aktuelle News Als Bundespräsident Heinrich Lübke, vormals KZ-Bauer, 1966 diese Anrede in Timbuktu vom Stapel ließ, ahnte er wohl nicht, das 2004 ein Niedersachse in seine Fußstapfen treten sollte ...


von Tilo Schönberg


Windhoek hat er nicht gesehen, der Kanzler auf seiner "Afrika-Safari". Wäre ja auch blöd, wenn man anlässlich des 100. Jahrestages des deutschen Völkermordes an den Herero einem solchen Stammesbruder auch noch über den Weg liefe und außerdem hat ja der Fischer schon sein Bedauern darüber ausgedrückt, das die Nachkömmlinge überlebender Herero heute noch leben - ohne finanziellen Ausgleich meine ich - aber da kann der Fischer halt gar nichts machen.

Überhaupt Afrika. Schröder war in Kapstadt und Pretoria. Also in der Republik Südafrika. Dann noch in Ghana, Äthiopien und Kenia. Im Schlepptau die Truppen von Commerzbank und Daimler, die ihrerseits prächtig am ehemaligen Apartheid-Staat verdienten. Nun hat sich die Fahne am Kap gedreht, da wird es Zeit mal wieder die Vereins-Flagge zu zeigen. Schlieslich geht es dort unten um Goldminen, Staudamm-Projekte usw.

Eines hat sich jedoch wieder bewahrheitet. Nicht nur der Lübke konnte sich in Afrika blamieren, nein - der Schröder kann das auch!
In Addis Abeba hielt er eine Grundsatzrede. Eigentlich nichts schlechtes, aber das versammelte afrikanische Auditorium bekam nur die billigen Plätze zugewiesen und wurde noch zusätzlich dadurch brüskiert, das man von dort aus keine Fragen an den Chef aller Deutschen stellen konnte.





Die Sonne Nairobis entlockte unserem Kanzler, das er in Klaus Töpfer den nächsten Bundespräsidenten sieht und in Pretoria war es dann gar ein Anfall von Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes, in diesem Fall Simbabwe, dessen politische Haltung Schrödi als "inakzeptabel" zurückwies und drohte, bestehende Sanktionen solange beizubehalten bis dort endlich wieder "demokratische" Verhältnisse herrschen würden. Südafrikas Staatspräsident Mbeki, dessen Land zu Simbabwe eher eine neutrale Haltung hat, fühlte sich sichtlich auf den Schlips getreten und er machte dem Kanzler aller Deutschen klar, das »Kraftvolle Stellungnahmen« zu diesem Thema überhaupt nicht angebracht seien.

Oberwasser bekam Schrödi aber wieder in Accra. Hier kam es ihm in den Sinn, den »Aufbau stabiler demokratischer Strukturen« für ganz Afrika einzufordern. Wie man diese Strukturen schafft, zeigt das Beispiel Jugoslawien ganz deutlich und so sieht Schrödi auch im ghanaischen »Peacekeeping Centre Kofi Annan« seine schwarz-afrikanische Berufung. Diese hochmoderne Söldner-Ausbildungs-Station unterstützt Deutschland mit über 2 Millionen Euro und das soll auch so bleiben. O-Ton Kanzler aller Deutschen: »Diese für die Friedenssicherung in Afrika so wichtige Einrichtung wird auch künftig auf unsere Unterstützung zählen können.«

Ja, so eine Kanzler-Safari bringt schon erleuchtenden Momente ...

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