit der laufenden Zuwanderung enorme Widersprüche verbunden sind und dass die Globalisierung, die jetzt endlich auch in unseren Köpfen stattfindet, uns immer näher an den Abgrund führen oder aber zum Segen werden kann. Mit meinen überlegungen verfolge ich drei Ziele: Im ersten Teil will ich die momentane Situation aufzeigen und die wichtigsten Ursachen der Einwanderung thematisieren. Der zweite Teil ist ein Fazit: Ich erörtere die Konflikte und Widersprüche, die uns die Immigration von den weltwirtschaftlichen Rändern bringt, und ich wäge die Lernchancen und Sackgassen ab, die sich daraus ergeben. Im dritten Teil suche ich nach einem fruchtbaren Umgang mit den Widersprüchen: nach einem Umgang, der weder menschenverachtend ist, noch dazu führt, dass die strukturellen Ungleichgewichte und die globale Einwegwanderung immer weiter zunehmen. Damit verlange ich Ihnen, liebe ThurgauerInnen, schier Unmögliches ab. Denn um die enorme Komplexität dieser „Welt in Stücken“ zu verstehen, muss ich sowohl Vereinfachungen machen als auch in einige Fettnäpfchen treten. Es sind deren fünf - ich werde sie laufend nummerieren. Machen Sie sich jetzt aber doppelt frei zum Nachdenken. Denn alles zu verstehen, heisst nicht, alles zu akzeptieren: Verstehen ist jedoch die Voraussetzung für Verständigung und Veränderung. Distanzieren Sie sich gleichzeitig ein wenig von Ihrer Empörung. Dann sind Sie im Stande, Licht und Schatten zusammenzusehen - im Eigenen und im Fremden, in Freund und Feind.

I Zur Situation: Die strukturellen Ursachen für den Exodus aus dem globalen Süden
Wer die Ursachen für den wachsenden Zulauf bzw. den Exodus aus dem globalen Süden ordnen will, ist gehalten, soziostrukturelle Ursachen und individuelle Motive auseinanderzuhalten. Ich gehe hier nur auf die wichtigsten strukturellen Ursachen ein, wobei „Struktur“ die machtmässige Gliederung einer Gesellschaft meint, und „Macht“ das Zusammenspiel von technischen, wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und sozialen Faktoren. Zuerst die zwei wichtigsten Strukturfaktoren, die zur Einwegmigration führen:

  • Im globalen Süden sind die meisten Länder und Menschen sehr viel ärmer als wir.
  • In einigen der armen und halbarmen Staaten sind kriegerische Auseinandersetzungen im Gang.

An beiden Faktoren hat Europa eine gewichtige Mitverantwortung. Reagieren Sie jetzt nicht mit Schuldgefühlen. Nutzen Sie stattdessen, wie abgemacht, Ihren Verstand.

11. Einige Fakten zur Armut: Warum sind die Anderen soviel ärmer als wir?
Der Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann1 bemisst die Reichtumsunterschiede am Produktivitätsgefälle, das gleichzeitig das länderspezifische Prokopfeinkommen (BIP/Kopf) anzeigt. Zur Zeit von Adam Smith, also Mitte des 18. Jahrhunderts, war der Unterschied zwischen dem unproduktivsten und dem produktivsten Land, damals vermutlich die Niederlande, ca. 1 : 4. Später sind diese Produktivitätsunterschiede exponentiell gewachsen. 2014 war das unproduktivste Land Malawi in Südostafrika: Mit einem Prokopfeinkommen von 256 US-$ verdiente man hier 4mal weniger als im benachbarten Zimbabwe (953 US-$). In Marokko (3.092 US-$) war das Einkommen zwar 3mal höher als in Zimbabwe, aber 3mal tiefer als in einem der ärmsten Länder der EU: Rumänien mit 9.490 US-$. In Spanien (28.994 US-$) wiederum verdiente man 3mal mehr als in Rumänien, aber 3mal weniger als in Norwegen. Norwegen war 2014 das produktivste Land der Welt mit einem Prokopfeinkommen von mehr als 100.000 US-$. Das heisst: Jeder Norweger schuf pro Tag mehr wirtschaftliche Werte als ein Einwohner Malawis pro Jahr. Kaufkraftbereinigt schmilzt dieser Unterschied auf ca. 1: 250 zusammen. Branko Milanovic2, ein Weltbank-Ökonom, erklärt das globale Einkommensgefälle mit dem «Faktor Geografie“ und meint damit den Ort, wo man wohnt. Er operiert mit der „Einwohner-Rente“: Sie erklärt ca. 2/3 der globalen Einkommensunterschiede. D. h. es kommt nur darauf an, ob man in der Schweiz oder in Malawi wohnt, denn in beiden Ländern hat man teil an zwei öffentlichen Gütern: am Durchschnittseinkommen und an der Einkommensverteilung. Gestützt auf Milanovic kann ich sagen: Weil die Schweiz mit über 80.000 US-$ BIP/Kopf einer der globalen Spitzenreiter ist, kommen überdurchschnittlich viele in unser Land, darunter viele Hochqualifizierte. Aber weil wir einen gut ausgebauten Sozialstaat haben, immigrieren auch schlecht Qualifizierte eher in die Schweiz als in Länder, in denen das Einkommen sehr ungleich verteilt ist. Wie aber kommt sie zu Stande: diese Einwohner-Rente? Über die Strukturen, die im Verlauf der jüngeren Geschichte etabliert werden konnten: z. B. die technische Ausrüstung und der Kapitalstock, die Infrastruktur wie Strassen, Energieversorgung etc., aber auch Bildung und Ausbildung. Am Beispiel der Schweiz illustriert: Handel, Industrialisierung, Produktivitätszuwachs - diese drei haben unserem Land im 19. Jahrhundert wachsenden Wohlstand gebracht. Und so haben wir seit 1848 einen Bundesstaat und eine funktionierende Demokratie, an deren Errichtung die klassischen Liberalen einst machtvoll beteiligt waren. Später dann haben eine qualifizierte Arbeiterschaft, die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie überfamiliale Solidarinstitutionen erstritten: Staatlich organisierte Solidarnetze ersetzten sukzessive verwandtschaftliche Verpflichtungen und Solidarität. So hat der Marktliberalismus der Schweiz nicht nur die moderne Demokratie, sondern Mitte des 20. Jahrhunderts schliesslich auch den Wohlfahrtsstaat ermöglicht. Damit sind die Sonnenseiten der kapitalistischen Wirtschaft benannt, die hierzulande bis heute gelten. Das kapitalistische Wirtschaftssystem hatte und hat allerdings auch seine Schattenseiten! Der Historiker Sven Beckert3 zeigt diese Schatten in seinem lesenswerten Buch „King Cotton“ auf. Denn für andere Weltregionen war der einstige kapitale Welthandel äusserst nachteilig. Über den sog. Kriegskapitalismus machte Europa damals viele Regionen zu abhängigen Rohstoffproduzenten und Kolonien. Die dortigen Menschen wurden zu Billig- und Zwangsarbeit verpflichtet, ja sogar versklavt. Sie mussten Baumwolle, Zucker und andere Exportgüter produzieren, die dann quer durch die Kontinente gehandelt wurden. Das brachte z. B. den beiden Winterthurer Familien Volkart und Reinhardt Macht und Reichtum und bescherte später meiner Geburtsstadt wertvolle „Kunst“ - die beiden Reinhardt-Museen beim Stadtpark und im Römerholz. Während aber das damalige Afrika südlich der Sahara durch die Sklaverei vorab an Arbeitskräften ausgepowert wurde, gingen in Asien blühende Wirtschaftsregionen unter. So wurden z. B. in Indien und Bangladesh die KMUs und überregionalen Märkte systematisch zerstört. Erst in den 1980er Jahren gelang es dem nun wieder erstarkten Asien, u. a. auch Afrika zum Absatzmarkt für seine Industrieprodukte zu machen - gut für Asien, schlecht für Afrika!

12. Zum kulturellen Erbe4: Strukturunterschiede zwischen Asien und Afrika
Der Hauptgrund für den Erfolg Asiens ist dessen kulturelles Erbe, genauso wie für die Herausbildung des Kapitalismus das europäische Kulturerbe entscheidend war. Kultur meint hier allerdings weder Kunst noch Ideen wie z. B. die Religion, sondern die Subsistenztechnik und die Strukturkomplexität. Historisch zeichneten sich Asiens Strukturen durch hohe Arbeitsproduktivität und überschüsse im Agrarsektor aus: Es gab dort seit Jahrhunderten grossflächig organisierte Bewässerungssysteme mit hoher Produktivität; einen Staat mit einem Gewaltmonopol und flächendeckender Befriedung; eine bürokratische Herrschaftsordnung mit Steuerpflichten, Schrift und Buchhaltung; Geld für den Austausch über die landesweiten Märkte; zu guter Letzt auch ein vielfältiges Handwerk und eine differenzierte Berufsordnung. Für Schwarzafrika gilt anderes: Südlich der Sahara, besonders in den tropischen und halbtropischen Regionen, lebten bis ins 20. Jahrhundert noch unzählige Klein- und Kleinstgesellschaften, die weder ein differenziertes Handwerk noch eine gemeinsame Sprache hatten. Bis auf wenige Ausnahmen gab es keinen Staat, erst recht keinen, unter dem sich die zahllosen Vielvölkerschaften ein grossflächiges Territorium teilten. Im Gegenteil: In West- und Zentralafrika beschafften sich arabische Händler Sklaven, wobei Sklavenjagd und Sklaverei im Innern Schwarzafrikas notorisch waren. Später jagten die Küstenvölker Westafrikas die Mitglieder anderer Kleinvölker und verkauften sie den Europäern als Sklaven. Damit sind, neben der kriegerischen Kolonialisierung und wirtschaftlichen Unterwerfung durch Europa, einige der „inneren“ historischen Gründe benannt, die in Schwarzafrika bis heute eine Entwicklung hin zu „unserer“ Moderne erschweren. Paul Collier5 bringt die fehlende Entwicklung in seinem Buch „Exodus“ auf den folgenden Punkt: Afrika hat ein „falschen Sozialmodell“ - ein Modell, das mit vier innerstaatlichen Säulen kontrastiert wird, die laut Collier eine effektive Entwicklung ermöglichen:

  • Moderne Institutionen: ein griffiges Steuersystem und eine funktionierende Demokratie.
  • Passende Narrative: Alltagstheorien, die moderne Erklärungs- und Orientierungsmuster liefern. Z. B. ist die Ursache für Krankheit nicht länger Hexerei, sondern mangelnde Hygiene.
  • Normen, die den Menschen Gewaltverzicht und überfamiliale Kooperation vorschreiben.
  • eine effiziente Organisation von Wirtschaft und Staat, eine analoge Arbeits- und Berufsmoral.

Leider übersieht Collier, wie sehr diese vier Säulen von Strukturfaktoren abhängen:

  • Ein effektives staatliches Steuersystem und die moderne Demokratie, b e i d e setzen voraus, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung ein formelles Erwerbseinkommen hat.
  • Erst, wenn die Bevölkerungsmehrheit formell in die Kapitalzirkulation integriert ist, können moderne Normen und Narrative greifen.
  • Dasselbe gilt für die effiziente Organisation sowie für die Arbeits- und Berufsmoral.

Aber weshalb stellt Collier nicht klar, dass die ungleich viel höhere Produktivität in Europa vorab auf dem Grosseinsatz von Maschinen, Erdöl, Elektrizität basiert? Ich komme darauf zurück.

13. Kriege und westliche Strukturblindheit als Ursachen für die Abwanderung
Jetzt muss ich ins erste Fettnäpfchen treten: Der Grossteil der derzeitigen Kriegsflüchtlinge wurde vom Westen selbst- o d e r zumindest mitproduziert. überall hatte er seine Finger im Spiel: in Afghanistan und im Irak, in Lybien, und Syrien, ja sogar in der Ukraine. Von der NATO bzw. mit westlicher Hilfe wurden da Regierungen gestürzt: Sämtliche Interventionen sind gescheitert und die Länder endeten im Chaos. Ich betone das nicht, weil der Westen für mich das Böse verkörpert. Nein, es passiert, weil wir im Westen äusserst struktur- und kulturblind sind. Struktur- und kulturblind6 auch für die politischen Probleme: Wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung eine formelle Erwerbsarbeit hat, kann ein Staat nicht demokratisch, d.h. von unten gesteuert und kontrolliert werden. Im Innern solcher Staaten lassen sich regelmässig eine enorme wirtschaftlichen Polarisierung und eine grassierende Korruption beobachten. Kommt es dann zu Verteilungskämpfen, können diese nicht demokratisch ausgehandelt werden. Stattdessen werden sie als sog. Kulturkämpfe ausgefochten - entlang von ethnischen oder religiösen Zugehörigkeiten und Zuschreibungen. Nota bene wie zur Zeit der Religionskriege in Europa. Für die Schweiz galt das sogar noch für den Sonderbundkrieg, der 1848 in die Bundesverfassung mündete. Zusammenfassend kann ich sagen: Beides, Kriegsflüchtlinge und ArmutsmigrantInnen, sind letztlich die Folgen von gewaltigen wirtschaftlichen Strukturungleichgewichten. Seit mehr als zwei Dekaden warne ich: Entweder die reichen Staaten sorgen für eine andere Weltwirtschaftsordnung7. Oder aber diese Menschen wollen und kommen zu uns. Jetzt ist es soweit!

II. Zum Fazit: Interkulturelle Konflikte und Einwegmigration - Sackgasse oder Lernchance?

Die Widersprüche, die ich im Folgenden thematisiere, kommen vorab im schweizerischen Berufsalltag vor. Aber auch in den Quartieren, die sich mit Armutsmigranten füllen, gibt es zahlreiche Konflikte, die nichts mit Rassismus zu tun haben. Um die konfliktiven Unterschiede adäquat zu erfassen und zu verstehen, dient mir das Konzept der Kernkultur: Es differenziert systematisch zwischen modern und traditional bzw. vormodern organisierten Gesellschaften. Der Witz des Konzepts: Alle Gesellschaften haben eine Kernkultur, aber in modernen Gesellschaften sind die verbindlichen Rollen und Institutionen vorab monetär, in vormodernen Gesellschaften hingegen vormonetär organisiert: Die Menschen werden nicht entlöhnt dafür, dass sie z. B. Hilfe leisten, andere schützen oder solidarisch sind. Das ist jener „Clash of Civilization“8, für dessen strukturelle Ursachen der US-Amerikaner Huntington leider so blind war9. Paul Collier beschreibt das Problem zwar strukturell, jedoch eurozentriert, d. h. nur aus der europäischen Warte: Für ihn haben die Neulinge von den weltwirtschaftlichen Rändern ein falsches Sozialmodell. Das heisst konkret: falsche Normen, falsche Rollen, falsche Institutionen. So ist Colliers Auffassung zwar mit dem Konzept der Kernkultur kompatibel, weil er kontext-spezifische Ordnungsvorstellungen erfasst. Weil Kernkultur aber stets im jeweiligen Kontext verortet und verwurzelt ist, kann man mit diesem Konzept erkennen, dass es zwangsläufig zu gewichtigen, aber begründeten Unterschieden zwischen den Kernkulturen von armen Staaten und der Kernkultur kommt, die in den westlichen Wohlfahrtsstaaten gilt. Denn die verbindlichen Rechts- und Moralvorstellungen, Rollen und Institutionen einer jeden Gesellschaft sind von deren Struktur und damit auch von der verfügbaren Technologie abhängig.

21. Konflikte zwischen vormodernen und modernen Kernkulturen
In der folgenden Abbildung ist rechts ein westlicher Wohlfahrtsstaat, links ein schwarzafrikanisches Land abgebildet.

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Wie erwähnt: Das wirtschaftliche Gefälle zwischen hier und dort, zwischen Nord und Süd ist gewaltig. Doch lassen sich alle Kernkulturen dieser Welt - zwar stark vereinfacht10, aber klar - in zwei Großgruppen aufteilen. Die grosse Kluft ist in der Abbildung mit dem durchbrochenen Querbalken markiert: Es ist eine zwischen einem Oben und einem Unten. Konkret: Das globale Unten ist für jenen Teil der Bevölkerung reserviert, die im Bild links unten angesiedelt ist. Gleiches gilt aber für einen Grosssteil der restlichen Weltbevölkerung. Denn im Innern von armen und halbarmen Staaten sind die Einkommens- und Wohlstandsunterschiede i. d. R. enorm: 50 - 80% der Bevölkerung sind an die weltwirtschaftlichen Ränder verbannt bzw. sie überleben in der Peripherie - ausserhalb der westlichen Welt mit ihren monetarisierten Rollen, Institutionen, Rechtsvorstellungen.

Und effektiv sind es denn jene Neulinge, die von unten links kommen, die also auf dem Land oder in den Slums oder anderswie in der weltwirtschaftlichen Peripherie aufgewachsen sind, die ein Sozialmodell mitbringen, das in der Schweiz problematisch ist. Wir haben es mit vormodernen Sozialmodellen zu tun, die z. B. keine adäquaten Vorstellungen für unsere monetär organisierten Solidarinstitutionen bereitstellen. Denn „vor Ort“ gibt es keine Sozialhilfe, auch keine Alters- oder Invaliden-Renten, weder Arbeitslosenversicherungen noch Krankenkassen. Deshalb sind unten links, d.h. überall an den weltwirtschaftlichen Rändern oder im Ausserhalb, die Primärrollen verbindlich - konkret: die Verwandtschaftsrollen, die Generationenrollen und die Geschlechtsrollen sind hier obligatorisch. Entsprechend fehlen vielen Neulingen, und da hat Collier recht, jene Vorstellungen und Normen, die für das Leben und Zusammenleben in der Schweiz unverzichtbar sind: Viele haben keine ausreichende Grundschulung, noch seltener eine Berufsbildung. Viele sind schlecht ausgerüstet, wenn es ums Wohnen oder um die Gesundheit geht. Erst recht fehlen adäquate Vorstellungen, wenn öffentliche Dienste richtig genutzt (und gespiesen!) werden sollen. Moderne Kernkultur und Kernrollen gelten hingegen nur im globalen Oben, also rechts und m. o. w. auch links oben im Bild: Hier sind die Sekundärrollen verbindlich, d . h. die Berufs- und Erwerbsrollen obligatorisch - legitimiert vom modernen Berufs- und Arbeitsethos und abgesichert über Bezahlung, Beförderung oder Entlassung. Und so trete ich nun ins zweite Fettnäpfchen: Auch wenn die SVP mit interkulturellen Konflikten fremdenfeindliche Politik macht, so heisst das nicht, dass es diese Probleme nicht gibt. Falsch ist es hingegen, mit diesen Problemen zu polemisieren und zu diffamieren. Im Folgenden sind einige der Konflikte, die im schweizerischen Berufsalltag auffallen, illustriert und entlang der vier gesellschaftlichen Kernaufgaben geordnet:

 

  • Produktion und Konsum: Ein Somalier wird entlassen, weil er nie pünktlich zur Arbeit erscheint. Um das Problem zu lösen, ist es wichtig zu wissen, dass es sich u. U. (!) nicht um jene ordinäre Unpünktlichkeit handelt, wie sie an den weltwirtschaftlichen Rändern oft Usus ist: In der somalischen Gesellschaft spukt nämlich die Idee von Masters und Servants - und einem Master hat niemand etwas befehlen!
  • Schutz und Sicherheit: Wenn ein Jugendlicher aus Kosovo zu hören bekommt, seine Mutter sei eine Schlampe, sieht er rot, wird aggressiv und u. U. (!) gewalttätig, ist es doch seine Pflicht, seine Familie vor Angriffen zu schützen. Das ist nota bene vielerorts so, wo es zwar Eigentum gibt, aber dem Staat die Mittel fehlen, Schutz und Sicherheit flächendeckenden zu garantieren.
  • Solidarität und Umverteilung: Ein afrika-stämmiger Sozialarbeiter, seit 17 Jahren eingebürgert, erklärt, warum so viele Schwarzafrikaner in unser Land kommen: „Weil die Schweiz ein guter Staat ist.“ „Und was ist das - ein guter Staat?“ will ich von ihm wissen. Seine Antwort: „Einer, der Geld an seine Bewohner verteilt, damit sie davon leben können.“ Allerdings weiss er dann nicht, woher das Geld kommt, das unser ach-so-guter Staat verteilt.
  • Zur Erziehung und Ausbildung: Eine Eritreerin verprügelt ihr 3jähriges Kind mit einem dicken Holzscheit. Von mir gestoppt, empört sich die Mutter: „Mein Kind muss unbedingt lernen zu gehorchen, wenn es künftig ein besseres Leben haben soll.“

Ich verzichte auf Beispiele aus dem Wohn- und Gesundheitsbereich. Doch all diese interkulturellen Missverständnisse lassen sich auf ein und denselben Nenner bringen: Die Neulinge orientieren sich an vormonetären Sozial- und Rollenmodellen. Dank dem Konzept der Kernkultur können wir aber erkennen, dass die Fremden weder ein falsches Sozialmodell haben noch ohne Moral sind. Sie haben vielmehr ein anderes Sozialmodell und eine andere Moral. Aber beide sind mit Blick auf unsere modernen Rollen und Institutionen untauglich - da hat Collier recht! Aber mit einem geschärftem Blick für die Verbindung von der Struktur hin zur Kultur - in Form von Institutionen, Narrativen, Normen, Rollen - lässt sich jetzt zu Collier sagen:

  • In armen Staaten funktioniert der Steuerstaat nicht. Und so lange nur eine Minderheit eine Erwerbsarbeit hat, bleibt das auch so. Der soziale Ausgleich findet entlang von verwandtschaftlich-ethnischen Bahnen oder über die Religionszugehörigkeit statt - die Muslimbrüder lassen grüssen. Und die zentralen vormodernen Solidar- und Ausgleichsinstitutionen sind an den weltwirtschaftlichen Rändern z. B.: Arranged Marriage, Mitgift oder Brautpreis, Jungfräulichkeit, Zwang zur Heterosexualität bzw. die Pflicht, Kinder zu zeugen - alles traditional oder religiös legitimierte Verpflichtungen und allesamt verstossen gegen „unsere“ modernen Menschenrechte.
  • In der Peripherie armer Staaten gelten andere Narrative: Krankheit kann durch Hexerei entstehen, ist aber auch mit witch craft heilbar. Und während bei uns in Schule und Betrieb relativ abstrakte, d.h. für alle gleichermassen gemessene und geltende Leistungen zum Erfolg führen, sind dafür „vor Ort“ persönliche Bekanntschaften und Beziehungen nötig.
  • In vielen vormonetär organisierten Gesellschaften fehlen Normen, die „Gewalt in der Familie“ verbieten. Auf Primärrollen und primäre Kooperation fokussiert, schreiben vormoderne Normen u. U. (!) auch keine überfamiliale oder überethnische Kooperation vor.
  • Moderne Berufs- und Arbeitsmoral fehlen nicht nur, weil Europa, angefangen bei den Zünften, dafür Jahrhunderte brauchte. Wo nur eine Minderheit eine formelle Erwerbsarbeit hat und deshalb auch die staatlich organisierte monetäre Absicherung fehlt, bleiben die Primärrollen obligatorisch, und es wird vehement dafür gekämpft, dass Verwandtschafts-, Geschlechts- und Generationenrollen verbindlich bleiben: Homosexualität ist verpönt, ja u. U. strikt verboten!

Doch jetzt zum dritten und wichtigsten Fettnäpfchen: Zu dem, was Collier, zusammen mit vielen anderen liberalen ökonomen, ausblendet. In vormonetär organisierten bzw. armen Gesellschaften ist der Zugriff auf Ressourcen hoch limitiert: Die Natur und ihre Ressourcen werden über die Muskelkraft von Mensch oder Tier nahräumlich angeeignet. Warum aber übersieht Collier, dass unser modernes Sozialmodell auf dem grenzenlosen Zugriff auf die globalen Ressourcen basiert? Ein Zugriff, der uns dank Maschinen, Energie, freier Kapitalzirkulation möglich, aber weder ökologisch noch sozial nachhaltig ist. Sollen künftig die verfügbaren Ressourcen und deren nachhaltige Nutzung beachtet werden, dann haben auch wir ein falsches Sozialmodell. Soweit weder das vormoderne noch das moderne Gesellschaftsmodell in eine enkel-kompatible Zukunft führen, sind interkulturelle Konflikte für mich eine Lernchance: Es gilt, neue und zukunftsfähige Sozialmodelle zu kreieren.

22. Der Blick auf die Sackgasse: die Einwegmigration und ihre langfristigen Folgen
Unter strukturellem Gesichtspunkt bewirkt die laufende Einwegmigration von Süd nach Nord:

  • dass am falschen Ort, nämlich in der Schweiz, weitergewachsen wird.
  • dass die Schweiz auf Kosten von Armen, ja der ärmsten Länder und Menschen wächst.
  • dass wir weiterhin an der Illusion des grenzenlosen Wachstums festhalten können.

Auf diese Weise nehmen das wirtschaftliche Gefälle, die Unterschiede zwischen dem nördlichen überkonsum und südlichem Unterkonsum sowie der Migrationsdruck immer weiter zu! Auch Paul Collier und Branko Milanovic gehen von dem aus, was ich als Teufelskreis bezeichne. Collier betont, dass die Ungleichgewichte künftig zunehmen und die Migration entsprechend weiterwachsen wird. Die massive Zuwanderung sieht er mit drei negativen Effekten verbunden:

  • Die armen Länder verarmen noch mehr! Zuviel Emigration nimmt ihnen die Kraft, sich eigenständig zu entwickeln: Es wandert die Jugend ab, darunter die Begabtesten, die Tüchtigsten, allerdings auch die Brains - jene, die besonders gut und hoch qualifiziert sind.
  • Die reichen Länder werden noch reicher! Aber Collier präzisiert: Vorab die Reichen werden noch reicher. Für die unteren Schichten gilt hingegen: Zuviel Immigration drückt jenen im sozialen Unten auf die Löhne und verschärft die Konkurrenz um Sozialleistungen.
  • Zuviel Migration zerstört den nationalen Zusammenhalt und die Solidarbereitschaft! Sie ist zudem jener Arbeitskultur abträglich, die den Wohlstand in der Schweiz mitbegründet hat.

Inzwischen sorgt die laufende Globalisierung sowohl über Touristen als auch mit Handys dafür, dass das Wissen um die gewaltigen Einkommensunterschiede bis in die hintersten Krähwinkel unseres Planeten vordringt - die Einwegmigration von arm nach reich nimmt weiter zu. Milanovic ortet unlösbare Zielkonflikte zwischen den drei Faktoren: Globalisierung, Wohlstandgefälle, weltweite Migration. Das Problem ist für ihn nur lösbar, wenn einer der drei Faktoren zum Stillstand gebracht werden kann. Meine persönliche Einschätzung der drei Möglichkeiten:

  1. Die Migration ist nicht kontrollierbar, und n u r die Migration zu unterbinden, halte ich für unmenschlich und falsch: Es läuft auf eine globale Kastengesellschaft und auf Gewalt hinaus.
  2. Die Wohlstandskluft kann nicht mit einem Geldtransfer von reich zu arm abgebaut werden. Geldtransfer konzentriert die Macht und Herrschaft im sozialen Oben und verursacht eine gewaltige Korruption. Was dennoch unten ankommt, wird i. d. R. für den Konsum verbraucht. Die Entwicklungszusammenarbeit bringt keine wirtschaftliche Entwicklung zu Stande. Sie ist aber - wie die Migration – eine Chance für einen gemeinsamen Lernprozess. Sie kann, z. B. in Form von Ausbildungsprogrammen, wichtige Voraussetzungen für Entwicklung schaffen.
  3. Ich bin aber überzeugt: Das derzeitige Wohlstandsgefälle und die damit verbundene Einwegmigration kann n u r über eine andere Wirtschaftsordnung reduziert werden. Glücklich macht mich, dass Milanovic11 sagt: „I conclude with something that resembles a slogan: either poor countries will become richer, or poor people will move to rich countries.“ Das ist der Lernprozess, der vor uns liegt: Wir brauchen eine neue Form der Globalisierung.

Wenn ich im Folgenden einige wirtschaftskritische Anmerkungen mache, so sei zuerst klargestellt: Es braucht sie auch in Zukunft - die Marktwirtschaft! Aber wir brauchen eine vieldimensionale, dezentrale und möglichst flache Organisation von Macht, Steuerung und Kontrolle: eine, die sowohl Demokratie ermöglicht als auch zu Nachhaltigkeit verpflichtet. Leider hält derzeit stattdessen der Vampirkapitalismus Hochzeit: Das internationale Grosskapital saugt in Form von anonymen Aktionären oder grossmächtigen Familienclans die bislang nationalen öffentlichen Dienste aus und frisst auch viele KMUs auf - zwei zentrale Grundlagen der klassischen National­ökonomie und für eine funktionierende Demokratie. Deshalb zum vierten Fettnäpfchen: Die neoliberale Form der Globalisierung ist eine Sackgasse. Am grenzenlosen Wachstum und Profit orientiert, erzwingt der Neoliberalismus einen Kapitalismus mit einer freien und grenzenlosen Zirkulation von Menschen, Gütern Finanzströmen. Das mündet in eine gewaltige nationale und internationale Polarisierung zwischen reich und arm und es bringt eine extreme Machtkonzentration im transnationalen Hochoben. Diese oligarchischen Machtstrukturen lassen die Demokratie zur Demokratur verkommen. Gleichzeitig werden durch das soziokulturelle Chaos und die politische Polarisierung, die mit diesen neuen Macht- und Ohmachtsformen verbunden sind, die nationalterritoriale Integration, Verständigung und Solidarität geschwächt. Und so füllen die neoliberalen Formen der Grenzenlosigkeit derzeit vorab die Kassen von transnationalen Unternehmungen und grossmächtigen Investoren. Die neoliberalen Formen von Grenzenlosigkeit sind m. E. dreifach falsch: klimapolitisch, demokratiepolitisch und volkswirtschaftlich. Ich beschränke mich darauf, hier den letzten Punkt kurz zu erläutern. Zuerst ein ernstes Wort zum grenzenlosen Kapitalkreislauf: Lernen wir aus den Finanzkrisen - Grosssysteme sind äussert störanfällig! Sie münden in jähe Katastrophen, die immer grössere Kreise ziehen. Es braucht künftig eine globale, aber „neutrale“ Währung, die nicht mehr an den US-Dollar, sondern an einen Warenkorb gebunden ist, aber auch lokale bzw. nationale Währungen.12 Denn wir Menschen sind auf Wirtschaftsräume angewiesen, die den achtsamen Umgang mit dem sozialen und natürlichen Nahraum strukturell vorgeben und ermöglichen, aber auch erzwingen und rehabilitieren. Dazu braucht es jene Fehlerfreundlichkeit,13 die das überleben von natürlichen Systemen erleichtert und ermöglicht. Und diese Fehlerfreundlichkeit setzt dreierlei voraus: Vielfalt, Redundanz und Grenzen. Es braucht deshalb auch keine grenzenlose Marktwirtschaft für sämtliche Güter wie z. B. Eier, Fleisch Milch und andere Grundnahrungsmittel. Grenzenlosigkeit bedient in diesem Fall vorab die Interessen von transnationalen Grossunternehmungen und grenzenlos gefrässsigen KonsumentInnen. Eine Beispiel: 2014 gehörten Aldi und Lidl den zwei reichsten Familien in der BRD. Und dorthin fliesst der erwirtschaftete Profit, dort konzentriert sich in der Folge auch die Macht. 2013 hatte der Abrecht-Clan ein Vermögen von 33.8 Mrd. Euro, die Lidls waren nur mit 16 Mrd. im Rennen. Der Profit kam beim Ersteren aus 17 Ländern, für die Letzteren sogar aus 26 Staaten.14 Ich halte dem entgegen: Was immer lokal produziert und vermarktet werden kann, soll auch künftig lokal passieren - nur das erlaubt eine territorial verortete Volkswirtschaft und der Schweiz auch künftig ihren direkt demokratischen Staatsaufbau. Kurz - wir brauchen nicht nur Trennbanken, sondern auch Trennmärkte: Gestufte Märkte, d. h. sowohl internationale Märkte für Güter, die nicht lokal produziert werden können, als auch nationale und lokale Märkte, die vor der globalen Machtkonzentration und vor dem Zugriff entsprechender Grosskapitaleigner bzw. deren Aktionäre „geschützt“ sind. Das tut allerdings all jenen weh, die bislang an die soziale Marktwirtschaft geglaubt haben. Sie ist mitte des 20. Jahrhunderts in Europa aufgeblüht, aber ihre AnhängerInnen haben bislang übersehen, dass diese Blüte einem eurozentrischen Muster geschuldet war. Einem Muster, das Gunsten jener funktionierte, die auf den internationalen Märkten mit der höheren Produktivität aufwarten konnten. Und das wiederum war zum Nachteil von strukturschwächeren Ländern. ähnliche Mechanismen machen längst auch der EU intern zu schaffen. Klassische Liberale und SozialdemokratInnen müssen also dazulernen. Gesucht ist eine andere Weltwirtschaftsordnung: eine, die Markt- und Finanzstrukturen ermöglicht, die es künftig allen Ländern dieser Welt gestatten, ihre je eigenen Volkswirtschaften zu erhalten bzw. herauszubilden. Volkswirtschaften, die transparent, einigermassen steuerbar und kontrollierbar sind. Volkswirtschaften, dank denen jeder Staat seine öffentlichen Dienste finanzieren und überfamilialen Solidarnetze organisieren kann - beides in je eigenständiger Regie und demokratischer Verant-wortung. Volkswirtschaften mit einem ausreichenden Arbeitsplatzangebot, so dass ein Land auch für die von ihm ausgebildeten Brains und Berufsleute attraktiv bleibt oder werden kann. Und das war ja einmal ein Teil des Schweizer Erfolgsmodells: ein Staat, von unten nach oben aufgebaut, kleinräumig, subsidiär und direktdemokratisch organisiert, mehrstufig und föderal gegliedert - seine BürgerInnen gehören heute noch zu den Glücklicheren in dieser Welt.

III Zur Zukunft: Zum fruchtbaren Umgang mit Widersprüchen

11. Zuerst zur Paradoxie zwischen Individuen und sozialen Strukturen bzw. Gruppen
Ein Paradox ist ein Widerspruch, der nicht lösbar ist. Deshalb zurück zu meiner Eingangsbemerkung über die drei Gruppen: Statistisch war meine Aussage korrekt. Aber ich kann von keiner einzelnen Person sagen, welcher Gruppe sie angehört. Auch nie wissen, wie ein konkretes Individuum die Welt erlebt, wie es fühlt, denkt und handelt. Statt Sie mit Statistik und Mathematik zu plagen, will ich diese Paradoxie etwas launisch mit vier Beispielen illustrieren. Zuerst die zwei unverfänglichen.

  • Anna Milena Moser bringt das Paradox in ihrer Erzählung „Das Feuer“ gewitzt so auf den Punkt: „Jeder Laie findet mit 2, 3 Mausklicks heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben, bei 1 : 2.2 Millionen liegt. Aber kein Mathematiker der Welt kann dir sagen, ob du sterben wirst, wenn du ins Flugzeug steigst.“
  • In der Krimi-Serie„Mord in bester Gesellschaft“ unterhalten sich Vater und Tochter über einen Skandalartikel in der Abendpost. Die Tochter zum Vater: „Das Blatt schreibt, 80% der deutschen Zeitungsleser hätten diesen Artikel gelesen.“ Der Vater: „Ich lese das nicht!“ Die Tochter: „Also, wer lügt jetzt, das Blatt oder Du?“ Aufgepasst: Niemand lügt, beides ist wahr - oder kann das zumindest sein. Aber es handelt sich um kategorial unterschiedliche Aussagen: Die eine bezieht sich auf ein Häufigkeitsmerkmal in einem Kollektiv; die andere auf ein konkretes Individuum.
  • Das heikle Beispiel kommt aus dem Migrationsbereich: Es gab eine Zeit, da wurden in unserem Land relativ viele Roma beim Betteln und Stehlen erwischt. Soviel ist sicher: Die Roma in der Schweiz bettelten und stahlen statistisch weit häufiger als SchweizerInnen. Es wäre aber falsch zu sagen, dass alle Roma betteln und stehlen. Schlimmer noch: Es ist rassistisch! Dennoch ist jede politische Korrektheit falsch, die uns verbietet, ein Problemverhalten zu benennen, das für eine Gruppe typisch ist, weil es besonders häufig vorkommt. Denn für Probleme, die nicht benannt werden dürfen, gibt es weder eine Lösung noch eine adäquate Prävention.
  • Das letzte Beispiel ist aus dem Gesundheitsbereich und entlarvend: Die homosexuellen Jusos witterten im Blutspende-Verbot eine «Diskriminierung». Der Direktor des Schweizer Blutspende-Dienstes erklärte in der Tagesschau15, warum Schwule vom Blutspenden ausgeschlossen sind. Es handelt sich um eine Diskriminierung, die Sinn macht: „Das Risiko, dass die Blutspenden von homosexuellen Männern mit HIV infiziert sind, ist 30mal höher als bei anderen Blutspendepersonen.“ Entlarvend ist das Beispiel, weil es das sakrosante Diskiminierungsverbot verletzt.

Das wirft zwei Fragen auf:

  1. Wird in diesem Fall eine Diskriminierung erlaubt, weil von einer Ansteckung alle gleichermassen betroffen sind – Unterschicht und Oberschicht, Büetzer und Intellektuelle
  2. Oder darf das Diskriminierungsverbot verletzt werden, weil der Blutspendedienst als institutioneller Täter ausgemacht und in die finanzielle Verantwortung genommen werden kann?

Wichtig für uns: Es gibt Widersprüche, die nicht lösbar sind. Umso wichtiger ist es, Paradoxien zu erkennen und zu benennen, um nach einem transparenten und klugen Umgang zu suchen. Deshalb jetzt zurück zu Ihnen, liebe ThurgauerInnen. Ich habe Eingangs mit Blick auf die Vertreterinnen von offenen bzw. geschlossenen Grenzen gesagt: Beide Gruppen haben - je nach Standpunkt - recht! Ich will das jetzt komplizieren: Unter jenen, die am liebsten alle MigrantInnen hereinlassen möchten, sind viele, die primär am Schicksal der einzelnen Individuum anteilnehmen, andere verdienen damit schlicht und einfach Geld. Unter jenen, welche die Neulinge am liebsten aussperren möchten, finden sich sowohl Fremdenhasser, als auch möglicher Weise einige, die sich um die langfristige Entwicklung und die Strukturpro­blematik sorgen. Die Problemlage ist also paradox: Offene Grenzen vertiefen die Ungleichgewichte zwischen Nord und Süd; aber die Grenzen zu verschliessen, wäre unmenschlich und zudem auf direkte Gewalt angewiesen. Deshalb können die Probleme, die aus der ungleichen Entwicklung und der damit verbundenen Einwegmigration entstehen, nicht mit Entweder-oder-Praktiken und schon gar nicht unter dem Verdikt einer Ceteris-Paribus-Klausel gelöst werden. Nein, um neue Wege zu finden, müssen wir es mit einer Sowohl-als-auch-Antwort versuchen. Die entscheidende Frage ist die: Wie gehen wir mit der Paradoxie zwischen der strukturellen und der individuellen Realität um, ohne menschenverachtend zu sein und ohne strukturblind zu handeln? Statt die Hände in den Schoss zu legen oder einfach wegzusehen, müssen wir die Quadratur des Kreises wagen. Aber wie erwähnt: Wir haben es mit einem Problem zu tun, das nicht lösbar ist, so lange wir die Rahmenbedingungen nicht verändern.


32. Von der Einwegmigration zum globalen Ausgleich
Damit die laufende Einwegmigration das Einkommens- und Produktivitätsgefälle sowie die Widersprüche zwischen über- und Unterkonsum nicht ständig verschärft und vertieft, gilt es endlich, die Rahmenbedingungen zu verändern und die Fehlentwicklung um die ungleichen Strukturen auf zwei Ebenen zu anzugehen:

  1. Die marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gezielt so zu verändern, dass sowohl der globale Zugriff auf die Ressourcen und die Produktivität als auch die Zahl der Arbeitsplätze in Nord und Süd ausbalanciert werden. Nur so werden beiderorts Demokratien möglich.
  2. Es braucht einen neuen Umgang mit der Migration, wenn sich das Gefälle künftig ausgleichen soll. Vorbei die Zeit, in der wir aus armen Ländern die Hochausgebildeten herauspicken konnten. Vorbei die Zeit, in der sich mit einem Asyl für Politische das kritische Potenzial in den Armutsregionen absorbieren liess. Vorbei auch die Zeit, in der wir unser schlechtes Gewissen mit der Kategorie „vorläufig Aufgenommene“ damit beruhigen konnten, dass wir darauf verzichteten, die Armen, die wir direkt vor unseren Augen hatten, an den schlechten Ort zurückzuschicken. Denn wir haben es mit einer Völkerwanderung zu tun: Millionen wollen sich Eintritt in die nördlichen Konsumparadiese verschaffen - unter welchen Titeln auch immer.

Deshalb muss ich nun ins fünfte und letzte Fettnäpfchen treten. Greifen wir die Probleme um die Einwegmigration klug auf: Gehen wir endlich ihre Ursachen an! Es kann deshalb künftig nicht mehr darum gehen, Immigrantinnen und Flüchtlinge für immer und ewig hier zu behalten. Auch Paul Collier und Dani Rodrik, ein Harvard-ökonom, haben das erkannt. Collier schlägt u. a. vor: Flüchtlinge sollen zurück in ihre Heimat, sobald sich dort die Verhältnisse gebessert haben. Dani Rodrik16 plädiert dafür, dass der Aufenthalt für Migranten zwar möglich, aber generell zeitlich beschränkt werden soll. Nota bene hat die DDR einst derart strukturorientierte Entwicklungsprogramme mit Vietnam und Vietnamesen durchgeführt - eine Win-Win-Situation für beide! Aber ob die MigrantInnen hier bleiben oder zurückkehren - für beide Fälle gilt: Menschen aus der armen Welt sollen bei uns arbeiten und u. U. eine Ausbildung erhalten, sie sollen moderne Rollen bzw. Berufe erlernen, mit modernen Normen und Narrative vertraut werden, die Nutzungs- und Speisungsregeln von modernen Sozialmodellen kennen lernen. Denn sowohl für die Integration in der Schweiz als auch für die Rückkehr ins Heimatland sind drei Schlüsselfaktoren relevant: Erziehung; Schulung und Ausbildung; Arbeitspraxis statt Sozialhilfe oder Renten.

Und Sie, liebe ThurgauerInnen?

Sie sind meine Hoffnungsträger. Sie sind mit der Quadratur des Kreises beauftragt. Und Sie können das weit besser als jene, die sich längst in der neoliberalen Ortslosigkeit und Beliebigkeit verirrt haben. Mit Integrationsaufgaben betraut, haben Sie die Hauptrolle, wenn es darum geht, aus dem Chaos von konfliktiven Normen, Rollen und Institutionen hinauszufinden und neue Wege zu suchen. Das Konzept der Kernkultur kann Ihnen dabei Orientierungshilfe sein, weil es auf fundamentale transkulturelle Gemeinsamkeiten abstellt: Ohne gemeinsame und verbindliche Ordnungsvorstellungen zerbricht jede Gesellschaft und ist kein überleben möglich! Deshalb entwickeln alle Gesellschaften eine Kernkultur: Recht- und Moralvorstellungen, welche die unverzichtbare Normen, Rollen, Institutionen absichern. Unterschiedlich sind kernkulturelle Ordnungsvorstellungen n u r, weil sie in Abhängigkeit vom hoch unterschiedlichen Zugriff auf die Ressourcen konkretisiert sind. Ich wiederhole: Wo das Zusammenleben in einer Gesellschaft vormonetär organisiert ist, sind Tradition oder religiöse Vorstellungen das äquivalent für unser modernes Recht. Umgekehrt gilt unsere Rechtstaatlichkeit nur dort, wo das Zusammenleben monetär, also über den Geld- und Kapitalkreislauf organisiert ist. Dasselbe gilt für die Kernrollen: Sie sind allerorts verbindlich, weil sie das überleben organisieren. Aber die Neulinge von den weltwirtschaftlichen Rändern sind an Primärrollen orientiert, weil man „vor Ort“ derzeit noch auf diese angewiesen ist. In den weltwirtschaftlichen Zentren der Kapitalakkumulation hingegen sind inzwischen die Sekundärrollen unverzichtbar. So lautet Ihre Doppelaufgabe: Einerseits ist den Neulingen moderne Kernkultur zu vermitteln, damit sie nach der Rückkehr in ihre Heimat zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen können. Sie sollen lernen, wie unser Steuerstaat und unsere Solidarnetze funktionieren: Sozialhilfe und IV-Renten sind kein Manna, das vom Himmel fällt. Sie sollen lernen, dass bei uns das Staatsmonopol der Gewalt für alle gilt - und zwar bis tief in die Familie hinein. Sie sollen lernen, dass auch unsere Elternrollen verbindlich sind, aber ganz anders aussehen als vor Ort. Im Gegensatz dazu - und oft zu ihrem Entsetzen - sind bei uns die Geschlechtsrollen beliebig, und es gelten völlig andere Generationenrollen. Bringen Sie den Neulingen bei, dass unsere Berufsrollen die Schlüssel für ein gutes Erwerbseinkommen sind. Zeigen Sie, dass Schule und Lehre auf diese Rollen vorbereiten und dass für den Erfolg eigenständige Leistungen entscheidend sind. Vermitteln Sie ihnen, dass die Schweiz kein Schlaraffenland ist, sondern Erwerbs- und Berufsarbeit zu unserem Wohlstand beitragen. Dazu haben die Neulinge auch helvetische Tugenden zu erlernen: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Sorgfalt, Fleiss, überfamiliale Ehrlichkeit, Eigeninitiative etc. - all das, was derzeit verächtlich als schweizerische Spiessigkeit bezeichnet wird. Denn für die eingangs erwähnten Ortslosen geht die Hyperglobalisierung mit einer Hyperindividualisierung zusammen, die allen Menschen - phantasmagorisch - allerorts und jederzeit die gebratenen Tauben in den Mund fliegen lässt. Und zwar „subito, susch tätschst’s!“ Andererseits haben auch wir viel dazuzulernen: Es gilt, die Probleme um die Einwegmigration zu lösen und nach Wegen in eine ökologisch und sozial nachhaltige Zukunft zu suchen:

  • z. B. erneut lernen, dass Menschen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben.
  • z. B. erkennen, dass Würde keineswegs n u r ein Konsumrecht ist, sondern auch eine Leistung, die wir im Sinne einer Pflicht gegenüber anderen und vor uns selbst haben.
  • z. B. die Kernaufgaben neu organisieren: Gesucht sind ein Rollen- und ein Sozialmodell, die nicht mehr auf ewiges Wachstum abstellen.

Es gilt zudem, auf den grenzenlosen Zugriff auf die Ressourcen genauso zu verzichten wie auf den unlimitierten Verbrauch und Verschleiss. Es gilt deshalb zum einen, unsere moderne Kernkultur mit ihren Normen, Rollen, Institutionen in einer Weise umbauen, die Enkel-kompatibel ist: Auch unsere Großkinder leben lieber in einem Land, in dem es nicht nur Strassen und Häuser, sondern auch noch Felder, Wiesen, Wälder gibt. Zum andern heisst das: Unsere Wirtschaft und unser Wohlfahrtsstaat sind in einer Weise umbauen, die auch den Menschen in den bislang armen Staaten und Regionen soziale Integration und Wohlfahrt gestattet. Auch „vor Ort“ brauchen und wollen die Menschen Arbeitsplätze, ein Einkommen, eine funktionierende Demokratie - alles Faktoren, die für ein konstruktives Zusammenleben im territorialen Nahraum nötig sind. Kurz: wir brauchen eine neue, andere Form der Globalisierung. Auf Wege, die in eine menschenwürdige Zukunft führen, kommen wir aber nur, wen wir offen und ehrlich mit Licht und Schatten umgehen - im Eigenen und im Fremden, in Freund und Feind. Schwarzweissmalerei und Lagerdenken bringen nicht weiter. Das derzeitige Links-Rechts-Hick-hack dreht sich im Kreis: In der eigenen Enge geboren, verstellt es den Weitblick und hindert uns in der Schweiz daran, neue Wege zu suchen und zu gehen. Raufen wir uns zusammen! Wir können den enkel-kompatiblen Umbau von Wirtschaft, Wohlfahrtsstaat und Kernkultur just dank der vorgeschlagenen Sowohl-als-auch-Lösung vorantreiben. Neue Wege, die in Richtung einer enkel-kompatiblen Weltordnung führen, werden wir aber nur finden, nur wenn wir die Probleme um die gewaltigen Strukturungleichgewichte und die damit verbundene Völkerwanderung gemeinsam angehen: je eher, desto besser - es ist höchste Zeit!

© Verena Tobler Linder

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung www.egonkramer.de

Foto: cortona.ethz.ch*Verena Tobler Linder wurde 1944 in Winterthur (Schweiz) geboren. Sie hat eine Erstausbildung als Primarlehrerin, später das Lizenziat als Ethno- & Soziologin (Universität Zürich) sowie ein Diplom in Supervision und Organisationsberatung erworben. Seit 2002 übt sie eine selbständige Lehr-, Kurs-, Referats- und Beratungstätigkeit aus, insbesondere zum Thema „Interkulturelle Konflikte und deren Überwindung“. Sie erteilt Kurse zur interkulturellen Kommunikation und Integration für: Spital-, Psychiatrie und Gefängnispersonal, für Schulen, Krippen, Horte, Mitarbeitende von Sozialämtern, Gemeinden, Gerichten, des Bundesamtes für Flüchtlinge und Immigration und andere vom Thema Betroffene.

mehr von und über Verena Tobler Linder können Sie »hier nachlesen und/oder noch viel mehr, direkt auf ihrer »Homepage.

Quellenangaben:

  1. Ricardo Hausmann am »World Economic Forum 2015
  2. Branco Milanovic: Global inequality of opportunity: How much of our income is determined by where we live? Version 2013: 14, 15.
  3. Sven Becker: King Cotton - Eine Globalgeschichte des Kapitalismus (2014).
  4. Hans-Peter Müller u. a.: Atlas vorkolonialer Gesellschaften. Kulturelles Erbe und Sozialstrukturen der Staaten Afrikas, Asiens und Melanesiens (1999).
  5. Paul Collier: Exodus - Warum wir Einwanderung neu Regeln müssen (2015).
  6. Verena Tobler: »Struktur- und kulturblinde Verfassungsgemeinschaft (1996)
  7. Verena Tobler: »Wege gegen die Ausländerfeindlichkeit (1993)
  8. Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen (1996).
  9. Verena Tobler: Dominanz des Westens und der Kampf der Kulturen, in: VHSKZ (Hg.): Neue Weltordnung? Neue Ungewissheiten! (2004): 101 - 126.
  10. Für Informationen zur Vielfalt der Kernkulturen: Verena Tobler: Kernkultur – ein Approach für interkulturelle Verständigung und Integration. In: Zeitschrift „Psychologie und Erziehung“, Nr. 1/Vol 34 (2008): 10 - 22. Oder: Verena Tobler: Kernkultur – ein Approach zu einer globalen Gerechtigkeit.
 In: M. Budowski/M Nollert (Hg.) Soziale Gerechtigkeiten.(2008): 185-207.
  11. Branko Milanovic: Global Income Inequality by the Numbers: in History and Now - an Overview, in: Policy Research Working Paper 6259 (2012): 27.
  12. Bernard Lietaer: Das Geld der Zukunft. Über die destruktive Wirkung des existierenden Geldsystems und die Entwicklung von Komplementärwährungen (1999).
  13. Christine Weizsäcker; Ernst Ulrich von Weizsäcker: Fehlerfreundlichkeit. In: K. Kornwachs (Hrsg.): Offenheit – Zeitlichkeit – Komplexität. Zur Theorie der Offenen Systeme (1984): 167 - 201.
  14. Ich hatte diese Angaben vor ca. 3 Monaten von Wikipedia heruntergeladen. Inzwischen sind die Konkreta über das Vermögen der beiden Familien im Topf „der 300 reichsten Familien in der BRD“ verschwunden. So tobt im Netz ein ständiger Kampf um Transparenz und konkrete Informationen. Also suchen Sie selbst nach diesen Informationen - vielleicht sind sie inzwischen wieder aufgetaucht.
  15. Tagesschau TV-DRS 25.07.2012
  16. Dani Rodrik: Das Globalisierungsparadox (2011)