Wer oder was ist AVAAZ?
In den vergangenen Tagen kamen über diverse persönliche und linke (!) Mailinglisten die Aufforderung, bei AVAAZ eine sog. Tibet-Resolution zu unterschreiben, dicht gefolgt von zahlreichen Mails, wieviele Personen diesen Tibet-Aufruf bereits gezeichnet hatten.Aber wer oder was ist AVAAZ? Darüber stand in diesen Mails nichts!
Hartmut Barth-Engelbart hat sich die Mühe gemacht, AVAAZ etwas näher unter die Lupe zu nehmen.
AVAAZ oder AWACS?von Hartmut Barth-Engelbart
Über diverse Listen bei attac u.a. macht eine Organisation Namens AVAAZ zur Zeit heftigste Werbung für Free-Tibet und Free-Zimbabwe Resolutionen. Was steckt dahinter? Nein, es sind keine Aufforderungen zum Einmarsch. Es geht ganz einfach um Menschenrechte, Demokratie -- und da muss man doch unterschreiben! Oder?
AVAAZ ist ein recht geschickt angelegter Versuch die Post-Bush-imperiale Politik der USA schon im Vorfeld "demokratisch" zu definieren und zu lancieren. Die USAmerikanischen Mutterorganisationen CIVIC ACTION und MOVE-ON, die ihren NGO-Status verdächtig oft betonen - wie ihre EURO-Tochter AVAAZ ebenfalls - sind im Randbereich der "Demokraten" angesiedelt und werden von prominenten "Demokraten" wie Al Gore, dem knapp gescheiterten Gegenkandidaten George Bushs bei der letzten Präsidentschaftswahl, unterstützt. M.E. ist sowohl MOVE-ON wie CIVIC-ACTION und AVAAZ der Versuch des Obama-Flügels der "Demokraten" , die Civil-Rights-Bewegung, Teile der Friedensbewegung, insbesondere der Anti-Irak-Kriegs-Bewegung zu beerben ohne strukturell wesentliche Änderungen vorzunehmen. Die beiden Mutterschiffe in den USA mögen innerhalb der Vereinigten Staaten durchaus auch tatsächliche demokratische Funktionen erfüllen, sogar Widerstand mobilisieren oder wenigstens bündelnd in den Kongress leiten (und in die Spendenkassen von Mister Obama) --- aber hauptsächlich erfüllen sie beide eher die Funktion des Facelifting, der Frischzellenkur für ein abgewirtschaftetes System, so wie der neue Star am Himmel der Stars & Stripes die Befreiungsträume der Underdogs mit Almosen betrügen und befrieden wird. Ebenso wie die Träume von der Beendigung der globalen US-Kriege. Das erste ist eine innere Angelegenheit der USA, beim zweiten reden gerade doch einige IrakerINNEN etwas mit. Und die Versendung von Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan ist auch nicht mehr nur eine innere Angelegenheit der USA.
AVAAZ ist ein Rattenfänger für die Kreuzzüge gegen die als Nächste anvisierten "Bad Guys" in strategisch wichtigen Gegenden - politisch, militärisch und resourcendefiniert.
Gestern Zimbabwe, dann Tibet, morgen Sudan und am ehesten och die Menschenrecht im Iran! Verdächtig ist die Tatsache, dass AVACS wie auch die Saatchi & Saatchi organisierten und CIA-cofinanzierten "Reporter ohne Grenzen" außenpolitisch im Vorfeld von Interventionen in "US-feindlichen" Schwellenländern mobilisiert. Dass diese als gebrannte Länder nicht wieder in die Fänge der alten und Neo-(westlichen) Kolonialmächte geraten wollen und auch nicht in die Abhängigkeit des neuen Russland macht sie für chinesische Entwicklungshilfe und Rohstoff/Energieinteressen empfänglich. Der kommenden Post-Bushistischen-US-Außenpolitik geht es wie der Bushistischen um die Aufrechterhaltung der US-Hegemonie, der Abhängigkeit der Entwicklungsländer und (mindestens)die Behinderung und Fesselung der chinesischen Konkurrenz auf dem Weltmarkt.. dazu braucht es die Allianz mit der EU und dazu ist auch AWACS gut.
Es ist schon so wie einst im "Kalten Krieg" mit der "Luftbrücke" und dem "Not-Opfer Berlin", wo man das Blut aus den Raubkriegen an den Händen gerade erst in Unschuld abgewaschen, die KZ-Krematorien-Asche noch im Haar mit einem Pfennig-Schleck für die gute Sache gegen den blutrünstigen Russen "with GOD on our side" kämpfen und statt Synagogen und Bücher Kerzen im Fenster für die Insulaner anzünden konnte. Die Freiheitsglocke läutet nicht für Gaza, sie läutet für das Kloster Lhasa.
AVAAZ ist sicher nicht hauptsächlich als defacto Nachfolger-Oragnisation von "Sing-out-66" oder dem "Peace-Corps" zu bewerten. AWACS muss an seinen Praktiken und den propagierten Inhalten gemessen werden. Ich halte AVAAZ für ein Fernsteurungsintrument gegen das Anwachsen antikapitalistischer, anti(neo-)kolonialistischer, antimilitaristischer NGOs und gegen das Anwachsen kommunistischer und anderer wirklich linker Organisationen in Asien, in Lateinamerika in Afrika und auch in Europa. Dass diese Versuchen Erfolge bringen, zeugt nicht nur das Abstimmungsverhalten der "LINKEN" (außer Pflüger) im EU-Parlament.


avaaz.org hat meines Wissens schon die aktuelle Medienhype zur Wiedereinführung des Mittelalters in Tibet eingeleitet und begleitet. mit der tollen Forderung nach Anerkennung des Dalai Lama als Vertreter des tibetischen Volkes - mit ihm soll die chinesische Regierung verhandeln zwecks Autonomie usw ... Dann sollte AVAAZ auch Verhandlungen mit dem Papst fordern, dem Vertreter des bayrischen Volkes. Wenn es sich von Deutschland trennen will - Schäuble wird dann die evangelischen Asylbewerber, die die Pogrome gegen die Preussen und die Franken überlebt haben, nach einer AusnahmeAufnahmeregelung in Baden-Württemberg aufnehmen ... Man könnte sie aber auch zur Regermanisierung Ostpreußens rund um Kaliningrad zunächst in Bundeswehrzelten und in Containern der Firma Züblin in Flüchtlingslagern unterbringen ("Züblin: 1000 Jahre Erfahrung im Lagerbau!") ((so viel WERBUNG muss sein!))
Zu Zimbabwe nur so viel: wie lange haben eigentlich die Auszählungen in den USA
bei der letzten Präsidentschaftswahl gedauert, wie viele Gerichte haben sich
eingeschaltet bis dann endlich klar war, dass Dabbeljuchhuh von gerade Mal 17 %
der Wahlberechtigten und lediglich mit rund 1700 Stimmen Vorsprung vor seinem
Konkurrenten Al Gore zum Präsidenten gewählt wurde. Hat damals AVAAZ den
Einmarsch, die Intervention Kubas und Fidel Castros gefordert? Noch bis heute
ist unklar wie genau die Auszählung in den USA gefälscht, manipuliert wurde.
Das oberste Gericht Zimbabwes muss jetzt u.a. erst klären, ob die Auszählung in
Zimbabwe manipuliert wurde. Die von Alt- und Neokolonialisten kontrollierte und
geführte MDC steht im dringenden Verdacht Leute aus den Wahlkommissionen
bestochen zu haben. Die Mittel für auch diese Art des Wahlkampfes der MDC
stammen aus Großbritannien, aus der Friedrich-Naumann-, der Friedrich-Ebert-
und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Mitwirkung der Heinrich-Böll-Stiftung
muss noch geklärt werden. Des Weiteren stammen sie aus Teilen der katholischen
Kirche wie aus Bereichen der ehemaligen evangelischen deutschen
Ostafrika-Mission. Der Oppositionsführer ist ein fast hundertprozentiger
Zögling der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich schon bei der "Rettung
Portugals vor dem Kommunismus" so glänzend hervorgetan hatte. Den
Vertretern der Nelkenrevolution gegen der Faschisten Salazar drohten sie unter
der Gesprächsleitung von Helmut Schmidt mit Einmarsch von NATO-Verbänden, wenn
Portugal aus der NATO austreten und die Stützpunktverträge mit den USA und den
anderen NATO-Staaten kündigen sollte. Gleichzeitig begann die
Friedrich-Ebert-Stiftung mit immensen Finanzmitteln eine sozialdemokratische
Partei nach SPD-Vorbild in Portugal aufzubauen, die mit dem Widerstand gegen
die Faschisten nicht das Geringste zu tun hatte. Und mit der Unterstützung des
Befreiungskampfes der Kolonien so und so nicht. Ein zentraler der Schmidt'schen
Interventionsdrohungen war die Bodenreform und die Einrichtung von Kooperativen
auf dem Großgrundbesitz. Das seien ebenfalls Gründe für den NATO-Einmarsch.
In Zimbabwe ging es den ehemaligen Herrschern wie den mittlerweile ans Ruder
kommenden "Neueinrichtern", die mit viel Kapital die alten etwas
zermürbten rhodesischen Haudegen abgelöst haben, wie der Münchner Großagrarier
von Paetzold mit einer Farm in der Größe von 10 % des Saarlandes und das mitten
im fruchtbarsten Teil Zimbabwes. Da wächst Tabak und das ist gut für Zimbabwes
Kinder. In Zimbabwe ging es den alten und Neo-Kolonialisten immer um die
Verhinderung und die Entwertung jeglicher Bodenreform, um die Verhinderung
selbstbestimmter Strukturen und die Verhinderung des Erwerbs von neuem
landwirtschaftlichen Know How durch die schwarzen landlosen (d.h. über 100
Jahre und länger durch die Weißen enteigneten) Zimbabwer selbst. Und es geht um
die Durchsetzung der europäischen Formen von Privateigentum an Grund und Boden
und Groß-Industrialisierung der Landwirtschaft, was Landflucht und
Pauperisierung begünstigt und riesige Heere von Billigstarbeitskräften in den
Großstädten und ihre Abhängigkeit von (christlichen) Almosen und die
einhergehende Bestechlichkeit schafft. Während der noch junge unabhängige Staat
Zimbabwe von außen organisiert ausgehungert wird, die Großagrarier der
staatlichen Steuerfahndung noch hochhaushöher als hier überlegen sind, der
Staat seine soziale Infrastruktur nur völlig unzureichend ausbauen kann,
bekommen die auch als MDC-Stütz-und Sammelpunkte dienenden Missionsstationen
jede erdenkliche Hilfe aus Europa und den USA. Medikamente, die der Staat
Zimbabwe nicht besorgen kann, Ausbau des Gesundheitswesens und des Schulwesens,
den er kaum im erforderlichen Maße vorantreiben kann, das alles wird mit
europäischer Hilfe in den christlich-weißen Anfütterstellen geboten. Dazwischen
tummeln sich neben von sattsam bekannten Diensten betriebenen "NGO’s"
auch tatsächliche NGO’s, oder solche mit Zwittercharakter.
Die sozialdemokratisch beherrschten und friedrich-ebert-stiftungs-und
blairlabour-finanzierten Gewerkschaften Zimbabwes steuern auf ein
Arbeitsgemeinschaftsmodell zu, das das Kapital fördert und den Lohnabhängigen
daraus gerechten Lohn verspricht. abhängig vom Wohl und Wehe der herrschenden
Klasse von Großgrundbesitzern, EU-Handelskapital, europäischen Großbanken.
Jetzt müsste ich noch drei Kapitel schreiben darüber, wie die Bodenreform durch
das Lancasterhouse-Abkommen verhindert wurde, wie sie ohne die fruchtbaren
Böden in den Händen der weißen Großagrarier niemals funktionieren konnte, wie
es einem Staat ohne ausreichende Mittel unmöglich ist den Weißen das Land zu
Marktpreisen abzukaufen und wie die Besetzung des eigenen Landes zur
"Menschenrechtsverletzung" und Grund zur human-militärischen
Intervention gemacht wird.
Dass Desmont Tutu sich jetzt als katholischer Oberpriester des südlichen Afrika auch noch für den Dalai Lama stark macht und sich vor den US-CIA-gesponsortern "Free-Tibet"-Karren spannen lässt, sollte uns Anlass genug sein, die Rolle der Christlichen Kirchen in Afrika noch einmal gründlichst zu hinterfragen: das Ende der "Apartheid" ohne das Zurückdrängen der Macht des Kapitals stellt den christlichen Kirchen die Kardinalfrage: Wich Side are You on?
Und der Nachfolger Mbekis, der diese Fragen stellt und sie unter dem Druck der Massen auch so stellen muss, der wird gerade schon medial zum "Bad Guy" aufbereitet. Wir können ja schon Mal Wetten abschließen wer als nächstes befreit wird. Möglicher Weise wird Nepal ein Testfall.© HaBe, April 2008









